Es heißt immer, die Jungen wollen keine Verantwortung übernehmen. Dem will ich entgegentreten.“ Mit spontanem und herzlichem Beifall honorierten die rund 90 Besucher des HT-Wahlforums in Geifertshofen die Selbstvorstellung von Sebastian Schmid. Der 21-Jährige ist einer der 16 Bewerber (14 Männer und zwei Frauen), die in der Gemeinde Bühlerzell für den Gemeinderat antreten. Schmid will sich vor allem der Themen annehmen, die Landwirte betreffen, und dabei seinen Sachverstand einbringen.

Nach der kurzen Selbstvorstellung der Gemeinderatsbewerber ging es in einer einstündigen Runde um kommunalpolitische Themen. Große Differenzen gibt es keine, zumal, wie Rolf Funk sagte, die zweite Liste vor allem deshalb gegründet worden sei, weil es mehr Bewerber im Hauptort gab, als Plätze auf der Liste waren. „Es geht nicht gegeneinander“, sagte Funk. „Bei uns ist es so: Jeder stimmt nach seiner Meinung. Es gibt keinen Fraktionszwang.“

Fichtenau

Keine Förderung für Halle

Mit Enttäuschung wurde die Information von Bürgermeister Thomas Botschek aufgenommen, der zu Beginn der Veranstaltung berichtete, dass just am Donnerstag die Nachricht im Rathaus eingetroffen war, dass Bühlerzell nicht vom Bundesförderungsprogramm für Kultur- und Sporthallen profitieren werde. Innerhalb von drei Wochen hatte Botschek vergangenen Sommer die Bewerbung auf den Weg gebracht.
Das Ziel: für die 2,45 Millionen teure Sanierung der 54 Jahre alten Rudolf-­Mühleck-Halle eine 90-­prozentige Förderung zu bekommen. „Das trifft uns hart“, sagte Botschek. Die Bewerber der beiden Ratslisten bekannten auf Nachfrage von Dr. Marcus Haas, dass die Sanierung unumgänglich sei. „Schieben“, sagte Siegfried Fischer, „und nur das Notwendigste machen.“ „Darüber schlafen“, meinte Ulrich Bareiß, „und dann darüber beraten.“ Funk ergänzte, dass durch sorgsames Wirtschaften die Gemeinde seit 2015 800.000 Euro Schulden ab- und mittlerweile über eine Million Euro Rücklagen aufgebaut hat.

Vellberg

Betriebe gefährdet

Schwierig sei es für Bühlerzell, im Windschatten der Hauptverkehrsachsen zusätzliches Gewerbe anzusiedeln, um Arbeitsplätze und darüber weitere Bürger
sowie Gewerbesteuer zu bekommen. Ulrich Bareiß prognostizierte: „25 bis 30 Betriebe wird es in zehn Jahren nicht mehr geben.“ Das würde einem Schwund von mehr als 50 Prozent entsprechen.

„Was braucht man in Bühlerzell nicht?“, fragte Marcus Haas provozierend. „Wir sparen eh schon“, entgegnete Ulrike Korcz. „Jeder möchte gerne ins Frei- und Hallenbad.“ Sie wolle diese Einrichtungen nicht schließen.

Am intensivsten diskutiert wurde die 2018 vereinbarte interkommunale Zusammenarbeit mit Bühlertann. „Man muss mit der Illusion aufräumen, da würden große Kosten gespart“, stellte Bareiß fest. „Im Moment geht es darum, die Qualität aufrechtzuerhalten.“ Funk bekannte, er sei ein Freund der Zusammenarbeit. Bei der Bühlertal-Wasserversorgung werde diese schon seit etwa 1930 erfolgreich praktiziert. Fischer wies auf die Synergieeffekte hin, wenn beispielsweise die Bauhöfe gemeinsam den Maschinenpark nutzen können.

Viel Arbeit besser koordinieren

Die Besucher bekommen die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen, auch Themen zu eröffnen, die zuvor nicht auf dem Podium diskutiert wurden. Wolfgang Rupp, gebürtig aus Kammerstatt, wohnhaft in Bühlertann und dort Gemeinderatsbewerber auf der Liste Aktive Bürger, provozierte: „Mir erschließt sich das nicht. Man könnte auch die Schule, den Kindergarten, die Feuerwehr zusammenlegen. Dann bräuchte Bühlerzell nicht mal einen Bürgermeister bezahlen.“ Funk holte aus und schilderte, wie in den vergangenen Jahren mit knappsten personellen Ressourcen die Arbeit bewältigt wurde. Durch die Zusammenarbeit bleibe einerseits jede Kommune selbstständig, andererseits sei gewährleistet, dass es eine Vertretung gibt.

Funk: „Aus welchem Drucker die Rechnung für den Abwasserbescheid kommt, ist egal.“ Zudem müssten derzeit die Bürgermeister viele Aufgaben leisten, die eigentlich zum Aufgabenbereich der Hauptamtsleiter gehörten. „Die haben keine Zeit, ihre Kernaufgaben zu machen. Da müssen wir wieder hinkommen.“

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Derzeit haftet der Bürgermeister beim Fasching


Wer haftet beim Bühlerzeller Fasching, wenn ein schweres Unglück passiert und die Sicherheitsvorkehrungen fehlerhaft waren? Bürgermeister Thomas Botscheck sagt auf Nachfrage nach der Veranstaltung, derzeit hafte der Bürgermeister als Schirmherr der Veranstaltung. Deshalb sei geplant, sich mit den Gemeinden zusammenzusetzen, um ein tragfähiges Konzept zu finden. In Bühlertann sei zu diesem Zweck das Faschingskomitee gegründet worden. Dort sind Gemeinde und die Vereine als haftende Träger Mitglied. In Neuler (Ostalbkreis) haften nur die veranstaltenden Gemeinden. sel