Langenburg BMW-Vorstand, Tübingens OB, EBM-Papst-Chef und Bundesminister diskutieren Elektromobilität

ANNA BERGER 20.06.2015
Wie Ritter flankierten sie an beiden Tagen den Aufgang zum Tagungssaal: Dort stehen zwei schicke Elektroautos von BMW. Sieht so die Zukunft der Automobilindustrie aus? Auch um diese Frage ging es.

Der Automobilhersteller BMW hat eine Vision: nachhaltige Mobilität mit Null Emissionen. Das Unternehmen hat Milliarden in die Entwicklung von Elektroautos gesteckt - "ohne zu wissen, ob diese von den Käufern angenommen werden", betonte Peter Schwarzenbauer, Vorstandsmitglied der BMW-Group, auf dem Langenburg-Forum, das am Donnerstag begann und am Freitag endete.

Tatsächlich sind die Deutschen sehr zurückhaltend beim Kauf von Elektro-Autos. Weniger als ein Prozent der Wagen, die BMW hierzulande verkauft, haben einen Elektromotor. "Eigentlich schade", monierte Schwarzenbauer. "Wir sind das Land der Erfinder und Ingenieure, aber wir bringen es nicht auf die Straße." In Norwegen, den Niederlanden und in den USA sei das anders. "Die sind offener für Innovationen", sagte Schwarzenbauer. Hinzu komme, dass es in diesen Ländern bereits eine funktionierende Infrastruktur für Elektroautos gebe. Schwarzenbauer sieht da die Bundesregierung in der Pflicht.

Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister, sieht das anders. "Elektrotanksäulen sind teuer und funktionieren nicht richtig", sagte der Grünen-Politiker am Rande des Forums. "Und dann muss ich auch noch eine ganze Kommission für die Auswahl des richtigen Steckers beschäftigen." Bislang gibt es noch keinen einheitlichen Anschluss zum Tanken von Elektro-Autos.

Für Rainer Hundsdörfer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EBM-Papst in Mulfingen, liegt das Problem vor allem in der eingeschränkten Reichweite von Elektroautos. Für ländliche Regionen seien diese jedenfalls noch nicht brauchbar, beanstandete er. "Wir haben auch das Elektroauto I3 von BMW als Geschäftsauto ausprobiert", sagte er. Damit sei es schwierig zu einem Geschäftspartner zu kommen, der 80 Kilometer entfernt sei. "Der I3 ist ein urbanes Fahrzeug", konterte Schwarzenbauer. Und in der Stadt fahre niemand mehr als 40 Kilometer am Tag.

Wenn man dem Autobauer glauben schenkt, ist die Optimierung von Elektroautos nur ein Schritt zu einer neuen Mobilität: In der Welt von morgen werden wir mit selbst gesteuerten Elektroautos von Haustüre zu Haustüre gefahren. Sekundenschlaf, ein Glas Wein am Abend oder die Ablenkung durch das Mobiltelefon spielen keine Rolle mehr.

Aber wollen wir das überhaupt? Und wohin steuern wir, wenn wir nichts mehr steuern? Diese Frage beschäftigt Heiko Maas, Minister für Justiz und Verbraucherschutz, dessen Name ebenfalls auf der Rednerliste des Langenburg-Forums stand.