Eigentlich ist alles wie immer beim Taubenmarkt in Wiesenbach. Und für Andreas Bauer doch nichts, wie es war. Im Alter von 70 Jahren ist sein Vater, Rainer Bauer, im Dezember überraschend verstorben; er wird nicht nur von Familie und Freunden betrauert, sondern auch von Kleintierzüchtern aus der gesamten Region und von allen, denen der Taubenmarkt wichtig ist.

Rainer Bauer war es, der diese Tradition über viele Jahre hinweg am Leben erhalten und unter anderem mit seinen Helfern die Käfige für den Taubenmarkt aufgebaut hat. Der oft genug selbst ein bisschen Federvieh mitbrachte, „damit die Leut‘ was zum Anschauen und die Kind’ was zum Streicheln haben“. Manchmal waren einige Kaninchen ausgestellt – immerhin erlauben die unterschiedlichen Genehmigungen alle Kleintiere außer Papageien und Äffchen, und die sind in Blaufelden ohnehin schwer zu finden. Ohne Rainer Bauer hätte es gar keine Tiere, gar keine Tauben mehr gegeben beim Taubenmarkt. Und jetzt ist er nicht mehr da.

Das Lebenswerk von Rainer Bauer

Der Verstorbene hat manchmal davon erzählt, wie es war, als sein Vater starb, vor nunmehr 35 Jahren: Hätte er damals nicht die Zucht übernommen, es hätte keine Enten mehr gegeben im Blaufeldener Kleintierzuchtverein. Er machte also weiter und vergrößerte den Bestand insbesondere an Laufenten und Fasanen, teilweise auf das Sechsfache; er wurde Vorsitzender und unentbehrlich – ganz gleich, ob mit Baumaschinen die neue Zuchtanlage aus dem Boden gestampft oder die heutige Form der Taubenpräsentation begründet wurde, als dem Taubenmarkt die Tiere abhanden kamen.

73. Wiesenbacher Taubenmarkt

Bildergalerie 73. Wiesenbacher Taubenmarkt

Der Junior sagt, sein Vater, früher Lkw-Fahrer und Nebenerwerbslandwirt, habe an seinen Oldtimer-Schleppern und an seiner Eisenbahn gearbeitet, in Waldbauverein und Obst- und Gartenbauverein mitgeholfen. Was Ausstellungen und Zuchtfragen angeht, habe er so ziemlich alles gewusst: „Er hat so viele Fäden gezogen, im Hintergrund gearbeitet, an alles gedacht, für alle Zeit gefunden.“ „Da hat eine Lichtgestalt der Kleintierzucht die Bühne verlassen müssen“, fasst der Sohn die vielen Beileidsbezeugungen nach Rainer Bauers Tod zusammen.

Heute ist Andreas Bauer in derselben Situation wie sein Vater 1985: Unversehens steht er alleine mit dem gesamten Kleintierbestand da – etwa 17 Arten Fasanen, Wasserziergeflügel und Rassegeflügel wie Enten und Hühner, insgesamt 400 Tiere – und weiß nicht, wie es weitergehen soll.

In seiner eigenen Trauer und um an seinen Vater zu erinnern, übernimmt er am Wochenende ganz selbstverständlich dessen Taubenmarkt-Aufgaben. Unvorbereitet ist der 35-Jährige nicht: Bereits im Schulkindalter ließ auch er sich für die Kleintierzucht und insbesondere für Landenten mit Haube begeistern; seit vielen Jahren ist er Jugendleiter des Kleintierzuchtvereins der Gesamtgemeinde.

Der Junior übernimmt

Wenn er die Käfigböden aufbaut, weiß er, dass nicht viel verkauft wird, dass das eine eher symbolische Aktion ist. Wichtig ist vor allem, dass Wiesenbachs großes viertägiges Fest mit dem Taubenflug eröffnet wird: Organisator Manfred Glemser kauft Willi Ströbel Tauben ab und lässt sie fliegen – in der Regel direkt zurück in ihren Heimat-Taubenschlag. Und dann beginnt der eigentliche Taubenmarkt, der so beliebt ist in der Region.

Drei Tage Taubenmarkt in Wiesenbach


Auftakt mit Taubenflug und Kleintiermarkt ist am Samstag um 10 Uhr am Feuerwehrmagazin.

Bis zum Täubchenessen am Montagabend gibt es Musik, Ausstellungen, eine Hobby-Kunst-Handwerk-Messe und einen Krämermarkt.