Terror Blutspur durch ganz Europa

Brettheim / HARALD ZIGAN 08.05.2013
Das italienische Dorf SantAnna di Stazzema teilt mit Brettheim ein gemeinsames Schicksal: Der fanatische SS-General Max Simon hinterließ in beiden Ortschaften blutige Spuren - und nicht nur dort.

Ein Seminar der Landeszentrale für politische Bildung unter der Leitung von Gordana Schumann widmete sich dem Schicksal der drei "Männer von Brettheim".

Die Hinrichtung von Friedrich Hanselmann, Leonhard Gackstatter und Leonhard Wolfmeyer und die fast vollständige Zerstörung des Dorfes im April 1945 zeichneten Thilo Pohle mit dem Dokumentarfilm "Als der Frieden schon so nah war" und Friedrich Braun mit einer Ortsbegehung nach, die in der Erinnerungsstätte im Brettheimer Rathaus endete, wo ein Förderverein unter der Leitung von Norman Krauß das furchtbare Kriegsende in dem Landwehr-Dorf dokumentiert. Immer wieder tauchte bei dem Seminar der Name eines Mannes auf, der bis heute in Brettheim verflucht wird: Max Simon, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS.

Der militärische Zufall wollte es, dass Hohenlohe im April 1945 unter den Terror des von Max Simon geführten XII. SS-Armeekorps geriet: Der leiseste Zweifel am "Endsieg" konnte in dieser Untergangsphase des "Dritten Reiches" tödlich sein.

Durch die Vita des SS-Generals zieht sich eine Blutspur, die schon Jahre vor dem Todesurteil gegen die Männer von Brettheim begann. Der Historiker Dr. Franz Josef Merkl aus Augsburg, der seine umfassenden Recherchen in dem Buch "General Simon - Lebensgeschichten eines SS-Generals" veröffentlichte, fand bei seiner Suche in Militärarchiven eindeutige Beweise dafür, dass Max Simon schon ab 1935 in die Ermordung von Häftlingen in den Konzentrationslagern Sachsenburg und Dachau verstrickt war. Als Kommandeur der 16. SS-Panzergrenadier-Division "Reichsführer SS" wurde Max Simon 1944 zum apokalyptischen Schrecken auf dem italienischen Kriegsschauplatz: Er war neben anderen Massakern unter der Zivilbevölkerung auch für die Erschießung von 400 Frauen, Männern und Kindern in dem toskanischen Dorf SantAnna di Stazzema verantwortlich.

Dieses Kriegsverbrechen beschäftigt die Justiz noch heute: Im Jahr 2012 stellte der Stuttgarter Staatsanwalt Bernhard Häußler ein Ermittlungsverfahren gegen noch lebende Angehörige dieser SS-Division ein. Eine noch nicht verjährte strafbare Beteiligung an den Geschehnissen in SantAnna di Stazzema könne den Beschuldigten nicht nachgewiesen werden. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Opfer des Bergdorfes bei einem Besuch im März 2013.

Max Simon wütete am Kriegsende 1945 nicht nur in Brettheim: In Gründelhardt ließ er zwei Deserteure hängen, in Leutershausen wurden zwei Soldaten erschossen, in Kaisheim bei Donauwörth erhängte die SS drei Soldaten, und in Kössen in Tirol brachte es Max Simon fertig, einen Soldaten noch fünf Stunden nach der Kapitulation zum Tode zu verurteilen.

Tief erschüttert waren die Seminar-Teilnehmer auch über jene drei unsäglichen Prozesse, die zwischen 1955 und 1960 in Ansbach und in Nürnberg im Fall Brettheim geführt wurden: Max Simon verließ den Gerichtssaal jeweils als freier Mann. Bei alten Parteigenossen auf der Richterbank fand Max Simon vollstes Verständnis. Nur der SS-Sturmbannführer Friedrich Gottschalk erhielt eine Gefängnisstrafe.

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