Langenburg Brüchlinger Wald: Nach sieben Jahren Vorlauf drehen sich die Rotoren

Langenburg / Sebastian Unbehauen 08.06.2018
Der Windpark Langenburg läuft schon seit Februar, gestern wurde er feierlich eingeweiht. Ministerpräsident Kretschmann kam doch nicht.

Er war zwar nicht da, aber man weiß immerhin, was er sagen wollte: „Die Begeisterung für diesen Windpark wird zwar nicht von allen geteilt. Aber eines ist sicher: Er nutzt der Natur sehr viel mehr als ihr der Klimawandel auf Dauer schaden würde.“ So zitiert die EnBW Winfried Kretschmann (Grüne) in einer Pressemitteilung zur Einweihung des Windparks im Brüchlinger Wald.  Aber, wie gesagt: Der Ministerpräsident kam nicht, weil er es nicht rechtzeitig aus dem Bundesrat in Berlin zurückgeschafft hatte.

Stattdessen schickte er Dr. Andre Baumann, seinerseits Staatssekretär im Umweltministerium, der argumentativ ganz auf der Linie des Chefs lag: „Hier kommen Ökologie, Ökonomie und soziale Belange wunderbar zusammen.“ Letzteres bezog sich auf die gemeinnützige Stiftung des Hauses Hohenlohe für die umliegenden Ortschaften, die gerade in der Gründungsphase ist.

Denkmalschutz für Windräder?

Baden-Württemberg sei ein Windland, betonte Baumann, und als gelernter Ornithologe könne er sagen: „Wir machen es wirklich umweltverträglich.“ Der Staatssekretär erhob die Inbetriebnahme im Brüchlinger Wald kurzerhand zur zentralen Veranstaltung der derzeit laufenden Nachhaltigkeitstage – und schwang sich gar zu folgender These auf: Wenn die Windräder dereinst aufgrund technischer Alternativen abgebaut würden, werde es aus Gründen des Denkmalschutzes Initiativen für ihren Erhalt geben.

Von ihnen sind solche Initiativen sicher nicht zu erwarten: Knapp 20 Windkraft-Gegner, teilweise ganz schwarz gekleidet, hatten im Vorfeld der EnBW-Festlichkeiten einen Trauerzug von Langenburg an den Waldrand unternommen. Stadtrat Johann Pollanka sagte: „Wir haben uns zu dieser Demonstration entschlossen, weil wir nach wie vor gegen diese unsägliche Naturzerstörung sind.“ Manche der Marschierenden strichen heraus, dass sie die Windkraft für ökonomischen und technischen Unsinn halten, anderen ging es mehr um ein wegfallendes Naherholungsgebiet. „Es ist keine Stille mehr im Brüchlinger Wald“, sagte Gabriele Strecker. „Man kommt sich vor wie in einem Industriegebiet.“

Konflikt und Kompromiss

Es hat bekanntermaßen heftige Auseinandersetzungen gegeben, seit die Windparkpläne – zu Beginn noch mit weit mehr Anlagen – bekannt wurden.  Letztlich fand man einen Kompromiss, dessen wichtigste Punkte eine Begrenzung der Zahl der Windräder und die Installation einer „bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung“ waren. Die roten Lichter an den Anlagen sollen künftig nur dann blinken, wenn sich ein Flugzeug nähert. Die Technik sei angebracht, man warte derzeit nur noch auf die endgültige Freigabe durch die Bundesflugsicherung, sagte Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg unserer Zeitung.

In seinem Grußwort sagte er, für ihn sei die offizielle Inbetriebnahme des Windparks ein Tag der Freude nach sieben Jahren Vorfreude. Er bedankte sich bei Stadt und Gemeinderat dafür, um einen Kompromiss und um Akzeptanz gerungen zu haben.

Das EnBW-Vorstandsmitglied Dr. Hans-Josef Zimmer betonte, Langenburg stehe exemplarisch für den Erfolg beim Ausbau erneuerbarer Energien. Landrats-Stellvertreter Michael Knaus wies auf schwierige Abwägungsentscheidungen der Genehmigungsbehörde hin. Und der Langenburger Bürgermeister Wolfgang Class  beließ es nicht bei wohlfeilen Jubel-Worten, sondern kritisierte die Landespolitik dafür, dass sie die Kommunen ein Stück weit alleingelassen habe – etwa was die Abstandregelungen zwischen Windkraftanlagen und Wohnbebauung angehe.

Zwölf Anlagen mit 40 Megawatt Leistung

Der Windpark Langenburg ist mit seinen zwölf Anlagen (zwei auf Blaufeldener Gemarkung) der größte EnBW-Windpark im Land – mit einer Gesamtleistung von rund 40 Megawatt. Der Betreiber rechnet mit einem jährlichen Ertrag von rund 95 Gigawattstunden. Auf den Weg gebracht wurde das Projekt 2012, als Philipp zu Hohenlohe-Langenburg und Götz von Berlichingen als Grundbesitzer einen Vertrag mit der EnBW schlossen. 

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