Mainhardt Bücher rund um die Uhr

Die rote Telefonzelle an der Mainhardter Hauptstraße hat ein besonderes Innenleben: Rund um die Uhr können sich Leseratten Bücher nehmen.
Die rote Telefonzelle an der Mainhardter Hauptstraße hat ein besonderes Innenleben: Rund um die Uhr können sich Leseratten Bücher nehmen. © Foto: Oliver Färber
OLIVER FÄRBER 09.10.2014
Wer in die rote Telefonzelle an der Hauptstraße in Mainhardt geht, wird keinen Apparat finden. Dafür aber viel zu lesen. Der Arbeitskreis Bücherei hat sie eingerichtet, um Leseratten rund um die Uhr zu versorgen.

"Hier ist täglich Tag der offenen Tür", sagt Bürgermeister Damian Komor mit einem Lächeln auf den Lippen. Beim Naturparkmarkt hat das kleine rote Häuschen Premiere - und erntet so viele interessierte Blicke. Der eine oder andere Neugierige öffnet auch die Tür und beginnt im Angebot zu schmökern. Der Arbeitskreis Bücherei hat Regale eingebaut, so dass dort so manches zum Lesen untergebracht werden kann.

Eigentlich kennen Touristen diese klassischen roten Telefonzellen aus England aus dem London-Urlaub. Auch in anderen Weltstädten wie New York stehen sie. Das Mainhardter Exemplar hat auch schon eine Reise hinter sich: Es wurde aus der Bundeshauptstadt Berlin nach Hohenlohe gebracht.

Den Transport hat die Firma Werzalit übernommen, der Mainhardter Bauhof hat den Estrich gelegt und sie aufgebaut, Maler Greitzke aus Lachweiler hat für die Farben gesorgt, Alfred Moll die Regale eingebaut - und viele fleißige Hände beim Organisieren, Putzen und Malern geholfen.

"Überall werden Bibliotheken geschlossen, in Mainhardt wurden in den letzten drei Monaten drei neue offene Büchereien eingerichtet. Und nun folgt die vierte in Form einer Telefonzelle, die als öffentlicher Bücherschrank dient", so Komor. Dafür gebe es eine Regel: Nimm eins, lies eins, bring eins. Das Buch könne man so lange behalten, wie man möchte. Natürlich gebe es ein Risiko: Einige Exemplare könnten nie wieder den Weg zurück finden. "Doch dafür finden vielleicht andere gute Bücher den Weg in die Telefonzelle", ermutigt der Bürgermeister, ausgelesene Bücher einfach dort zu deponieren.