Überraschungen erwarte ich keine, aber ich fühle mich verpflichtet dabeizusein“, sagt Christof Haug aus Crailsheim. Er ist seit Januar Mitglied bei den Grünen und einer von 34 Wahlberechtigten, die sich am Donnerstagabend zur Nominierungsversammlung von Bündnis 90/Die Grünen in der Wolpertshausener Mehrzweckhalle eingefunden haben. Haug möchte damit ein Zeichen gegen die zunehmende Rechtstendenz setzen.

Laura Hecker, Kreisvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Schwäbisch Hall, stimmt die Wahlberechtigten ein: „Wir haben einiges vor nächstes Jahr, fangen wir heute Abend damit an.“
Als Kandidatin der Bündnisgrünen im Landtagswahlkreis Schwäbisch Hall tritt die amtierende Landtagsabgeordnete Jutta Niemann an. Die Pandemie habe gezeigt, dass die Demokratie funktioniere, betont die 49-Jährige zu Beginn ihrer Rede. Als Energiepolitische Sprecherin fordert sie die Fortschreibung der Klimaziele.

Kirchberg an der Jagst

Zuverlässiger Nahverkehr

Ein Anliegen ist ihr der Nahverkehr. Er müsse zuverlässig und auch am Wochenende funktionieren. Sie plädiert für bessere Radwege und den Ausbau der Murrbahn sowie der S-Bahn nach Stuttgart. In systemrelevanten Berufen wie der Pflege müssten bessere Bedingungen geschaffen werden. Sie möchte Fachärzte in die Region holen, Hebammen stärken und die Komplementärmedizin weiterentwickeln. Niemann schließt mit den Worten: „Ich möchte Baden-Württemberg und unsere Region weiter ökologisch, sozial, vielfältig und demokratisch gestalten.“ Auf Fragen reagiert sie entschlossen: Energiepolitische Sprecherin möchte sie weiterhin bleiben, um das Klimaschutzgesetz weiterzuentwickeln. Beim Thema Windräder sagt Niemann: „Die Genehmigungsverfahren dauern zu lange.“ Sie tendiert zu genossenschaftlichen oder kommunalen Energieprojekten, so bleibe die Wertschöpfung in der Gegend. Viele Gelder seien für die Wohnraumschaffung freigemacht worden, umsetzen müssten es aber die Kommunen. Niemann erhält 31 Ja-, zwei Neinstimmen und eine Enthaltung.

Ersatzkandidat bleibt weiterhin Oliver Scherer. „Unser Anspruch ist, Jutta wieder nach Stuttgart zu senden“, betont der Agraringenieur. Er erhält alle 34 Stimmen.

Einziger Kandidat

Auf die Nominierung für die Landtagswahl folgt die Wahl des Direktkandidaten im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe für die Bundestagswahl 2021. 45 Wahlberechtigte sind nun anwesend. Harald Ebner ist der einzige Kandidat. „Nach zehn Jahren haben wir noch viel zu tun. In Berlin ist ein Politikwechsel dringend nötig“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Die Groko sei in eine bleierne Starre verfallen. Nach vier Wahlperioden müsse sich etwas ändern. „Wir wollen wieder mitgestalten.“

Demokratie auf dem Prüfstand

Alles stehe derzeit im Licht der Pandemie und er sei froh, dass sich die Demokratie bewährt habe. Diese stehe an anderer Stelle auf dem Prüfstand. Er nennt Vorfälle beispielsweise den rechtsextremen Anschlag auf die Synagoge in Halle. Die AfD habe im Bundestag unzählige Eklats provoziert, „aber nichts, rein gar nichts erreicht“. Das große Konjunkturpaket der Bundesregierung sei nötig, um aus der Corona-Krise zu kommen, aber auch der Klimaschutz sei wichtiger denn je. Er plädiert für Nachhaltigkeit und ein Ende des Tierleids. „Wir Grünen sind das letzte Bollwerk gegen die Gentechnik“, betont er weiter. Mit einer Gegenstimme wird der Bundestagsabgeordnete nominiert.

Die Werdegänge


Jutta Niemann ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Die Diplom-Physikerin lebt mit ihrer Familie in Schwäbisch Hall. Im März 2016 wurde sie als erste grüne Abgeordnete für den Wahlkreis Schwäbisch Hall in den baden-württembergischen Landtag gewählt. Sie ist Energiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion und arbeitet im Ausschuss für Umwelt, Klima und Energie, im Ausschuss für Verkehr sowie im Ausschuss für Soziales und Integration.  Niemann ist Stadträtin in Hall und Kreisrätin.

Harald Ebner ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Diplom-Agraringenieur und Landschaftsökologe lebt in Kirchberg/Jagst. Seit 2011 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. Harald Ebner ist für seine Fraktion Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomie und für Waldpolitik. Seit 2008 ist er Kreisvorsitzender des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen. coja