Rot am See Bürgermeister Siegfried Gröner erneut ins Amt eingesetzt

Rot am See / Sebastian Unbehauen 14.03.2018
Siegfried Gröner sitzt in der Gemeinde Rot am See fest im Sattel – nach seiner Wiederwahl und dem am Montag abgelegten Amtseid auch wieder offiziell. Zur Feier gab’s viel Lob.

Der Soziologe Max Weber war am Montagabend im Rathaus von Rot am See dabei, der Schriftsteller Theodor Storm und der frühere US-Außenminister Henry Kissinger ebenfalls. Es ist halt so: Je festlicher ein Anlass in Hohenlohe, desto mehr werden Zitate der Großen ihrer Zünfte in die Reden gestreut. So gesehen und auch angesichts der vielen Gäste – darunter der neue Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und sieben weitere Bürgermeister-Kollegen – war die Amtseinsetzung von Siegfried Gröner ein nicht zu unterschätzendes gesellschaftliches Ereignis, inklusive passender musikalischer Begleitung durch das Akkordeonorchester Hohnerklang.

Gröner geht in seine dritte und letzte Amtszeit. Und so handelte der Festakt, anders als zuletzt bei Grimmer, nicht so sehr von Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen, sondern von in 16 Jahren geschaffenen Fakten.

Ausnehmend gute Bilanz

Die stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Nicklas-Bach, die Gröner den Amtseid abnahm, zog eine ausnehmend gute Bilanz. Das Gemeindeoberhaupt habe sich nicht auf dem Gemachten seiner Vorgänger ausgeruht, er habe sein Geschick bewiesen, in Stuttgart „möglichst viel für unsere Gemeinde herauszuholen“, seine Arbeit kennzeichne „Solidarität, gepaart mit dem Blick für neue Herausforderungen“. Nicklas-Bach zählte wichtige Entscheidungen auf – vom Bau zweier Feuerwachen über die Etablierung einer Gemeinschaftsschule bis hin zum Richten des Dorfplatzes in Brettheim.

Die mehr als 91 Prozent Pro-Gröner-Stimmen bei der Wahl nannte sie angesichts des Erreichten „nicht ganz so zufriedenstellend“. Dass nicht jeder mit der Arbeit des Bürgermeisters und des Gemeinderats zufrieden sei, sei unverständlich, „aber man muss es doch akzeptieren“.

Es sind wohl die „Bereitschaft, auch öffentlich kritisiert zu werden“ und die „Art, Dinge beim Namen zu nennen“, die nicht immer auf Gegenliebe stoßen. Auf diese beiden Eigenschaften Gröners wies der Erste Landesbeamte Michael Knaus hin, der den grippekranken Landrat Gerhard Bauer vertrat. Gleichzeitig bescheinigte Knaus dem Wiedergewählten „exzellentes Fachwissen“ und „gute, immer praxisnahe Ideen“. Die hohe Wahlbeteiligung von knapp über 40 Prozent sei „Lob und Ansporn zugleich“. Knaus sieht Rot am See gut aufgestellt, und er kennt Gröner „eigentlich nur mit hochgekrempelten Ärmeln“.

Der so Gelobte selbst ist ja eigentlich kein Freund großer Worte und langer Reden. Am Montag aber gab er fast schon eine kleine Regierungserklärung ab und legte eine Bilanz in Zahlen vor: Um 75 Prozent sank die Verschuldung der Gemeinde in seiner Amtszeit, nur zwei Kredite in Höhe von je 350 000 Euro wurden aufgenommen, 35 Millionen hat die Kommune in Baumaßnahmen investiert, elf davon flossen in den Hauptort, 24 in die Teilorte, 106 Wohnbauplätze wurden allein in den vergangenen neun Jahren verkauft, außerdem 18 Gewerbebauplätze. Das spreche doch für sich. Und all das sei nur möglich gewesen aufgrund eines überaus guten Verhältnisses von Verwaltung und Gemeinderat.

Drei wichtige Projekte

Gröner nannte drei Projekte, die in naher Zukunft besonders wichtig seien. Erstens, die Sanierung der Ortsdurchfahrt: „Das bedarf gründlichster Vorbereitung, da kommt es auf ein Jahr hin oder her nicht an.“ Zweitens, die Sanierung des Rathauses: „Es sieht zwar nicht schlecht aus, aber es entspricht in keinen Belangen dem heutigen Stand.“

Und dann ist da noch die Versorgung mit schnellem Internet. Darum habe man sich in Rot am See früh gekümmert. Und das Thema bleibe ein zentrales. Gröner warnte aber vor falschen Erwartungen: „Es wird in den nächsten zehn Jahren ganz sicher keine flächendeckende Breitbandversorgung mit Glasfaser in jedes Haus geben.“ Das verhinderten schon die Gesetzeslage sowie  bestehende Monopolstellungen – und sollte künftig Berlin zuständig sein, dann verkompliziere das den Prozess zusätzlich.

Dies freilich war einer der wenigen kritischen Töne am Montag. Ansonsten gab es viel Dank in alle Richtungen, von Gröner besonders an seine Frau. Außerdem wurde der Bürgermeister beschenkt und bei einem Umtrunk im Bürgerhaus gefeiert – bevor am nächsten Tag wieder Ärmelhochkrempeln angesagt war.

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