Tradition Biber nagen am Crailsheimer Maibaum

Baumkontrolleur und Holzkünstler: Massimiliano D’Aurelio hat die Biberfiguren am Crailsheimer Maibaum gestaltet.
Baumkontrolleur und Holzkünstler: Massimiliano D’Aurelio hat die Biberfiguren am Crailsheimer Maibaum gestaltet. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 11.05.2018

Massimiliano D’Aurelio kann mit der Kettensäge jonglieren“, sagt Johannes Köder, Leiter des städtischen Baubetriebshofs, und lässt seinen Blick über das Ensemble aus Holzfiguren und abgenagten Baumstämmen gleiten, das sich am Eingang der Langen Straße vor dem Crailsheimer Rathaus in einem Wasserbecken um den Maibaum schmiegt. „Man sieht sofort: Hier war ein Künstler am Werk.“

Drei Biberskulpturen hat der gelernte Agrartechniker mit italienischen Wurzeln, der bei der Stadt Crailsheim angestellt ist und eigentlich Bäume kontrolliert, Grünanlagen pflegt und Holzschnittarbeiten ausführt, nach einer Fotovorlage aus dicken Holzstämmen ausgesägt. „Ich arbeite sehr gern mit Holz“, sagt Massimiliano D’Aurelio. Er hat schon mehrere Figuren gestaltet. Keine Frage: Dafür hat er ein Händchen.

Von Biberzähnen bearbeitet

Sehr realistisch sind die Biberfiguren geworden, man könnte fast meinen, sie hätten die dicken Stämme, die im Wasser treiben, tatsächlich abgenagt. Doch so war es nicht: Die Stämme sind von original Biberzähnen bearbeitet worden. „Wir haben ja Biber hier in Crailsheim“, erklärt Johannes Köder, „man sieht an den Stämmen deutlich die Nagespuren. Das hätten wir mit der Säge sicher nicht so hingekriegt.“

Die tierische Komposition am Fuß des Maibaums ist eine Gemeinschaftsleistung der Baubetriebshofmitarbeiter. Gerhard Glump, Funktionsmeister der Abteilung Grünwesen, ist der Vater der Idee. Er teilt die 19 Gärtner der Stadt für die verschiedenen Aufgaben in den städtischen Grünanlagen und auf den Friedhöfen ein. Und ab und zu überlegt er sich Themen für die Maibaumgestaltung. „Die Biber-Idee wurde sofort gut aufgenommen – und gleich umgesetzt“, berichtet Glump.

Viel Lob gab es bereits für die Maibaum-Biber. Immer wieder bleiben Passanten stehen und betrachten die Figurengruppe in der Fußgängerzone, manche machen Fotos, Kinder planschen mit den Händen im Wasser. Eine Kindergartengruppe hat hier kürzlich eine Rast eingelegt. So viel Aufmerksamkeit gab es selten in den vergangenen Jahren – obwohl sich der Baubetriebshof immer wieder neue Themen ausdenkt. Im letzten Jahr waren es die Türme an der Jagst, im Jahr zuvor die Stadtbiene. Auch die Partnerstädte wurden von den kreativen und handwerklich geschickten Angestellten schon dargestellt. Köder: „Es ist einfach schön, solche Mitarbeiter zu haben, die sich mit der Stadt identifizieren.“

Der echte Biber, der sich an der Jagst niedergelassen hat, hat dagegen nicht nur Freunde. „Stimmt“, bestätigt der Baubetriebshofleiter. „Darum greifen wir die Thematik hier auch durchaus augenzwinkernd auf.“ Am Maibaum sind schon erste Biber-Bissspuren zu erkennen. „Tatsächlich kostet es die Stadt Crailsheim eine Menge Geld, die Schäden, die der Biber angerichtet hat, zu beseitigen“, erklärt Köder. „Es nützt aber nichts: Wir müssen uns mit dem Biber arrangieren. Das wollten wir mit der Maibaumgestaltung thematisieren.“

Als der Maibaum aufgestellt wurde, hat Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer den Bauhofmitarbeitern eine Kiste Bier vorbeigebracht. „Es wäre schön, wenn sich in Crailsheim eine Mai-Hocketse etablieren würde“, überlegt Johannes Köder. Auf den Dörfern und in den Städten und Gemeinden ringsum haben Maifeste am 30. April eine lange Tradition. „Das würde bei den Crailsheimern sicher gut ankommen.“ Dennoch freut er sich, dass er mit seinen Mitarbeitern den Baum inzwischen ganz offiziell aufstellen darf. Vor einigen Jahren noch wurde dies nach Feierabend in der Freizeit erledigt.

Auf einigen Dörfern wird der Baum sogar umgesägt, wenn er in der Maiennacht nicht bewacht wird. Damit dieses Schicksal dem Crailsheimer Maibaum erspart bleibt, ist er mit Flachstahl gesichert. „Das schreckt zwar nicht den Biber ab, aber jede Kettensäge“, sagt Köder schmunzelnd.

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