Der Abba-Klassiker „Money, Money, Money“ erklingt aus irgendeinem Fenster des Aussiedlerhofs Weeber in Braunsbach-Herdtlingshagen. Doch schnell steht fest, es ist nicht das Radio auf volle Lautstärke gestellt, vielmehr kommen die kraftvollen Töne aus einer Garage. Dort proben am vergangenen Sonntagabend Mitglieder des Vereins „Theater in Braunsbach“. Ein Auftritt beim Öhringer Theaterabend steht am Samstag, 19. September, an. Und darauf freuen sich die Laiendarsteller sehr.
„Ursprünglich wollten wir dieses Jahr zu 30 Jahre Wiedervereinigung unseren ersten selbstgeschriebenen Drei-Akter ,Diagnose: Ost-/West-Psychose’ spielen“, sagt Ulrike Frick, Vorsitzende von Theater in Braunsbach. Durch die Corona-Pandemie und das damit verbundene Spielverbot kam jedoch alles anders: In Braunsbach wird es in diesem Jahr kein Theater auf der Kulturinsel geben.

Unerwarteter Lichtblick

Für die Braunsbacher Laienschauspieler gab es jedoch vor wenigen Wochen einen unerwarteten Lichtblick: Die Kulturbeauftragte der Stadt Öhringen fragte an, ob der Verein bei der kleineren Variante der „Langen Nacht der Kultur“, dem Theaterabend, mitmachen würde. „Da wir vor zwei Jahren schon dabei waren und es uns viel Freude bereitet hat, war die Mehrheit im Vorstand für eine Beteiligung“, erzählt Ulrike Frick.
Nun sind es nur noch wenige Tage bis zur Aufführung. In dem großen Nebengebäude von Regisseur Dieter Weeber wird ernst gearbeitet, getüftelt, aber auch viel gelacht. Im hinteren Bereich wurde eine Bühne in etwa der Größe der tatsächlichen Spielstätte eingerichtet. Zwei Krankenbetten und zwei Stühle stehen dort, darüber hinaus ein Stehtisch, ein Visitenwagen und ein Möbelstück, auf dem das Telefon steht.

Gesangstalent entdeckt

Die 20-minütige Kurzfassung des Drei-Akters „Diagnose: Ost-/West-Psychose“ spielt demnach in einem Krankenzimmer. Der Westdeutsche Klaus (Markus Schmidt) und der Ostdeutsche Wolf (Sebastian Greif) liegen mit Oberschenkelfrakturen in ihren Betten. Oberschwester Hildegard (Stefanie Glang) und Lernschwester Elke (Rebecca Fischer) kümmern sich um sie und halten den zerstreuten Professor Dr. Stefan (Bürgermeister Frank Harsch) in der Spur. Die Kranken bekommen natürlich auch Besuch von ihren Liebsten. Klaus von seiner piekfeinen, stilvollen Silke (Renate Kretschmer) und Wolf von seiner tollpatschigen Gisela (Ulrike Frick). Die Wessi und die Ossi liefern sich einen herzerfrischenden rhetorischen Schlagabtausch.
Bereichert wird das Stück durch zahlreiche Gesangseinlagen. Nachdem die Gruppe – immer corona-like mit gebührendem Abstand – „Es lebe der Sport“ geträllert hat, meint Techniker Alexander Bauer trocken: „Es klang wie ,Sport ist Mord’!“ Das Gelächter ist groß. Am Ende des Stücks fühlt sich der erschöpfte Wolf dermaßen „unterhopft“, dass er auf krumme Ideen kommt. Doch Oberschwester Hildegard ist auf zack.
Die große Version der Diagnose soll 2021 auf der Braunsbacher Kulturinsel gespielt werden.

Acht Gruppen, acht Stücke, acht Orte, drei Aufführungen in Öhringen


Dieses Jahr geht der Vorhang in Öhringen aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht für die  „Lange Nacht der Kultur“ auf, sondern für den „Öhringer Theaterabend“. Am Samstag, 19. September, spielen acht Gruppen acht Stücke an acht verschiedenen Orten.

Mit dabei sind: Theater in Braunsbach mit „Diagose: Ost-/West-Psychose“, die Spielbühne Großenhain mit „Urlaubsreif“, Stefan Jakob und Michael Döring mit „Klangvolles in der Stiftskirche“. Theater im Fluss Künzelsau widmet sich den „Human Rights“. Das „Lied vom Küster Deis“ gibt das Russland-Deutsche Theater Neiderstetten zum besten. „Szenen aus dem Totentanz“ bietet der Theaterverein Weinsberg. „Fußtheater Erzählungen“ heißt das Stück von Anne Klinge. Der Achte im Bunde, der Verein Theatrie Öhringen, zeigt „Mini-Dramen bis Impro-Theater“.

Die Gruppen zeigen jeweils drei Aufführungen, und zwar um 20, 21 und 22 Uhr. Die Dauer beträgt rund 30 Minuten pro Stück.

Karten gibt es ausschließlich online oder bei der Hohenlohe’schen Buchhandlung Rau in Öhringen. Es werden die persönlichen Daten erfasst. Ohne Karte ist kein Einlass möglich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Alltagsmaske muss mitgebracht werden.  Mehr Infos gibt es online.