Der Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen sowie sein eigener Kreisverband haben sich mittlerweile von Tübingens OB Boris Palmer distanziert und ihm die Unterstützung durch die Partei entzogen. Palmer hatte sich zum wiederholten Mal mit einer provokanten These in einem Interview geäußert. Seine Kritik an den Corona-Maßnahmen ergänzte er durch die These, dass man jetzt Menschen rette, die wahrscheinlich eh in einem halben Jahr tot seien.

Das war auch für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Harald Ebner zu viel. „Ein Oberbürgermeister sollte einen. Boris Palmers Aussagen spalten – und das nicht zum ersten Mal. Das System ‚Provozieren – Schlagzeilen – Bedauern’ ist durchschaubar. Sein unsäglicher Satz, den er auch noch nicht wirklich zurückgenommen hat, spricht indirekt Risikogruppen das Recht auf Behandlung und Schutz ab und widerspricht zutiefst der Haltung der Grünen“, schreibt der Kirchberger. „Für die Grünen kann er daher auch nicht sprechen und muss sich fragen, ob er noch in der richtigen Partei ist.“

Es sei unerträglich, wie die Äußerungen Palmers einem Denken Tür und Tor öffnen, das sortiere und zudem die gefährliche Illusion schüre, man könne Risikogruppen trennscharf identifizieren. „Das Grundgesetz schützt klar jedes Leben – ohne Unterschied und ohne Nützlichkeits­erwägungen. Mehr noch, es formuliert einen Auftrag an den Staat, Leben zu schützen. Wir dürfen dieser Krise nicht die Menschenwürde opfern“, so Ebner.