Seit 26. Oktober muss sich die Gemeinde wieder einmal mit der Wasserqualität in Kammerstatt, Holenstein und am Spatzenhof beschäftigen. Eine routinemäßige Pro­ben­entnahme im Ortsnetz von Holenstein und am Wasserturm Kammerstatt hatte eine geringe Überschreitung des Grenzwerts für coliforme Bakterien ergeben. „Der Probenplan des Gesundheitsamts gibt uns auf der Grundlage der Trinkwasserverordnung genau vor, wann und wo wir Wasserproben ziehen müssen“, erklärt die Bühlerzeller Hauptamtsleiterin Sabine Kohnle-Pleßing.

70 Haushalte betroffen

Wasseruntersuchungen im gesamten Versorgungsbereich des Wasserturms am 1. November gaben zwar Entwarnung, doch am 12. November wurden erneut Verunreinigungen nachgewiesen. Die Folge war, dass sämtliche Haushalte, rund 70 sind betroffen, nur noch abgekochtes Wasser verwenden konnten. „Wir haben dann sofort den Wasserturm Kammerstatt gereinigt und mit Chlor desinfiziert. Anschließend wurde das Leitungsnetz mit gechlortem Wasser durchgespült“, erläutert Bürgermeister Thomas Botschek. Die erste Prüfstelle sei immer dort, wo das Wasser gelagert wird, also der Wasserturm. Wenn es dort nichts zu beanstanden gebe, müsse der Kreis weiter gezogen werden, so Botschek.

Eine Wasseranalyse gab dann zunächst grünes Licht, allerdings nur bis zum 26. November, als wieder coliforme Bakterien im Auslauf des Wasserturms Verunreinigungen anzeigten.

Mobile Chloranlage

„Wir haben dann von der NOW eine mobile Chloranlage einrichten lassen“, informierte Botschek in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Am 13. Dezember konnte die Gemeinde nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt das Abkochgebot aufheben, das Wasser ist aber weiterhin leicht gechlort. „Der Chlorgehalt wird täglich gemessen und bewegt sich im Ortsnetz um 0,1 Milligramm pro Liter und damit weit unter dem Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Liter“, heißt es in einem Infoblatt der Gemeinde an die betroffenen Haushalte.

Derweil sind Mitarbeiter der Gemeinde auf der Suche nach der Ursache für die Verunreinigungen. „Hier sind wir auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen“, so Thomas Botschek. Es geht darum, tote Leitungen mit stehendem Wasser, in denen sich Bakterien gut vermehren können, zu finden und vom Netz zu trennen. „Die Bauhofmitarbeiter melden sich bei den Leuten an und schauen nach den Leitungen in den Kellern. Zum Glück sind die Leute alle sehr kooperativ“, stellt Botschek fest. „Es gibt immer wieder Häuser, die längere Zeit oder überhaupt nicht bewohnt werden. Auch dort kann stehendes Wasser zur Verunreinigung der Ortsleitungen führen“, meint er. Auch Zisternen, Brunnen oder Quellen, die mit dem Leitungssystem der öffentlichen Wasserversorgung verbunden sind, könnten für die Keimbelastung verantwortlich sein.

Genaue Pläne fehlen

„Ein Problem ist, dass wir keine vollständigen, genauen Pläne des Leitungssystems haben“, so der Bürgermeister. Die Untersuchungen sollen auch helfen, eine bessere Übersicht über das Leitungssystem zu bekommen. „Daraus leiten sich dann Maßnahmen, eventuell weitere Probenentnahmen ab“, erklärt Sabine Kohnle-­Pleßing. Die Chlorung laufe jedenfalls mindestens bis Ende Januar weiter. „Dann werden die nächsten Wasserproben genommen“, so die Hauptamtsleiterin.

Amt ist zufrieden

Die Leiterin des Schwäbisch Haller Gesundheitsamts, Dr. Pascale Welisch, äußert sich positiv über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bühlerzell beim Thema Wasser „Es läuft zu unserer Zufriedenheit“, sagt sie. Von der NOW gab es nur eine kurze Stellungnahme: Die NOW unterstütze hier die Gemeinde nur „auf Zuruf“. Laufende Maßnahmen koordiniere die Gemeinde, so Marcus Bühler.

Bakterien abtöten oder ausspülen


Coliforme Bakterien dienen laut der Trinkwasserverordnung als Verschmutzungsindikator für Trinkwasser. Als Grenzwert laut Trinkwasserverordnung dürfen coliforme Bakterien in 100 Milliliter Wasserprobe nach einem Anreicherungsverfahren nicht nachweisbar sein. Werden erhöhte Werte festgestellt, müssen Maßnahmen getroffen werden, diese Bakterien im Trinkwasser abzutöten (mit Chlor oder Ozon) beziehungsweise sie auszuspülen. siba