Inzwischen ist der Posteingang überschaubar. Doch es gab Wochen, da erreichten die Handwerkskammer Heilbronn-Franken täglich mehr als 200 Anträge von Betrieben auf Soforthilfe. „Während in unserem Bildungszentrum auf Kurzarbeit umgestellt werden musste, mussten andere Überstunden schieben und an Wochenenden arbeiten“, erzählt Ralf Schnörr, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. „Zeitweise wurden wir geradezu überrollt.“ Inzwischen habe sich die Lage beruhigt.

Bis Mittwoch stellten 5550 Betriebe in der Region Heilbronn-Franken, zu der auch der Landkreis Schwäbisch Hall gehört, Antrag auf Soforthilfe. Das entspricht etwa einem Drittel aller Handwerksfirmen.

Warten aufs Geld

Inzwischen hat sich eine neue Problematik ergeben. Die L-Bank, die die Soforthilfe auszahlt, habe unlängst auf eine neue Software umgestellt. Dadurch würden sich die Auszahlungen verzögern, bedauert Ralf Schnörr. Das sei der Grund, warum etwa fünf Prozent der Antragsteller noch auf ihr Geld warten. „Es heißt ja Soforthilfe. Es sollte kein Vierteljahr mehr dauern, bis den Firmen geholfen wird“, erwartet der Hauptgeschäftsführer.

Bozen

Glaubhafte Darstellung

Die Handwerkskammer prüft die Anträge zunächst auf Plausibilität, ehe sie an die L-Bank und das Wirtschaftsministerium weitergeleitet werden. „Wir achten da­rauf, dass die Betriebe glaubhaft darstellen, warum sie jetzt auf Hilfe angewiesen sind“, macht Ralf Schnörr deutlich. Eine formelle Voraussetzung für die Soforthilfe ist, dass das jeweilige Unternehmen in die Handwerksrolle eingetragen ist. Dieser Punkt sei leicht zu überprüfen. Teil der Antragsformalität ist auch eine eidesstattliche Erklärung, dass die Angaben stimmen. „Wenn das nicht so ist, können die Antrag­steller juristisch belangt werden“, warnt der Kammerchef.

Eine tiefer gehende Prüfung sei angesichts der großen Zahl von Antragstellern nicht zu leisten. „Es ist ausgeschlossen, dass wir beispielsweise die Liquiditätslage der einzelnen Betriebe unter die Lupe nehmen“, macht der Hauptgeschäftsführer deutlich. Allerdings gebe es Stichproben.
Ralf Schnörr sind zwei Fälle bekannt, in denen versucht worden ist, sich die Soforthilfe zu erschleichen. Betrüger hätten Namen und Adressen von bestehenden Handwerksbetrieben verwendet und Anträge gestellt. Diese Versuche wurden bemerkt und zur Anzeige gebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittle. Es ist zu befürchten, dass es eine Dunkelziffer gibt.

Kammer näher an Betrieben

„Durch Corona sind wir ein Stückchen näher an die Betriebe herangerückt“, stellt Schnörr fest. „Die wissen jetzt, dass wir uns für sie einsetzen und dass sie etwas von der Kammer haben.“

Von der Corona-Krise seien nicht alle Gewerke gleichermaßen betroffen. So seien die Bau- und die Ausbaubranche weniger stark eingeschränkt. „Aber vielleicht kommt das mit zeitlicher Verzögerung. Dann nämlich, wenn die Menschen ihr Geld eher zurückhalten, weil sie um ihren Arbeitsplatz fürchten“, sagt Ralf Schnörr. Fraglich sei, ob trotz der Hilfen alle Betriebe die Krise überstehen werden.
An die Adresse der politischen Entscheider richtet der Hauptgeschäftsführer eine Forderung: Die Wirtschaft müsse langsam wieder hochgefahren werden. „Unsere Betriebe brauchen Umsatz.“

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Stufen umfasst die Soforthilfe. Soloselbstständige und Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern können bis zu 9000 Euro erhalten. Mit bis zu 15 000 Euro können Betriebe mit höchstens zehn Mitarbeitern unterstützt werden. Bis zu 30 000 Euro sind für Betriebe mit höchstens 50 Mitarbeitern vorgesehen.