Windkraft Bürgerwindpark Kirchberg am Samstag mit Feier in Betrieb genommen

Kirchberg / MATHIAS BARTELS 11.07.2016
Sie laufen schon seit Ende Mai, die acht Windräder des Bürgerwindparks Kirchberg, doch seit Samstag sind die Stromerzeuger auch offiziell am Netz.

Mehr als 43 Millionen Euro haben die acht Anlagen des Bürgerwindparks gekostet. Gut investiertes Geld, wie einer der Initiatoren des Projekts, Gerhard Borchers, während des Festakts zur offiziellen Inbetriebnahme im Zirkuszelt anführte. „Wer meint, mit Windenergie sei in Süddeutschland kein Geld zu verdienen, der erzählt Unsinn“, geißelte Borchers entsprechende Publikationen in Nachrichtenmagazinen oder die Meinung von Leserbriefschreibern. Er selber jedenfalls, so sein Eingangs-Statement, habe „Gänsehaut“.

Prominente Unterstützung erhielt Borchers von Landes-Umweltminister Franz Untersteller. Der hielt nicht nur die Festrede, sondern konnte sich auch der Unterstützung etlicher politischer Mitstreiter erfreuen, vornehmlich der Grünen. „Ein Windpark in diesem Umfang“, so der Minister, „mit mehr als 300 Beteiligten, das ist ziemlich einmalig.“ Das zeige, dass sich „die Bevölkerung mit der energetischen Zukunft befasst und weg will von Atomkraft und fossilen Energieträgern.“ Auch eine Tatsache: Es gab nur zwei Einsprüche gegen das Vorhaben.

Fünf Jahre waren von der Idee bis zur Fertigstellung nötig. „2015 war in Deutschland ein Rekordjahr in Sachen Windenergie“, führte der Minister aus. Im Land wurden im ersten Halbjahr 2016 exakt 60 neue Anlagen in Betrieb genommen, im kompletten Vorjahr waren es 53. Derzeit seien in Baden-Württemberg 832 Windenergieanlagen in Betrieb, ließ Untersteller die Zuhörer wissen. Weitere 400 Projekte seien „in der Pipeline“.

Betont volksnah gab sich Kirchbergs Bürgermeister-Stellvertreter Gerhard Stahl, der sich für die „jederzeit offene Zusammenarbeit“ bedankte und der Genossenschaft „immer Wind in den Rädern“ wünschte.

Vertriebsleiter Nico Suren vom Windrad-Hersteller Vestas erklärte die V126-Anlagen kurzerhand zur „Allzweckwaffe“ seines Unternehmens. Derlei Anlagen würden von der Nordsee bis nach Süddeutschland gebaut. Besonderheit des Bautyps sei, dass die Anlagen in zwei bis drei Tagen errichtet werden könnten. Der Windpark Kirchberg eigne sich von der Dimension her durchaus als Referenzprojekt für Vestas.

Danach war Ideengeber Gerhard Borchers gefragt, der das Projekt präsentierte. Vor allem ging er auf die Planungsunsicherheit ein: „Eine Zeitlang war zwischen zwei und acht Anlagen alles drin.“ Rund 5,5 Prozent Rendite versprach Borchers den genossenschaftlichen Teilhabern, über 20 Jahre in der Summe ein Output von 230 Prozent. Wie man überhaupt auf regionale Wertschöpfung setze: „35 Millionen Euro sind in der Region geblieben“, führte Borchers aus. „Und die Gewerbesteuer bleibt auch in Kirchberg.“ Die Stadtwerke Crailsheim als Stromabnehmer planen einen regionalen „Grünstromtarif“ – erhältlich ab 2017.

200 Meter über dem Boden

Bürgerwindpark  Das Projekt verfügt über acht Vestas-V126-Windenergieanlagen mit je 3,3 Megawatt Nennleistung. Die Stromproduktion von 50 Millionen Kilowattstunden versorgt mehr als 13 000 Haushalte. Zur Nabenhöhe von 137 Metern kommen die Rotorblätter mit 63 Metern, sodass die Gesamthöhe 200 Meter beträgt. Der Stahlturm (Gewicht 375 Tonnen) hat am Fuß einen Durchmesser von 6,30 Metern und oben von 3,26 Metern. Der Turmkopf inklusive Rotoren wiegt 193 Tonnen. els