Unternehmen an allen Orten und in allen Branchen sind alarmiert. „Die Anzeigen zur Kurzarbeit sind im Agenturbezirk um das Zigfache gestiegen und liegen jetzt im unteren vierstelligen Bereich“, lässt die Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim wissen. „Ich kenne kein Unternehmen, das Beschäftigte nicht jetzt gleich oder später in Kurzarbeit schickt“, erklärt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall, Uwe Bauer. „Die Tarifpartner halten zusammen. Sie haben ein gemeinsames Ziel“, betont Jörg Ernstberger, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall in Heilbronn.

Schwäbisch Hall

In Baden-Württemberg wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein sogenannter Solidarta­rifvertrag 2020 abgeschlossen. Zustimmen muss noch der Mitgliederrat des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Damit ist für Ende der Woche zu rechnen. Die Entscheidung gilt als Formsache. Erfolgt diese Zustimmung, dann werden die Beschäftigten in der Metall- und Elektrobranche in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung bekommen. Es geht allein darum, die Unternehmen dabei zu unterstützen, dass sie mithilfe des Kurzarbeitergelds überleben können.

Damit übernimmt Baden-Württemberg den Pilot­abschluss aus Nordrhein-­Westfalen in wesentlichen Teilen. Nicht beinhaltet ist die Zuschussregelung zum Kurzarbeiter­entgelt. Grund: Im Südwesten gibt es bereits weitergehende Zahlungen der Unternehmer.

Crailsheim/Hall

Uwe Bauer berichtet von einem Unternehmen aus dem Haller Raum, bei dem die Produktion auf null gesunken ist. Es bekommt keinen Stahl mehr aus Italien. Die Lieferkette ist gerissen. Feierabend. Wie lange – das weiß derzeit keiner.

„Weite Teile haben die Produktion eingestellt oder heruntergefahren“ bestätigt Südwestmetall-Geschäftsführer für die Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken Jörg Ernstberger. Wie sein Widerpart Uwe Bauer von der IG Metall arbeitet Ernstberger derzeit im Homeoffice. Die heimischen Unternehmen der Metall- und Elektrobranche seien allesamt im Krisenmodus, sie streckten sich nach allen Möglichkeiten, um ihre Lage zu verbessern. Kurzarbeit spielt dabei eine entscheidende Rolle.

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Millionen Menschen in Deutschland könnten in diesem Jahr von Kurzarbeit betroffen werden, so eine Schätzung von Statista. 2019 waren es 147 000, im Jahr davor 117 000 Beschäftigte.

Finanzielle Einbußen bei Kurzarbeit


Kurzarbeit bedeutet, dass Betriebe die Arbeit ihrer Beschäftigten zeitlich befristet reduzieren – und in entsprechendem Maß das Gehalt, das sie als Arbeitgeber zu zahlen haben. Arbeitsplätze sind in der Kurzarbeit sicher. Das ist gesetzlich geregelt.

Es ergeben sich allerdings finanzielle Einbußen bei den Betroffenen. Das Nettogehalt bei Kurzarbeit setzt sich in der Regel aus zwei Komponenten zusammen. Erstens: Anteil des regulären Gehalts vom Arbeitgeber. Zweitens: Anteil aus dem Kurzarbeiterentgelt in Höhe von 60 Prozent des Verdienstausfalls. Bei Arbeitnehmern mit Kindern beträgt dieser Anteil 67 Prozent.

In der Metall- und Elektrobranche wurden bereits vor Jahren weitergehende Regelungen getroffen. So bekommen Angestellte bei „Kurzarbeit null“, zum Beispiel bei einem Produktionsstopp, mindestens 80,5 Prozent ihres Monatsnettogehalts.

„Unternehmen bekommen in dieser besonderen Situation Unterstützung, damit sie Entlassungen vermeiden und sie zusammen mit ihren Beschäftigten nach der Krise unmittelbar wieder durchstarten können. So sichern wir gemeinsam Arbeitsplätze. Dazu werden die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld erleichtert“, schreibt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

Bisher konnte Kurzarbeit beantragt werden, wenn ein Drittel der Belegschaft eines Unternehmens von Arbeitsausfall betroffen war. In der erweiterten Version der Kurzarbeitsregelung, die im aktuellen Fall wegen der Corona-Krise gilt, reicht es, wenn zehn Prozent der Mitarbeiter eines Betriebs betroffen sind.

Unternehmen werden auch entlastet, weil die Sozialversicherungsbeiträge bei Kurzarbeit von der Bundesagentur für Arbeit vollständig erstattet werden. just