Brettheim/Crailsheim Bemerkenswerte Braunsbacher Vereine aus Crailsheim und Brettheim besichtigen gemeinsam Museen

Informationen zu jüdischem Leben und Sterben: Elisabeth Quirbach (Vierte von rechts) führt Besucher über den jüdischen Friedhof.
Informationen zu jüdischem Leben und Sterben: Elisabeth Quirbach (Vierte von rechts) führt Besucher über den jüdischen Friedhof. © Foto: Norman Krauß
Brettheim/Crailsheim / NORMAN KRAUSS 22.07.2014
Das Rabbinatsmuseum in Braunsbach und das Brückenmuseum in Geislingen waren Ziel eines Ausflugs des Fördervereins "Die Männer von Brettheim" und des Arbeitskreises "Weiße Rose".

"Simon-Berlinger-Haus" wird das Gebäude seit Kurzem genannt, in dem die Bezirksrabbiner der jüdischen Gemeinde Braunsbach, die für die jüdischen Gemeinden von Schwäbisch Hall bis Crailsheim und von Künzelsau bis Gaildorf zuständig waren, von 1832 bis 1913 ihren Verwaltungssitz hatten. Der Name geht zurück auf den aus Berlichingen stammenden Lehrer Simon Berlinger. 1936, also schon in einer für ihn lebensbedrohlich gewordenen Zeit, übernahm er die jüdische Schule im Rabbinatsgebäude als "israelitische Bezirksschule". Bis zu seiner Flucht nach Palästina im Jahre 1939 unterrichtete er dort.

Nach dem Krieg besuchte Berlinger mehrmals die alte Heimat im Kochertal. Bis zu seinem Tod im Jahre 2010 setzte sich Berlinger unermüdlich ein für ein Wiederaufleben des friedlichen Miteinanders von Christen und Juden wie vor der Katastrophe des Holocausts.

Stein- und Glasstelen mit Namen bekannter jüdischer Bürger Braunsbachs von 1600 bis zur Deportation 1942 geleiten ins ehemalige Rabbinatsgebäude. Das enge Raumangebot setzt der Fülle an Exponaten, Fotos und Texten zu allen Bereichen jüdischen Lebens im Landjudentum Hohenlohes Grenzen - und dennoch erfahren Besucher eine nicht enden wollende Fülle an Informationen zu jüdischem Alltag und Festbräuchen, religiösen Vorschriften, hoheitlichen Vorschriften von Ausgrenzung im Mittelalter über die Emanzipation in Württemberg ab 1810 bis hin zur Entrechtung ab 1933.

Im ehemaligen Schulzimmer laden moderne Medien wie Lese-, Film- und Hörstationen ein, weitere Bereiche jüdischen Lebens kennenzulernen, wie etwa die hebräische Sprache und Schrift oder deutsche Redewendungen hebräischen Ursprungs.

"Menschen israelitischen Glaubens lassen sich ab 1600 in Braunsbach nachweisen", erklärt Elisabeth Quirbach, Gründerin und verantwortliche Leiterin der Gedenkstätte, den Besuchern und fährt fort: "Das nachbarschaftliche Zusammenleben zwischen Christen und Juden funktionierte rund 350 Jahre - bis der nationalsozialistische Rassenwahn die Situation radikal veränderte." Den Abschluss nach einer mehr als zweistündigen Führung bildete der Besuch des jüdischen Friedhofs an einem Hang am Wald oberhalb von Braunsbach. In dem im Jahr 1738 angelegten Friedhof erinnern 398 überwiegend gut erhaltene Grabsteine an jüdische Bürger aus Braunsbach und den umliegenden jüdischen Gemeinden, die bis 1939 hier ihre ewige Ruhestätte fanden. Eine Gedenktafel erinnert an die deportierten und in Todeslagern ermordeten Juden aus Braunsbach, die dort kein Grab fanden.

Elisabeth Quirbach, die Mitglieder des Fördervereins und die Gemeinde Braunsbach haben die Notwendigkeit einer Kultur des Erinnerns an das jüdische Erbe erkannt und setzen diese Erkenntnis in die Tat um. Die Ziele dieser Arbeit erklärt Quirbach so: "Vielleicht gelingt es uns, einen kleinen Beitrag zu mehr Toleranz und Achtung vor dem Andersdenkenden und Andersglaubenden zu leisten."

Als ein Museum ganz anderer Art präsentiert sich das Geislinger Brückenmuseum. Große und kleine Modelle im Ausstellungsraum geben den Besuchern erste Einblicke in die gewaltigen Dimensionen dieses Bau- und Kunstwerkes, das mit seinen 1128 Metern Länge und den 185 Metern Höhe noch immer die höchste Talbrücke Deutschlands darstellt.

Kornelia Horch, die Leiterin dieser kleinen, aber interessanten Ausstellung, erzählte zahlreiche Details aus der Baugeschichte. In einem 45-minütigen Dokumentarfilm können Besucher die acht Brückenpfeiler mithilfe von Kletterschalungen in die Höhe wachsen sehen, um anschließend den Brückenüberbau zu erleben.

Info Mehr zu den Braunsbacher Museen auch im Internet unter www.rabbinatsmuseum-braunsbach.de und www.brueckenmuseum.de.

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