Vergangenen Samstag steht auch der Protagonist des Abends brav in der Schlange, die sich vor dem Einlass zur Großsporthalle Ilshofen gebildet hatte. Mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet wartet Christian von Stetten auf das Zeichen der Ordner, die Halle zu betreten. Im Foyer melden sich er und die weiteren Teilnehmer der Nominierungsversammlung der beiden CDU­-Kreis­verbände Schwäbisch Hall und Hohenlohe erst einmal an, dann geht es in die Halle. Die ist nach den Vorgaben der Stadt Ilshofen bestuhlt. Der Raum zwischen den Sitzgelegenheiten beweist, dass man die Corona-Verordnungen sehr ernst nimmt. „Wir haben uns mit der Stadtverwaltung ausgetauscht und alles so gemacht, wie man es uns vorgegeben hat“, sagt Shajeevan Thavakkumar, Bezirksgeschäftsführer der CDU Nordwürttemberg. Er kümmert sich an diesem Abend im Hintergrund um alle organisatorischen Aspekte.
Neben der Wahl von regionalen Vertretern und Ersatzvertretern für die Aufstellung der Landesliste zur Wahl des 20. Deutschen Bundestags im kommenden Jahr geht es bei der Wahlkreismitgliederversammlung vor allem um eines: die Wahl des CDU-Kandidaten für den Wahlkreis 268 Schwäbisch Hall-Hohenlohe. Wenig überraschend gibt es nur einen Wahlvorschlag. Christian von Stetten aus Künzelsau tritt zum sechsten Mal seit seiner ersten Nominierung 2001 an. Und er erhält sein bislang bestes Ergebnis. Von den 162 stimmberechtigten CDU-Mitgliedern – vornehmlich gesetzteren Alters und überwiegend männlich – stimmen 94,2 Prozent für den langjährigen Bundestagsabgeordneten. „Diese Einigkeit in den beiden CDU-Kreisverbänden gibt mir einen großen Motivationsschub und verpflichtet mich, weiterhin alle Energie für diesen Wahlkreis einzusetzen“, sagt von Stetten nach der Wahl auf Nachfrage.
Bei der Corona-Pandemie habe die Bundesregierung schnell und richtig gehandelt, so von Stetten zuvor in seiner Bewerbungsrede. „Viele Bürger schreiben mir, dass in Berlin mehr richtig als falsch gemacht wurde“, so der Abgeordnete. Das schlage sich auch in den guten Umfrageergebnissen der Union nieder. Ein Hilfsprogramm von über 400 Millionen Euro werde man wahrscheinlich nur einmal schnüren können, gab von Stetten zu bedenken. Man sei aber für eine zweite Corona-Welle gewappnet. Die CDU müsse sich außerdem in Zukunft wieder mehr um die Landwirtschaft kümmern, denn auch diese sei systemrelevant. Zu den Ausschreitungen in Stuttgart und Frankfurt forderte er null Toleranz. „Der Staat und wir als Bevölkerung müssen uns schützend vor unsere Polizei, die Feuerwehr und die Rettungs- und Hilfsorganisationen stellen“, so von Stetten.

Zwei Jahre im Rückstand

Natürlich darf auch eines von von Stettens Hauptthemen nicht fehlen: der sechsspurige Ausbau der A 6 von der bayerischen Grenze bis zum Weinsberger Kreuz. Bei der Nominierungsversammlung vor vier Jahren habe er erklärt: „Das notwendige Geld werden wir besorgen, 2021 beginnt der Ausbau und wenn ich meinen eigenen Spaten mitbringen muss.“ Heute wisse man, dass der Ausbau 2021 nicht beginnen kann. Das grüne Landesverkehrsministerium habe mitgeteilt, dass man bei den Planungen weitere zwei Jahre Verspätung habe. „Das ist sehr ärgerlich. Hoffentlich stehen die Gelder immer noch zur Verfügung, wenn die Planer endlich fertig sind“, so von Stetten. Bedauern drückt er auch dafür aus, sich mit seinem Plan zur Verkleinerung des Bundestags nicht durchgesetzt zu haben. Er bleibe dabei: „Die Anzahl der Bundestagsabgeordneten ist zu hoch.“ Er stehe weiter für klare Worte: „Ich sage auch meine Meinung, wenn ich meine, die Bundesregierung ist falsch abgebogen.“
Bei der Formulierung der Unionsziele für das kommende Jahr herrschte bei allen Rednern auf der Versammlung Einigkeit: Das Landtagsdirektmandat im Wahlkreis Schwäbisch Hall müsse zurückerobert werden, das Direktmandat im Wahlkreis Hohenlohe verteidigt und mit CDU-Spitzenkandidatin Dr. Susanne Eisenmann solle erstmals eine Frau Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg werden. Später im Jahr gelte es, im Bundestagswahlkampf das Direktmandat im Wahlkreis 268 zu verteidigen und erneut einen Bundeskanzler aus Reihen der CDU/CSU zu stellen. „Wir sind da guter Dinge“, so fasst es Prof. Wolfgang Reinhart zusammen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag hat die Versammlung geleitet.