In Wolfgang Schirles Verkaufsraum in Gerbertshofen hört man manchmal ein Klackern. Es klingt, als ob der Wind unter die Ziegel fährt. Dabei handelt es sich aber nur um die Schweine im Stall nebenan, die das landwirtschaftliche Rückgrat der Familie Schirle bilden. Dazu kommt noch der Gasthof Doppeladler.

Eigentlich ist Wolfgang Schirle aber Brenner, seit über 40 Jahren macht er das schon. Seine Brände gewinnen immer wieder Preise auf Prämierungen, auch seine Whiskys schneiden gut ab. Wie es dazu kam? „Männer ab 50 interessieren sich halt für Whisky“, sagt Schirle lachend.

Schirle ist selbst Prüfer bei Wettbewerben. In die Bewertung fließt einiges ein, zum Beispiel der Alkoholgehalt oder die Holzsorte der Fässer. „Manche meiner Brände würde ich sicherlich erkennen, einfach weil sie einen unüblichen Alkoholgehalt haben oder in einem speziellen Fass gereift sind“, erklärt der 64-Jährige. „Beim Whisky ist es sogar noch wahrscheinlicher, einfach weil es weniger Konkurrenz gibt.“ Es gibt also gute Gründe, warum man in Kategorien, in denen man selbst antritt, nicht Tester sein darf.

Am besten wird man übrigens nicht zu Beginn getestet. „Bei den ersten zehn bis 20 Proben fehlen einem die Vergleichsmaße. Wenn es ganz schlecht läuft, dann sind die ersten beiden Schnäpse direkt ein Goldpreis und der Dritte wäre eigentlich ein zweiter Platz. Da er aber nur mit den beiden besten verglichen wird, fliegt er raus“, erklärt er.

Später Schnee bereitet Sorgen

Sorge bereitet Wolfgang Schirle dieses Jahr die späte Kälte. Ernteausfälle von 90 bis 100 Prozent sind  bei den Obstbauern keine Seltenheit, das trifft auch Schirle. Er kann einen Ernteausfall bei bestimmten Schnapssorten überbrücken, sollte es nächstes Jahr aber wieder so kalt werden, dann würde es drei Jahre später manchen Schnaps nicht geben.

In den beiden Kellerräumen steht derweil Glasballon an Glasballon und Fass an Fass. Der alte Gewölbekeller war zu klein für die Schnapsproben, also wurde 2011 angebaut. Der neue Keller fasst locker 40 Leute – und noch mehr Glasballons, in denen der Schnaps lagert.

Der Alptraum jedes Brenners

Manchmal hat man einfach Pech. Letztes Jahr waren eines Abends die Nieten der Bänder eines Fasses gesprungen – und der gute Schnaps hatte sich über den Boden verteilt. Dagmar Schirle erzählt die Geschichte: „Wir hatten volles Haus, mein Mann kam rein, sagte: ,Ich sag jetzt gar nichts’ und hat mich in den Keller geführt. Im hinteren Drittel war der Boden komplett nass.“ Der Brand war bereits in die Tisch- und Stuhlbeine gezogen. Geputzt wurde am nächsten Tag. Es schmerzt Wolfgang Schirle sichtlich, bis heute, dass er sein Werk aufwischen musste.

Brennjahr beginnt im Januar

Ein großer Aufreger unter den Brennern ist die Auflösung des Branntweinmonopols Ende September. Dann beginnt das neue Brennjahr nicht mehr zum 1. Oktober, sondern zum 1. Januar. „Einfacher ist, dass das Brennjahr nicht mehr in zwei Steuerjahre reicht“, so Wolfgang Schirle. Da enden seiner Meinung nach aber alle positiven Eigenschaften der neuen Gesetzeslage. Bisher konnte er immer gut auf die Erntesituation eingehen. War es ein besonders obstreiches Jahr, dann hat er gleich zu Beginn des neuen Brennjahres im Oktober viel gebrannt. „Wenn das neue Kontingent erst zum 1. Januar beginnt, dann muss ich für das Jahr vorplanen. Zum Beispiel, ob es in diesem Jahr eine gute Ernte gibt oder nicht“, so Schirle, und erklärt weiter: „Wenn ich mich entscheide, dass ich altes Obst nicht brenne, die Ernte aber schlecht wird, dann verfallen Teile meines Kontingents. Zudem kann man Obst wie Kirschen nur begrenzt lang lagern. Die im Januar zu brennen, ist eigentlich zu spät.“