Crailsheim Bestsellerautor Marc Friedrich stimmt bei Lesung auf den bevorstehenden Crash ein

Crailsheim / URSULA RICHTER 24.01.2015
Was für eine Steilvorlage für die Lesung zum Buch "Der Crash ist die Lösung" am Donnerstagabend in der Crailsheimer Buchhandlung Rupprecht: Am selben Nachmittag hatte die EZB verkündet, jede Menge Geld in die europäische Wirtschaft zu pumpen.

Doch auch ohne diese Nachricht war die Veranstaltung mit dem schon zum sechsten Mal in Crailsheim auftretenden Bestsellerautor Marc Friedrich - sein Mitstreiter Matthias Weik hatte sich krankgemeldet - seit Tagen ausverkauft. 230 Menschen kamen. Und es hätten noch mehr Karten verkauft werden können, berichtete Filialleiterin Claudia Wolf.

Keine Rettung mehr für das System?

Kein Wunder: Der Vortrag hatte einen verblüffenden Unterhaltungswert. Die teilweise sehr gut informierten Besucher brachen regelmäßig in helles Gelächter aus. Dabei ist das Thema, um das es ging, alles andere als komisch. Die Autoren Weik und Friedrich tragen in ihrem Bestseller alles zusammen, was auf einen zeitnahen Crash des Weltwirtschaftssystems hinweist. "Das Haltbarkeitsdatum für das Finanzsystem ist 2008 abgelaufen", konstatierte Friedrich am Donnerstag. Für das bestehende System gebe es keine Rettung mehr. Alle Versuche, die Mathematik zu überlisten und Schulden mit Schulden zu bezahlen, seien vergeblich.

Man habe es mit manipulierten Märkten zu tun. Die weltweiten Schulden seien bei einem globalen Bruttoinlandsprodukt von 77 Billionen US-Dollar auf 150 Billionen US-Dollar angestiegen. Wir erlebten gerade die größte Insolvenzverschleppung der Geschichte. Er zeigte eine Reihe von Charts, Zahlen, Daten und Fakten mit teilweise verblüffender Überzeugungskraft.

"So wird es kommen"

Nicht nur beim Crailsheimer Publikum, das für seine Fachkenntnisse und seinen Realismus ausdrücklich gelobt wurde, rief die Analyse keinen Widerspruch hervor. Marc Friedrich hat seine Einschätzungen, wie er berichtete, auch in der Börse Zürich vorgetragen. Euro oder Franken, das spiele jetzt keine Rolle mehr. Die dortige Reaktion habe selbst ihn, den durch sein persönliches Erleben des argentinischen Staatsbankrotts gestählten Vermögensberater, erschreckt: "Sie haben mit allem recht, Herr Friedrich. Genauso wird's kommen." Dass ihn das überhaupt erschreckte, könnte ein Indiz für eigene, im Eifer des gut gemachten Infotainments übergangene Zweifel sein.

Weil Friedrich, nach eigener Aussage, das Buch so geschrieben hat, dass auch seine schwäbische Herkunftsfamilie und seine Mutter, die Floristin war, alles verstehen könne, bietet er Lösungen an, wie man glimpflich durch die unvermeidliche Krise kommt: "Raus aus Papier - rein in Sachwerte." Außerdem keine Schulden machen, Diversifikation, Edelmetalle, Wald, Feld und Wiesen.

"Das Geld auf der Bank gehört wem?", fragte er. "Der Bank", tönte es aus dem Publikum. Seit Zypern müsse Geld ins Schließfach oder unter die Matratze. Nach einer langen Präsentation gab es langen Beifall. Ob es Friedrich wohl umgekehrt wie Kassandra ergehen wird? Der trojanischen Königstochter glaubte niemand ihre negativen Prophezeiungen, aber alle trafen ein. Ihm glaubt man. . .