Gericht Bei Schuldfähigkeit des Angeklagten bleibt Gutachter vage

Das Foto zeigt eine Szene aus dem Gerichtssaal vom Prozessauftakt im Januar 2018.
Das Foto zeigt eine Szene aus dem Gerichtssaal vom Prozessauftakt im Januar 2018. © Foto: Mario Berger
Heilbronn / Carsten Friese 17.04.2018

Es geht um viel, um eine mögliche Höchststrafe: Im Prozess um den Mord an der 59-jährigen Margot M. auf dem Parkplatz der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein hat der psychiatrische Gutachter keine klare Expertise zur Schuldfähigkeit des angeklagten Ehemanns abgegeben.

Expertise zur Schuldfähigkeit

Da zum direkten Tatgeschehen weder vom Opfer oder von Zeugen Anhaltspunkte vorliegen, noch der Angeklagte Aussagen gemacht hat, sei vieles nicht überprüfbar, sagte Dr. Thomas Heinrich am Freitag vor dem Landgericht. Eine Affekttat, die vielleicht durch eine Provokation beim Gespräch über eine Neuauflage der Beziehung zum Opfer ausgelöst wurde, sei ebenso denkbar wie eine gezielt geplante Tat.

Im ersten Fall käme eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit in Betracht, sagte Heinrich; im anderen Fall müsse das Gericht von voller Schuldfähigkeit ausgehen. Für eine psychische Krankheit oder Persönlichkeitsstörung sieht der Gutachter beim Angeklagten Georg M. (63) indes keine Hinweise.

Angeklagter bestreitet Tat

Was ist auf dem Parkplatz passiert? Gab es einen Streit, nachdem Margot M. sich mehr als ein Jahr zuvor von ihrem Ehemann getrennt und mittlerweile einen neuen Partner hatte? Oder hat Georg M. seine Frau aus Eifersucht oder Kränkung nach der langen Ehe gezielt getötet? Viel Zeit blieb dem Täter nicht, gut zwei Minuten. Um 21.31 Uhr verließ die 59-Jährige an der Zeiterfassung die Tagungsstätte, um 21.34 Uhr erfolgte der erste Notruf von Zeugen, die die Schwerverletzte fanden. Georg M. bestreitet die Tat.

Dass der Täter der 59-Jährigen fünf lebensgefährliche Messerstiche versetzte, die bis in Lunge, Leber und Milz vordrangen, stellte Rechtsmediziner Prof. Frank Wehner fest. Jeder dieser Stiche hätte allein tödlich sein können, sagte er. Bei vier von neun Stichen war eine massive Wucht nachweisbar. Das Opfer verblutete am Tatort. Einen Schnitt in den Hals sowie Stiche in Brustbereich, Bauch, Seite und in den Rücken zählte der Experte auf. Die Stiche in den Rücken wertete er als Reaktion des Täters auf eine Flucht des Opfers.

Eine lange Liste von 18 Vorstrafen des Angeklagten trug das Gericht vor. Körperverletzungen, eine fahrlässige Tötung eines Radfahrers im Straßenverkehr mit überhöhter Geschwindigkeit, Straßenverkehrsgefährdung mit Unfallfolgen durch rasantes Überholen und einige Urteile wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis kamen zur Sprache. Der Angeklagte fuhr unter anderem mit einem in Frankreich erworbenen Führerschein Auto, obwohl dies von Behörden als unzulässig eingestuft worden war – auch am Tattag. Verurteilungen wegen Insolvenzverschleppung und mehrfachen Betrugs kamen hinzu.

18 Vorstrafen

Verwundert zeigte sich der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth über die Fülle an Bewährungsstrafen. Obwohl Georg M. 1980 einen Menschen fahrlässig getötet hatte, gab es bei sechs weiteren Verkehrsdelikten in späteren Jahren jedes Mal Haft auf Bewährung.