Satteldorf Buntes aus dem schwarzen Wald

Thorsten Lemke als Wandermusikant Richard Löwenstein und Annegret Paerschke als Sängerin Malwine von Hainau sind eines der beiden Liebespaare der Operette.
Thorsten Lemke als Wandermusikant Richard Löwenstein und Annegret Paerschke als Sängerin Malwine von Hainau sind eines der beiden Liebespaare der Operette. © Foto: Ralf Snurawa
Satteldorf / Ralf Snurawa 14.06.2018
Nicht nur um die Gegensätze zwischen Arm und Reich ging es bei der viel umjubelten Aufführung des „Schwarzwaldmädel“.

Fast 101 Jahre ist die Uraufführung von Léon Jessels Operette „Schwarzwaldmädel“ in der alten Komischen Oper in Berlin mittlerweile her. Schon drei Jahre nach der Uraufführung folgte die erste Verfilmung. So richtig bekannt wurde aber die erste deutsche Farbfilmfassung von 1950 mit 16 Millionen Kinobesuchern. Dadurch rutschte das Sujet aber unglücklicherweise in den Bereich des kitschigen Heimatfilms ab.

Dabei sollte man Léon Jessels Operette durchaus in der Tradition der silbernen Operettenära sehen, also zusammen mit Operetten von Franz Lehár oder Emmerich Kálmán, und auch ein wenig in der der Berliner Operette, etwa eines Ralph Benatzky.

Nicht nur Gegensätze zwischen Reich und Arm, zwischen der Bärbel und der jungen Adligen Malwine von Hainau, sondern entsprechend auch zwischen Stadt und Land werden  betont. Gleichzeitig werden sie am Ende wiederum aufgehoben, indem beide ihr Glück finden: die Adlige in Richard Löwenstein, die Haushaltshilfe im mit ihm befreundeten und vor der Adligen geflohenen Hans.

Ins Altersschicksal gefügt

Blasius Römer fügt sich dagegen in sein Altersschicksal. In der Aufführung der Operette in der Satteldorfer Sport- und Festhalle vermochte Ulrich Feige am Sonntag in dieser Rolle zu glänzen. Ihm nahm man den besorgt-beliebten Domkapellmeister ab.

Er überzeugte auch als Sänger, besonders im Duett „O Cäcilie, was nützt die Hauspostille“ mit Saskia Maas als gesanglich wie darstellerisch glänzender Bärbel. Den Schmelz ihres Soprans lotete sie später zum Walzerduett „Erklingen zum Tanze die Geigen“ mit Genuss aus. Ihre Seite als gewitzt klingende Soubrette zeigte sie zu „Schöner Tänzer, du entschwindest“.

Fast übertroffen wurde sie nur noch von Annegret Paerschke als Malwine von Hainau in ihren Duetten mit dem Wandermusikanten Hans, dem Thorsten Lemke etwa zu „Lockende Augen holder Sirenen“ tenorale Zartheit verlieh. Seinen Buffo konnte er zusammen mit Florian Lampadius als Richard zu „Wir sind auf der Walz“ ausspielen. Irgendwo dazwischen – mit sehnsüchtigem Ton angereichert – ließ sich das Duett „Malwine, ach Malwine, du bist wie eine Biene“ verorten.

Im Quintett „Mädle aus dem schwarzen Wald“ harmonierten Ellen Ott als Domkapellmeistertochter Hanna und Elke Köhnlein als Wirtstochter Lore mit Annegret Paerschkes Sopran und Florian Lampadius’ Tenorbuffo. Thomas Haas als Schreiber Theodor duettierte schön mit Elke Köhnlein zu „Wenn der Mensch immer wüsst, was das Richtige ist“, wie auch alle anderen; einfühlsam und voller Klangschmelz vom Projekt­orchester unter Leitung von Hanns-Hermann Lohrer begleitet. Jürgen Pfänder-Häberlein gab in seiner Sprechrolle den wunderbar nervigen Berliner Fabrikanten Schmußheim. Ebenfalls zur Sprechrolle gewandelt war Jürgen, der Wirt des „Blauen Ochsen“, mit Tilmann Kouril zu erleben. Mit viel Humor beleuchtete er diese Figur zwischen Wirt, um seinen Posten besorgter Bürgermeister, Ortspolizist und Feuerwehrhauptmann. Gernot Mitsch legte in seiner Regie Wert darauf, dass der Spaß am Spiel nicht zu kurz kam.

Das umfasste natürlich die Prügelszene beim Cäcilienfest ebenso wie das Wehklagen danach. Ergänzt wurde alles noch um tänzerische Einlagen, sodass die etwa 100 Ausführenden den über 500 Theaterbesuchern einen bunten und abwechslungsreichen, am Ende mit stehend gespendetem Beifall und Bravorufen beschlossenen Abend bescheren konnten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel