Mainhardt Dalkinger Tor war Triumphbogen

Am Wachturm bei Grab sind Schilde und Speere abgestellt. Die Welzheimer Römergruppe Numerus Brittonum hat am Sonntag am Limesturm auf dem Heidenbuckel den Limes reaktiviert. Foto: Volker Hoschek
Am Wachturm bei Grab sind Schilde und Speere abgestellt. Die Welzheimer Römergruppe Numerus Brittonum hat am Sonntag am Limesturm auf dem Heidenbuckel den Limes reaktiviert. Foto: Volker Hoschek
Mainhardt / MICHAELA KÖHLER 11.06.2013
Stephan Bender, Leiter des Limeszentrums Aalen, hat im Mainhardter Römermuseum einen Vortrag über den Germanenfeldzug des Caracalla gehalten. 25 Besucher kamen zum Auftakt der Vortragssaison.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Limestor in Dalkingen. Es knisterte im Museum vor Spannung - obwohl das Tor schon mehrfach im Römermuseum thematisiert worden ist. Grund für die aufgeladene Atmosphäre waren die Querverbindungen zwischen dem Tor und dem Kaiser Caracalla - ein Mensch mit zweifelhaftem Charakter. Wie Bender sagte, hatte dieser "mit psychischen Defekten zu kämpfen". Sicherlich spielte dabei die Ermordung seines Bruders Geta eine Rolle. Auch die Überzeugung des Kaisers, die Seele von Alexander dem Großen sei in ihn geschlüpft, dürfte für seine Zerrüttung mitverantwortlich gewesen sein.

Caracalla konnte bis 212 n. Chr. noch keine eigenen Erfolge aufweisen. Dieser Umstand führte zu dem Germanenfeldzug, der - wie man bislang glaubte - durch das Dalkinger Tor stattgefunden hatte. Diese bisherige Vermutung konnte Dr. Stephan Bender durch akribische und saubere Archäologenarbeit verifizieren. Zunächst sicherte er die feststehenden Fakten. So waren die in Stein gemeißelten Protokolle der Arvalbrüder eine Quelle. Berichte von Herodian und Cassius Dio, der ein Kritiker von Caracalla gewesen ist, wurden zitiert.

Bei der Durchsicht der bisherigen Berichte der Archäologen fiel Bender eine Fotografie des Luftbildarchäologen Otto Braasch in die Hände, auf der ein Mauerhaken vor dem Dalkinger Limestor zu sehen ist, der bislang aber nicht ernst genommen wurde. Der achtsame Archäologe jedoch war genau von diesem unscheinbar wirkenden Mauerhaken wie elektrisiert. Weitere Untersuchungen, die er daraufhin anstellte, ließen ihn in Afrika ein Heiligtum entdecken, das aus Dank über den Sieg Caracallas von dessen Mutter Julia Domna in Dougga (Tunesien) gestiftet wurde. Da die Familie der Severer, aus der Caracalla stammt, aus Afrika kommt, ist diese zunächst erstaunlich wirkende Tatsache verständlich. Solche Heiligtümer wurden damals öfters im Zusammenhang mit einem Triumphbogen errichtet, so in Rom, Algerien und Tunesien.

Auf seine Vermutung hin ließ Stephan Bender das Gelände vor dem Dalkinger Tor mit geoelektrischen Techniken untersuchen. Die Ergebnisse waren schlüssig: In der Nähe des Dalkinger Tores muss ein Heiligtum gestanden haben, vermutlich von Caracallas Lieblingsgott Apollo Grannus. Das aber würde bedeuten, dass der Feldzug nicht durch das Tor begonnen hat, sondern dass das Dalkinger Tor als Triumphbogen errichtet wurde - nach dem Sieg des Kaisers, vermutlich gestiftet von dessen persönlichem Begleiter, Gaius Octavius Sabinius.

Ein ähnliches Objekt steht vor dem römischen Carnuntum, das Heidentor. Da dort die Kaiserstatue auch im Inneren des Bogens gestanden hat, könnte im Dalkinger Tor auch die Stelle für die Statue Caracallas gewesen sein. Darauf deuten 150 Kleinfunde hin.

"Nun wäre es die Aufgabe eines Forschungskolloquiums", so meinte der Archäologe Stephan Bender, "herauszufinden, wo sich die Truppen für den Feldzug gesammelt haben und wo sie über den rätischen Limes nach Germanien aufgebrochen sind."