Crailsheim Crailsheims Alleinstellungsmerkmal: Keine Stadthalle

MATHIAS BARTELS 16.05.2014
Stadthalle und kein Ende? Na logisch! Wenn ein Thema schon seit mehr als hundert Jahren in der Stadt am Köcheln gehalten wird, darf es natürlich auf der Agenda eines Wahlforums nicht fehlen.

Wichtige Erkenntnis: Die Front der bedingungslosen Befürworter einer komfortablen Halle für Kultur und Bürgertreffen, womöglich gar für Sport und noch viel mehr, scheint zu bröckeln. Lediglich zwei der Herren auf dem Podium sprachen sich ohne Wenn und Aber für den Bau einer Stadthalle aus, Norbert Berg (AWV) und Gernot Mitsch (SPD). Die drei anderen äußerten sich differenzierter und ließen erkennen, dass in Sachen "Crailsheimer Jahrhundert-Wunsch" für sie das letzte Wort noch längst nicht gesprochen ist.

Gerhard Neidlein (CDU) war überzeugt, dass ein solcher Neubau "vielleicht zu finanzieren, aber nicht zu unterhalten ist". Mit dem Standort am Spital brachte er einen Uralt-Plan wieder ins Gespräch, gab aber zu verstehen, dass in seiner Fraktion die Meinungen weit auseinanderdriften. "Sieben bis acht Millionen Euro reichen bei Weitem nicht", ergänzte er und verwies darauf, dass neuerdings ja auch die Merlins auf eine Spielstätte für die erste Basketball-Bundesliga pochen. Wenn Kistenwiesen- und Jahnhalle am Volksfestplatz gemeinsam überplant würden und die Merlins bereit wären, 3000 Zuschauerränge zu bauen, wäre zwar eine neue Voraussetzung geschaffen, doch günstiger würde das Projekt dadurch nicht.

"Das ist mir zu popelig"

Peter Gansky (Bürgerliste Crailsheim) plädierte für eine völlige Neuplanung. Er weine immer noch der Lösung am ZOB nach, die per Bürgerentscheid vom Tisch gefegt wurde. Grundsätzlich rede er dem "Maßhalten" das Wort - und eine Halle wie in Kirchberg ("Das ist mir zu popelig") kommt für ihn auch nicht infrage. "Heute haben wir kein Geld mehr für eine Halle, wie sie vor 20 Jahren gebaut worden wäre", beschied er.

Wilfried Kraft betonte, "nachdem einige Lösungen hinter uns liegen, haben wir für das Thema kein Geld mehr". Die Chance, den Hangar zu nutzen, brächte der Stadt kaum mehr Belastungen als die Folgekosten beim Stadthallenneubau. "Wenn ich sehe, wie wenige Crailsheimer Theater und Konzerte besuchen, brauche ich keine Halle", sagte Kraft.

Norbert Berg bedauerte, dass es in Crailsheim keine Flächen für Abschlussbälle, kein Domizil für Kultur und keine Räume für Firmenfeiern gibt: "Der Hangar ist kein Ersatz." Er sprach sich für eine neue Kulturhalle aus, weil "eine Sporthalle für Feste umzubauen, das geht nicht".

"Crailsheims Alleinstellungsmerkmal ist es, keine Stadthalle zu haben"

Gernot Mitsch verwies darauf, dass der Gemeinderat zuletzt 2013 mit eindeutiger Mehrheit beschlossen habe, eine Stadthalle zu bauen und das Vorhaben auch in der STEP-Prioritätenliste auftauche. "Crailsheims Alleinstellungsmerkmal ist es, keine Stadthalle zu haben", mäkelte der SPD-Mann. Mitsch möchte "die Sache zu Ende bringen", sagte er.

Begehrlichkeiten über den Stadthallenbau hinaus gibt es genug. So war denn am Mittwoch nicht nur die Notwendigkeit des Baus der Jagstheimer Halle umstritten. Am Kreuzberg und auf dem Roten Buck etwa vermisste nicht nur Peter Gansky vergleichbare Bauten. Vor allem die fehlende Halle im größten Stadtteil, am Kreuzberg, beschwor in der Publikumsrunde Wünsche herauf: Es sei ein Unding, nicht gleich mit dem Schulbau dort eine Halle erstellt zu haben, hieß es.
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