Rot am See Bilanz mit Bratwurst garniert

WOLFGANG RUPP 02.05.2012
Was haben Bratwürste mit Bilanzen zu tun und der Dalai-Lama mit Dividenden? Eine Antwort darauf wurde bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See gegeben.

Wenn Versammlungen so gestaltet werden wie am Freitagabend im Forum Rot am See, geht man richtig gerne hin und freut sich auf dem Nachhauseweg schon wieder aufs nächste Jahr. Es ist nicht nur das beim Eintrag in die Teilnehmerliste ausgehändigte Werbegeschenk, es sind nicht nur die kostenlosen Getränke und leckeren Bratwürste mit Kartoffelsalat gleich zu Anfang, es ist nicht nur die Einstimmung und Unterhaltung durch den Musikverein unter der Leitung von Barbara Kochendörfer. Es ist vor allem der kurzweilige, informative und weit über Zahlen hinausgehende Bericht von Vorstandssprecher Fritz Neidlein, der diese Versammlung zu einem interessanten, aufschlussreichen und geradezu schönen Abend werden lässt.

Es sprechen (in einem Film) Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch zu den Besuchern, es wird an wichtige Ereignisse in Sport, Gesellschaft und Politik erinnert, an den Dalai-Lama, der sich von seinen politischen Aufgaben entbinden ließ, an Fußballmeister Borussia Dortmund, an die Prinzenhochzeit von William und Kate, an den päpstlichen Auftritt im Bundestag an Fukushima.

Auch eine kleine Bank muss ihren Blick auf die große Welt richten, ist von den wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen nicht nur im eigenen Land, sondern weit darüber hinaus betroffen. Umso stolzer ist Vorstandssprecher Neidlein, dass die Volks- und Raiffeisenbanken in der Finanzkrise "keinen Rettungsschirm gebraucht, den Staatshaushalt nicht belastet haben und gute Steuerzahler geblieben sind". Das zeigt nach den Ausführungen von Neidlein, "dass eine Genossenschaft über die Förderung der Mitglieder hinaus Nutzen für die Gesellschaft stiftet".

Und doch bleiben auch kleine Banken von Entwicklungen im Großen nicht verschont, etwa von immer neuen Vorschriften zu Liquidität und Eigenkapital ("wir müssen Berge von Formularen ausfüllen") oder durch Basel III ("belastet auch die risikoarmen Geschäftsmodelle unserer Bankengruppe"). Nicht nur überschuldete europäische Länder müssten ihre Finanzen konsolidieren, auch Deutschland könne nicht weiter neue Schulen machen, forderte Neidlein. Wörtlich: "Anhaltende Schulden für Konsum sind im privaten Bereich tödlich und auch in der öffentlichen Hand nicht tragbar."

Dass die Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See sich trotz manch widriger Umstände gut entwickelt hat und auf einem festen Fundament steht, unterstrich Neidlein mit einigen Zahlen. So stieg das Kundengesamtvolumen um 7 auf 408 Millionen Euro, wuchs die Bilanzsumme trotz Staatsschuldenkrise um 7 auf 219 Millionen Euro, und das Kundenkreditvolumen um 3 auf 109 Millionen Euro und erhöhten sich die Kundeneinlagen um 6 auf 172 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss beträgt 1,03 Millionen Euro, der Bilanzgewinn beträgt 530 000 Euro. Sechs Prozent davon erhalten die Mitglieder, deren Zahl nur leicht auf 4499 angestiegen ist. Doch am Jahresende sollen es 4600 sein, wie Neidlein als "ehrgeiziges Ziel" ankündigt. Dabei müsse sich die Bank allerdings den durch den demografischen Wandel entstehenden Herausforderungen annehmen. Neben den treuen älteren und alten Kunden "müssen wir uns auf die jüngeren einstellen, Produkte und Beratung auf sie ausrichten und die neuen Medien weiter ausbauen". Auch wenn die Alterung der Bevölkerung anhalte und in ländlichen Gebieten Abwanderung drohe "werden wir als örtlich verwurzelte Bank unsere Kunden und Mitglieder nicht im Stich lassen", versprach Neidlein am Schluss seines Berichtes, der gleichzeitig sein letzter als Vorstandssprecher gewesen ist. Er wird Ende November in Altersteilzeit gehen. Gleichzeitig wird damit der Vorstand von drei auf zwei Mitglieder (Lothar Kaletta und Winfried Stahl) verkleinert.

"Die Bank hat trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein sehr gutes Ergebnis erwirtschaftet", freute sich Aufsichtsratsvorsitzender Klemens Izsak. "Diesen Erfolg muss man sich tagtäglich erarbeiten", würdigte der Schrozberger Bürgermeister den Einsatz aller Mitarbeiter. Auch vom Aufsichtsrat werden immer mehr Arbeit, höhere Aufgaben und umfangreichere Überwachungstätigkeiten verlangt, unterstrich Izsak mit dem Hinweis auf acht gemeinsame Sitzungen mit dem Vorstand, "so viel wie nie zuvor".

Verbandsprüfer Markus Vogt bestätigte der vor 130 Jahren als "Darlehenskassenverein Schrozberg" gegründeten Bank in einem insgesamt zunehmend schwieriger werdenden Umfeld ein "gutes Ergebnis" erzielt zu haben. Siegfried Gröner, Bürgermeister von Rot am See, dankte nach der einstimmigen Entlastung der Vorstandschaft allen Mitarbeitern für die "hervorragende Arbeit, die sie das ganze Jahr über geleistet haben". Damit sei die Raiba Schrozberg-Rot am See für die Zukunft bestens gerüstet.