Michelbach Bundestagswahl: Lieber Ehrenamt statt Joint

Michelbach / SIGRID BAUER 23.07.2013
Wie kommen Politiker bei Schülern an? Die Jugendlichen haben Fragen zur Energiewende, zum Syrienkonflikt und zur Legalisierung von Drogen. Am Ende sind die Sympatien unterschiedlich verteilt.

Die Bundestagsabgeordneten Annette Sawade (SPD) und Harald Ebner (Grüne) und die Wahlkreisdirektkandidaten der FDP, der Piraten und der Linken nutzen die Chance, sich vor jungem Publikum zu positionieren. Christian von Stetten (CDU) lässt sich von der Kommunalpolitikerin Ursula Schmezer vertreten.

Nick Pierobon, Internatsschüler aus Karlsruhe, bemängelt das später: Alle Teilnehmer hätten auf derselben Ebene sein sollen, so der 19-Jährige. Für Niklas Hartmann aus Hall ist Schmezer "die Verkörperung der schwäbischen Hausfrau".

Die Schüler applaudieren jedem Einzelnen in der Vorstellungsrunde, die meisten hören den Ausführungen aufmerksam zu - bis auf einige Schüler weiter hinten, die sich wohl wenig für Politik interessieren.

Alexander Brandt (Piraten) wirft den etablierten Parteien vor, mit dem Fraktionszwang ihren Abgeordneten das eigenständige Denken zu verbieten. Auch Florian Vollert (Linke) hat eine Schelte für diese Parteien parat: Sie seien verantwortlich für die Finanzmarktkrise. Beim Thema Energie bemängelt er, dass die Strompreise steigen und die Armen belasten, während die Industrie von der Ökosteuer befreit sei.

Ebner weist auf den rot-grünen Atomausstieg von 2001 hin, der von der Merkel-Regierung aufgehoben wurde. Die SPD-Politikerin Sawade fordert einen Master-Plan für die bisher konzeptlose Energie-Wende.

Stephen Brauer (FDP) bezichtigt die Grünen der Doppelmoral: In den Bürgerinitiativen gegen den Bau großer Stromtrassen seien auch viele, die den Grünen nahe stehen, meint er unter Applaus. Schließlich sind die Schüler mit Fragen an der Reihe. Zuerst zögern sie, doch dann hat Moderator und Lehrer Peter Aichelin fast zu viele Fragen gesammelt, etwa zu den Speichermöglichkeiten für Strom aus Wind und Sonne und dem Stellenwert des Naturschutzes, den eine Schülerin bei den Grünen nicht stark genug beachtet sieht.

Die Naturschutzgesetze ließen sich nicht ändern, entgegnet Ebner. Populationen von Vögeln wie dem Milan oder von Fledermäusen dürften durch Windkraftanlagen nicht reduziert werden.

Zum Bürgerkrieg in Syrien fragt eine Schülerin, was die Politik gegen solche innerstaatlichen Konflikte machen könnte. Der diplomatische Weg müsse verstärkt werden, so Ebner. Waffenlieferungen lehnen alle Podiumsteilnehmer ab. Ein Schüler spricht hier die deutsche Asylregelung an, nach der Menschen, die aus sicheren Drittstaaten zu uns einreisen, kein Asyl bekommen. Das solle man abschaffen, meint er.

Um Zeit zu sparen, schlägt Sawade beim Drogen-Thema vor, gleich in die Diskussion einzusteigen. Die Schüler wollen aber erst die Meinung der Politiker zur Legalisierung von Haschisch hören.

Lachen erntet die CDU-Frau: Es sei sinnvoller, statt mit einem Joint in der Freizeit zu chillen, ein Ehrenamt zu übernehmen. Außer ihr sprechen sich alle für eine Legalisierung von Haschisch aus, auch Brauer, dessen Partei im Bundestag dagegen ist. Dafür bekommen die Politiker Beifall.

In der Diskussion wird aber eine differenziertere Sicht der Schüler erkennbar: "Was bringt eine Legalisierung von Drogen, wenn es so viele Tote durch die legalen Drogen Alkohol und Nikotin gibt?", fragt eine Schülerin. "Wo bleibt da der Schutz des Staates für seine Bürger?", will eine andere Schülerin von den Politikern wissen.

Die Legalisierung der weichen Drogen schütze vor Kriminalität und Schwarzmarktprodukten, antwortet Ebner. Substitutionsprogramme für Heroinsüchtige seien sinnvoll, weil die Menschen dann wieder ein normales Leben führen könnten, ergänzt Annette Sawade.

Wie haben sich die Politiker aus Sicht der Schüler geschlagen? Larissa Birnstock aus Filderstadt kann sich am besten mit dem FDP-Mann identifizieren. Der habe zu sehr um den heißen Brei herumgeredet, meint dagegen Nick Pierobon. Ihm habe die Argumentation von Harald Ebner gefallen. Auch Niklas Hartmann findet den Grünen gut. Sawade habe zwar viel Ahnung, sei aber nicht zukunftsorientiert, so der Schüler aus Hall.