Region Daheim mit Tee, Gebäck und Ratatouille

Richard Färber ist Redakteur bei der RUNDSCHAU in Gaildorf.
Richard Färber ist Redakteur bei der RUNDSCHAU in Gaildorf.
Region / RICHARD FÄRBER 08.10.2014
Ich möchte Sie kurz mit dem ollen Proust belästigen. "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" dürfte vielen ein Begriff sein, gelesen habens aber wahrscheinlich nur ein paar Auserwählte mit zu viel Freizeit. Ich jedenfalls nicht.

Marcel Prousts opus magnum liegt auf Wiedervorlage für die Zeit nach dem Rentenbescheid. Dank einer soliden Halbbildung weiß ich aber in etwa, worums geht bei Proust, zumindest die Madeleine-Episode ist mir einigermaßen geläufig, und als geschulter Mehrfachverwerter krieg ich auch problemlos die Kurve zu Monsieur Ego, den wiederum die meisten von uns kennen dürften.

Die Madeleine-Episode geht so: Der Erzähler, mies gelaunt, kriegt von Mama Tee mit Gebäck, sogenannten Madeleines vorgesetzt. Er brockelt. Er schlürft. Und erlebt einen augenblicklichen Stimmungsumschwung, der lange analysiert werden muss, bis die dazugehörige Erinnerung auftaucht.

Eine Gabel voller Erinnerungen

Bei Monsieur Ego gehts schneller: Der gestrenge Restaurantkritiker aus dem Animationsfilm "Ratatouille" erlebt seinen Proustschen Moment beim Kosten und wird umgehend wieder zum ausgelassenen Buben. Monsieur Ego hat das "unermessliche Gebäude der Erinnerung" betreten, und der Schlüssel, der ihm Zugang gewährte, war eine Gabel mit geschmortem Gemüse.

Bei beiden gehts ums Heimkommen. Für einen kurzen, sinnlichen Moment haben sie ihren Sehnsuchtsort wieder entdeckt. Daheimsein ist nämlich etwas sehr Persönliches. Daheim ist man allein. Und glücklich. Das hab ich jetzt gerade beim Nachdenken über ein Buch gelernt, das ich nicht gelesen habe.

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