Rund 60 Besucher sind am Freitag in den Saal der alten Orlacher Schule gekommen. Vertreter des Landratsamts, das das Pfarrhaus gleich gegenüber der Schule gemietet hat, sind da, um über die neue Unterkunft für Asylbewerber zu informieren. Martina Steinecke, Leiterin des Dezernats Recht und Ordnung, macht deutlich, wie dringend der Landkreis Unterkünfte sucht - am besten zur Miete. Nur so könne die Behörde der Schar der Menschen ein Dach über dem Kopf bieten, die ihr zweimal pro Monat zugewiesen werden.

Der zunächst angepeilte Termin zum Einzug der neuen Nachbarn in Orlach am 18. März werde sich laut Steinecke aber verschieben: An diesem Tag dürfen nämlich die wegen eines Brandes in einer Haller Turnhalle untergebrachten Asylbewerber wieder zurück in ihre Unterkunft im Steinbeisweg ziehen.

Wichtig für die Betreuung seien auch Ehrenamtliche vor Ort - allerdings benötige dies einer Koordination. "Vor allem bei Spenden", erklärt die Dezernatsleiterin. Die Vorstellung, die Leute kämen mit nichts in leere Räume, sei falsch: Es gebe bereits Betten und Schränke, auch mit gewisser Kleidung seien sie ausgestattet. "Und es gibt auch nur einen beschränkten Platz", fügt Steinecke hinzu. Bürgermeister Frank Harsch und Oliver Raschke, Leiter des Amts für Migration des Landkreises, schlagen vor, wenn Kleidung, Möbel oder anderes gebraucht würden, diese gezielt zu suchen. Auch von unabgesprochenen Essensspenden rät Steinecke ab: "Es ist ärgerlich, wenn deshalb etwas weggeworfen werden muss."

Freiwillige könnten in vielerlei Bereichen helfen, wie mit Nachhilfe für Kinder, Sprachkursen, mit ehrenamtlichen Beschäftigungen, speziellen Angeboten für Frauen, Einzelbegleitung zu Ärzten oder Behörden oder auch indem man sie zu Freizeitangeboten wie in Vereine mitnehme. Die Möglichkeit und Erlaubnis, eine Arbeit anzunehmen, erhielten viele erst nach 15 Monaten.

Ein Mann im Saal macht sich Gedanken, wie die Asylbewerber Nahrungsmittel einkaufen könnten. Raschke erklärt, dass in dem Betrag, den die Leute erhielten, auch ein Monatsticket für den Nahverkehr vorgesehen sei. Harsch weist darauf hin, dass das Lebensmittelgeschäft in Braunsbach auch liefere. "Häufig werden auch Fahrräder gespendet oder geliehen", weiß Raschke von anderen Standorten. Für die Behandlung von Akutkrankheiten gebe es einen Krankenschein für örtliche Ärzte.

Ein anderer Mann möchte wissen, wie oft die Sozialarbeiter vor Ort sind. "Ein- bis zweimal in der Woche und je nach Bedarf", antwortet Raschke. Manche bräuchten mehr, manche weniger Hilfe. Einige machen sich Gedanken wegen der Sprachbarriere. Auch da kann der Amtsleiter beruhigen: Im Kosovo werde Deutsch oft als Fremdsprache unterrichtet. Meist gebe es in jeder Gruppe jemanden, der Deutsch oder zumindest Englisch spreche und dann für die übrigen Asylbewerber übersetze. Auch um sonstige Probleme oder bei Krankheiten kümmere man sich oft in der Gruppe. "Der Zusammenhalt ist da groß", so Raschke.

Gemeinderat Jürgen Schroff hätte gerne eine zentrale Nummer gehabt, an die man sich bei Problemen wenden könne. Zum einen bietet Harsch an, dass man sich im Rathaus melden könne, auch die Mitarbeiter im Landratsamt seien erreichbar, per E-Mail oder Telefon. Sollte es nachts Probleme geben, müssten ganz nach Notfall Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr gerufen werden. "Asylbewerber ist nur ein Status. Es sind ganz einfach Ihre neuen Nachbarn", so Raschke.

Über ein dutzend Freiwillige melden sich spontan im Saal, als Harsch fragt, wer künftig in Orlach helfen möchte. Rund zwei Wochen nach der Ankunft der Asylbewerber soll ein Treffen für sie und mögliche Helfer angeboten werden, um sich kennen zu lernen.