Kommune Bekenntnis zum schnellen Internet

Der Straßenbau ist heute in ganz vielen Fällen mit dem Einzug von Leerrohren verbunden: Der Breitbandausbau steht an.
Der Straßenbau ist heute in ganz vielen Fällen mit dem Einzug von Leerrohren verbunden: Der Breitbandausbau steht an. © Foto: Birgit Trinkle
Stimpfach / Birgit Trinkle 21.06.2018

Die Summen, die im Raum stehen, sind jenseits von Gut und Böse. Als Nathalie Hess von der Geo Data GmbH ihr Konzept für einen flächendeckenden Breitband-Ausbau in der Gemeinde Stimpfach vorstellt, weiß jeder im Raum, dass es nicht um dieses oder um das nächste Jahr geht, dass der Gemeinderat an diesem Thema aber nicht vorbeikommt. Deutschland liegt mit seinem Glasfaseranteil weit abgeschlagen in der Schlusslicht-Fraktion – hinter Ländern wie der Türkei oder der Tschechischen Republik. Schwache Bandbreiten und langsame Übertragungsgeschwindigkeiten lähmen vor allem auf dem Land Gewerbe und Privathaushalte gleichermaßen – schnelles Internet zählt längst zu den wichtigsten Standortfaktoren.

Frühe Erkenntnis

2013 hat Stimpfach als erste Gemeinde im Landkreis einen vollständigen Breitbandplan für die Gemeinde erstellen lassen. Dank dieser Planung werden seit Jahren nach Möglichkeit Leerrohre verlegt, und vor allem ist das Ganze die Grundlage für eine vollständige Erschließung des Gemeindegebiets mit Glasfaser. „Bis ins letzte bewohnte Grundstück“, sagt Bürgermeister Matthias Strobel. Er erinnerte in der Gemeinderatssitzung daran, dass eine Kommune vor fünf Jahren als gut und ausreichend versorgt galt, wenn Bandbreiten von 2 Mbit angeboten werden konnten: „Heute reichen 50 Mbit nicht mehr“. Bis in fünf Jahren werde 100 Mbit Standardversorgung sein, und solche Werte ließen sich nur mit einem Glasfasernetz erreichen. Strobel führte auch an, dass sich die Gemeinden vom Bund im Stich gelassen fühlen.

Hess‘ Grobkostenschätzung ist mit einer vom Büro festgelegten Reihenfolge verbunden, an die sich der Gemeinderat aber nicht gebunden fühlen muss. Was Zeitrahmen und Prioritäten angeht, ist die über Jahre geplante Umsetzung völlig offen. Wo immer möglich wird, wie aktuell in Rechenberg, ein Ausbau mit Partnern angestrebt. Für Strobel ist eine durch solche Kooperationen ermöglichte Kosteneinsparung der einzige Weg, das Ausbauziel zu erreichen.

6,1 Millionen Euro zusätzlich

Randenweiler, Stimpfach, Weipertshofen und Gerbertshofen wurden bereits über Kabelverzweiger erschlossen und sind mit bis zu 30 Mbit zumindest ordentlich versorgt. Das heißt aber auch, dass es in diesen Bereichen keine Förderung gibt. Die von Geo Data ermittelten Kosten für die Glasfaserabdeckung in Höhe von 6,1 Millionen Euro müsste die Gemeinde allein stemmen, weshalb diese Orte ganz zum Schluss an der Reihe sind. Was die Prioritäten angeht, sagt Strobel auch, sei der Kosten-Nutzen-Faktor entscheidend – wo mit welchen Mitteln wie viele Haushalte erreicht werden können. Es sei aber auch nicht zu vertreten, bereits gut versorgte Gebiete anzugehen, wenn es in kleineren Orten noch gar nichts gibt. Gemeinderat August Schirle, Ortsvorsteher in Weipertshofen, fand’s gut, dass an die kleinen Orte gedacht wird.

Die ermittelten Kosten sind im oberen Bereich anzusiedeln – unter anderem wird generell mit fünf Prozent Sicherheitszuschlag auf alle Längen und Kosten gerechnet.

  • Das erste Ausbaugebiet im Geo Data-Modell ist Rechenberg, Connenweiler, Blindhof, Hörbühl und Ölmühle. Als erstes kommt Rechenberg; im September geht’s mit den Bauarbeiten los. Hess rechnete befestigte und unbefestigte Oberflächen auf, außerdem die Mitverlegung durch die ODR. Hinzu kommen die nicht förderfähigen Kosten der Hausanschlüsse: Insgesamt kommt sie auf 777 229 Euro Kosten. Bei der Gemeinde bleibt ein Eigenanteil von 489 110 Euro.
  • Der nächste Ausbauschritt könnte Eichishof und Eichissägmühle, Kreßbronn, Hübnershof, Steinbach am Wald und Bautzenhof sein. Hier geht Hess von 1,21 Millionen Euro Kosten aus. Eigenanteil: 666 970 Euro.
  • Als drittes Gebiet ist Klinglesmühle, Nestleinsberg, Hochbronn und Lixhof ausgewiesen. Grob geschätzte Kosten: 553 850 Euro, bei einem Eigenanteil von 309 275 Euro.
  • Ein weiterer Abschnitt widmet sich den Teilorten Käsbach, Sperrhof, Sixenmühle und Siglerhofen. Kosten: 710 915 Euro, Eigenanteil: 434 540 Euro.

Der flächendeckende Ausbau im gesamten Gemeindegebiet könnte günstiger werden, wenn sich gewerblicher Bedarf nachweisen lässt. Im Einzelnen will der Gemeinderat über diese Planung und die Priorisierung diskutieren.

Einstimmig zugestimmt wurde dann der Errichtung eines landkreisweiten Backbonenetzes. Der Gemeinderat, heißt es im Beschluss, sei an der interkommunalen Zusammenarbeit im Kreis interessiert und bereit, den entsprechenden Vertrag zu unterzeichnen. Hier geht es um die überörtliche Versorgung: Jede Kommune, jeder Ortsteil muss erschlossen werden. Stimpfach selbst ist durch die gemeinsam mit Fichtenau gebaute Leitung und die Bauprojekte der ODR und ihrer Tochter Net-Com überörtlich bereits erschlossen. Aber die Gemeinde ist davon überzeugt, dass sich mit größeren Netzen leichter Anbieter finden lassen.

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