Die beiden Bundestagsabgeordneten und Staatssekretäre aus dem Wahlkreis Backnang-Gmünd, Norbert Barthle (CDU) und Christian Lange (SPD), haben mit ausführlichen Stellungnahmen auf den massiven Stellenabbau beim Automobilzulieferer Bosch in Schwäbisch Gmünd reagiert. „Als ich die Hiobsbotschaft vernommen habe, habe ich sofort mit dem Betriebsratsvorsitzenden Alessandro Lieb telefoniert und ihm meine Solidarität und Unterstützung in dieser schweren Zeit zugesichert“, lässt Lange mitteilen.

Die Entscheidung des Unternehmens könne er „nicht nachvollziehen“. Die Konjunkturabschwächung sowie der stärkere Wettbewerbs- und Preisdruck seien „keine neuen Phänomene“, so Lange weiter. „Genau deshalb wurde bereits 2017 ein Zukunftskonzept mit dem Betriebsrat vereinbart, das den sozialverträglichen Abbau von 760 Stellen bis 2022 umfasste. Nur zwei Jahre später noch einmal 1000 Stellen zusätzlich abbauen zu wollen, zeugt nicht von langfristiger und nachhaltiger Planung.“ Er appelliert an die Unternehmensführung, Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeitern anzugehen, keinen Personalabbau zu betreiben und betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. „Das ist Bosch seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schuldig!“

Stellenabbau ist ein „spürbarer Aderlass“

Auch Norbert Barthle zeigt sich vom Stellenabbau nicht gerade begeistert. „Geschockt“ sei er gewesen, für seine Heimatstadt sei das ein „spürbarer Aderlass“. Dass die getroffene Vereinbarung jetzt „nachgebessert“ werde, sei kaum verständlich. „Doch Verzweiflung hilft nicht weiter, wir müssen jetzt gemeinsam die richtigen Lehren daraus ziehen und dafür sorgen, dass neue Arbeitsplätze im Hochtechnologiebereich in Schwäbisch Gmünd auch wieder entstehen!“

Barthle nimmt das Unternehmen ein Stück weit gegen Kritik in Schutz – und sieht die Fehler, die zu dieser Situation geführt haben, auch andernorts: Statt sich darauf zu beschränken, „verbal auf Bosch einzuschlagen“, komme es jetzt darauf an, die Gründe zu verstehen. „Aus meinen früheren Gesprächen mit Bosch in Stuttgart und Schwäbisch Gmünd weiß ich, dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen werden. Doch es wäre blauäugig zu glauben, dass der mediale Feldzug gegen die Dieseltechnologie an einem bedeutenden Autozulieferer wie Bosch spurlos vorübergeht.“

1000 Stellen fallen weg

In der vergangenen Woche hatte der Autozulieferer angekündigt, angesichts der Konjunktur- und Autokrise massiv Stellen abzubauen. Im Südwesten sind bisher Kürzungspläne für drei Standorte öffentlich geworden: In Schwäbisch Gmünd sollen bis zum Jahr 2022 insgesamt 1000 sowie in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen zusammen 1600 Stellen gestrichen werden. Der Personalabbau solle an all diesen Standorten „sozialverträglich“ über die Bühne gehen, beteuerte Bosch – betriebsbedingte Kündigungen seien zunächst nicht geplant. Derzeit sind 5000 Mitarbeiter am Gmünder Standort der Bosch-Tochter Automotive Steering beschäftigt.

Die Mitarbeiter hätten mit Empörung und Bestürzung auf die Nachricht reagiert, erklärte der Bosch-Betriebsratschef am Standort Gmünd, Alessandro Lieb. „Viele sind betrübt und haben berechtigte Existenzängste.“ Es sei inakzeptabel, dass die Belegschaft über Kostensenkungsmaßnahmen und Personalabbau die Zeche für die schwierige Lage zahlen müsse, „denn ich sehe dort schon auch ein Stück weit Missmanagement“.

Bosch-Chef Volkmar Denner hatte bereits im August in einem Interview bekräftigt, die sinkende Nachfrage nach Dieselfahrzeugen werde zu einem spürbaren Stellenabbau führen. Denner hatte damals Abfindungsprogramme, Vorruhestandsregelungen und die Reduzierung der Zahl der temporär Beschäftigten genannt.

Info Bosch beschäftigt weltweit derzeit rund 410.000 Menschen, davon 140.000 in Deutschland. Bei dem Unternehmen hängen nach Angaben vom Mai weltweit etwa 50.000 Arbeitsplätze allein vom Diesel ab.

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