Gerabronn Bewohner bangen um die Brettachhöhe

Sorge um die Dorfgemeinschaft Brettachhöhe. :
Sorge um die Dorfgemeinschaft Brettachhöhe. : © Foto: Birgit Trinkle
Gerabronn / Birgit Trinkle 30.07.2018
Die Entscheidung über die Schließung oder den Erhalt soll noch in diesem Jahr fallen.

Wenige Stunden nach einem kleinen, schnell gelöschten  Brand war noch aus ganz anderem Grund Feuer unterm Dach der Brettachhöhe: Petra Bittinger, die seit November 2017 gemeinsam mit Steffen Koolmann die Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler durch eine schwierige Phase führt, sprach die größte, drängendste Sorge der Bewohner an: Was wird aus der Einrichtung, die ihnen in 40 Jahren so wichtig geworden ist. Als Hausherrin begrüßte sie den Gerabronner Gemeinderat im Dorfsaal und nutzte die Gelegenheit, über aktuelle Entwicklungen zu berichten.

Im Frühjahr 2015 haben die Gemeinschaften beschlossen, die Hubertusmühle zu schließen; die Bewohner zogen aus, die Werkstätten wurden verlegt. Mit diesem Schritt verbunden war ein klares Bekenntnis zur Brettachhöhe bei Elpershofen, auf der derzeit etwa 40 Bewohner leben. Vor drei Jahren wurden  Wohngruppen und Werkstätten zusammengelegt, die Woll- und die Kerzenwerkstatt  abgezogen;  Weberei, Filzwerkstatt und Hausmeisterei blieben.

Bittinger war unter anderem  Sozialdezernentin im benachbarten Rems-Murr-Kreis; Weckelweiler, sagt sie, habe sie gereizt; dafür habe sie den Beamtenjob aufgegeben. Es gebe viele Aufgaben und Probleme. Und es gebe Gerüchte, etwa über eine bevorstehende Schließung der Brettachhöhe. Dazu wolle sie die Fakten nennen.

Die  Umsetzung der Landesheimbauverordnung war bereits als Sozialdezernentin ihr ureigener Bereich. Und genau hier liegt ein Problem der Brettachhöhe, wie sie in der, auch von Bewohnern, gut besuchten Gemeinderatssitzung erklärte. Derzeit wohnten 40 Personen am Standort; mehr Plätze seien nicht nutzbar, weil die Anlage dieser Verordnung nicht länger entspreche. Nun stehe eine Entscheidung an, die noch nicht getroffen sei. Für die Brettachhöhe sprächen die schönen Gebäude. Dagegen, dass eine zeitgemäße Behindertenhilfe Inklusion fordere, mithin das Leben der Menschen inmitten der Gemeinschaft – was auf der Brettachhöhe nicht gegeben sei; bis hin  zu Busverbindung fehle so vieles. Eines sei sicher: „Die Entscheidung wird noch in diesem Jahr fallen, und es wird keinen großen Beteiligungsprozess geben, dafür fehlt die Zeit.“

Mitarbeiter und vor allem Eltern nutzten nach der Sitzung die Gelegenheit, darzulegen, wie wichtig dieser Standort nach nunmehr 40 Jahren für die älter gewordenen Bewohner sei, wie verheerend es wäre, sie aus dem vertrauten Umfeld zu holen.

Chronik der drei Standorte bei Elpershofen

1969 suchte das damalige Jugendheim Weckelweiler nach einem Ort, an dem „für junge Leute ihnen gemäße Lebens- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden“ konnten.

Zuerst wurde im Brettachtal unterhalb von Amlishagen ein altes Waldgasthaus samt der Vogelvolieren gekauft, der Hubertushof. Otfried und Helga Plass zogen dort im Sommer 1970 mit den ersten Bewohnern ein.

Im selben Jahr stand auf der Bret­­tachhöhe  auch der heutige Holderhof  - damals noch der Wexhof – zum Verkauf. Weckelweiler erkannte und nutzte die Chance und begann im umgebauten Hühnerstall mit der Werkstattarbeit. Die erste Produktion war eine Montagearbeit von Fußmatten. Ein Garten wurde angelegt, die ersten Schafe kamen auf die Brettachhöhe. Als die Zulieferfirma für die Fußmattenherstellung geschlossen wurde, entstand auf Grundlage der eigenen Schafhaltung eine Werkstatt für Wollverarbeitung.

Die Flurbereinigung ermöglichte 1972 die Planung eines Werkstattgebäudes und den Bau von vier Wohnhäusern, die „Brettachhöhe“. In den Jahren, die kamen, entstand eine Zufahrtsstraße, von Elpershofen aus wurden Strom- und Telefonleitungen  gelegt, die Wasserversorgung auf eine gute Grundlage gestellt. Das Werkstattgebäude sowie Birken-, Lärchen-,  Ahorn- und Eschenhaus wurden gebaut. 1991 kam das Lindenhaus hinzu; mit der Erweiterung der Werkstatt erhielt die Brettachhöhe auch ihren großen Saal, der 1994 eingeweiht wurde.

Im Frühjahr 2015 haben die Gemeinschaften beschlossen, die Hubertusmühle zu schließen; die Bewohner  zogen aus, die Werkstätten wurden verlegt. Mit diesem Schritt verbunden war ein klares Bekenntnis zur Brettachhöhe. Ebenfalls vor drei Jahren wurden dort  Wohngruppen und Werkstätten zusammengelegt, die Woll- und die Kerzenwerkstatt abgezogen; Weberei, Filzwerkstatt und Hausmeisterei blieben. bt

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