Die Gemeinde Blaufelden wird in den nächsten Jahren viel Geld in die Hand nehmen müssen: Bei zwei der sechs Kläranlagen in der Kommune besteht schon jetzt Sanierungsbedarf, weil die Schmutzfrachten in den schon vor Jahrzehnten gebauten Anlagen kaum mehr bewältigt werden können. Bürgermeisterin Petra Weber rechnet damit, dass sich die Lösung aller Probleme in der Abwasserbeseitigung über die nächsten zehn Jahre hinziehen dürfte.

Das Ende der Fahnenstange in Sachen Reinigungskapazität ist vor allem bei der Kläranlage in Wiesenbach erreicht, die im Jahr 1970 gebaut und seinerzeit mitsamt den gewerblichen Abwässern auf einen Wert von 1000 Einwohnern ausgelegt wurde. Dieser Wert entspricht allerdings schon längst nicht mehr der Realität: Nach einer Berechnung des Ingenieurbüros Bäuerle & Partner aus Ellwangen müsste die Kapazität eigentlich bei rund 2800 Einwohnern liegen.

Die Überlastung in Wiesenbach zeigte sich dann offenkundig im Juli 2018: Die Kläranlage kippte um, weil es in diesem überaus trockenen und heißen Sommer an Frischwasser fehlte und die Mikroben im Klärbecken schlappmachten. Ungereinigtes Abwasser geriet in den Wiesenbach und löste dort ein Fischsterben aus.

Blaufelden

Mit dem Plan, die Wiesenbacher Kläranlage nicht etwa neu zu bauen oder aufwendig zu sanieren, sondern das Abwasser per Pumpwerk und Druckleitung an die Kläranlage nach Blaufelden zu befördern, liegt Blaufelden auf der Linie der Landesbehörden, die eine zentrale Abwasserbeseitigung favorisieren. Das Vorhaben zum Kostenpunkt von rund 2,2 Millionen Euro wird mit einem Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro bedacht.

Land fördert Projekte kräftig

Aus dem Landratsamt in Schwäbisch Hall kam dann der Vorschlag, auch die im Jahr 1976 gebaute und technisch inzwischen veraltete Kläranlage in Gammesfeld aufzugeben und das Abwasser aus dem Teilort nebst den Dörfern Heufelwinden, Ehringshausen und Metzholz ebenfalls nach Blaufelden zu pumpen. Auch für dieses Projekt liegt mittlerweile ein Zuschussbescheid auf dem Schreibtisch von Kämmerer Roland Bach: Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich mit 2,05 Millionen Euro an den Gesamtkosten von rund 2,9 Millionen Euro.

„Die Anschlussmaßnahme Gammesfeld ist ein gutes Beispiel für die Verbesserung der Abwasserbeseitigung“, wie Regierungspräsident Wolfgang Reimer in einer Pressemitteilung seiner Behörde zitiert wird: Eine größere Anlage könne wirtschaftlicher und energieeffizienter betrieben werden und erziele in der Regel eine bessere Reinigungsleistung.

Rot am See

Die Kapazität der im Jahr 1971 erbauten und mehrfach erweiterten Kläranlage in Blaufelden wiederum, die derzeit auf 5000 Einwohnerwerte ausgelegt ist, muss deutlich vergrößert werden, wenn dort zusätzlich auch noch das Abwasser aus Wiesenbach und Gammesfeld gereinigt wird.

Noch weitere Kandidaten

Und eventuell kommen künftig noch weitere Teilorte hinzu: Auch die Anlagen in Raboldshausen, Billingsbach und Herrentierbach befinden sich mittlerweile nicht mehr im besten Zustand. In diesen Fällen ist derzeit aber noch offen, ob eine Sanierung oder ebenfalls ein zentraler Anschluss in Blaufelden in Frage kommt. Auf jeden Fall soll zunächst die Leitung von Gammesfeld her nach Wiesenbach verlegt werden. Die Gemeinde will die Bauarbeiten, die im Herbst 2019 beginnen sollen, auch für die Verlegung von Glasfaserkabeln für den Breitbandausbau nutzen.

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