Energie Bau des Windparks Rechenberg hat begonnen

Baubeginn im Windpark Rechenberg: Die Baugruben sind ausgehoben, bald wird das Fundament betoniert.
Baubeginn im Windpark Rechenberg: Die Baugruben sind ausgehoben, bald wird das Fundament betoniert. © Foto: Christine Hofmann
Stimpfach / Christine Hofmann 16.12.2016
Rechenberger Bürger fühlen sich von Windrädern umzingelt. Innerhalb von vier Kilometern drehen sich bald 13 Anlagen im Halbkreis um den Ort.

Die Flächen für die drei genehmigten Windräder im Windpark Rechenberg sind gerodet, zwei Baugruben für die Fundamente ausgehoben. Im Wald westlich von Rechenberg wird seit einigen Wochen kräftig gebaut. „In der vierten Kalenderwoche des neuen Jahres beginnt der Aufbau der Windräder“, berichtet Jochen Kreidenweiss, Geschäftsführer Wind-Energien GmbH, „wir hoffen, dass im Mai das erste Windrad fertiggestellt ist.“

Nachdem die Planungsphase ruhig und geordnet verlief und nur wenige kritische Stimmen laut wurden, regt sich unter den Einwohnern des Stimpfacher Teilorts nun doch Widerstand gegen den Bau des Windparks.

„Es geht um die Stückzahl: 13 Windräder rund um Rechenberg – das ist zu viel.“
- Michael Bösemann, Bürger aus Rechenberg

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft“, erklärt Iris Baumann-Weiss, „und mit den drei Rechenberger Windrädern hätten wir vielleicht leben können. Aber auf der anderen Seite des Ortes werden gerade zehn Räder an der Landkreisgrenze gebaut. Dann sind wir von Windrädern umzingelt.“ Die Rechenbergerin spricht aus, was rund hundert Bürger aus Rechenberg, Eichishof und Hörbühl denken. Sie alle haben ihre Unterschrift auf eine Liste gesetzt und damit ihr Missfallen zum Ausdruck gebracht, dass in ihrer Nähe gleich zwei Windparks entstehen – der Windpark Ellwanger Berge im Ostalbkreis und der Windpark Rechenberg.

„Die Rechenberger sind aufgewacht, als der Bau der zehn Räder im Ostalbkreis begann“, berichtet Josef Schneider. „Nun wollen wir die Öffentlichkeit für die Problematik sensibilisieren und uns dafür einsetzen, dass nicht noch mehr Windräder in unserer direkten Nachbarschaft gebaut werden.“ Dass die drei Anlagen im Windpark Rechenberg realisiert werden, ist Schneider und den übrigen Rechenbergern klar. In der ursprünglichen Planung des Investors waren jedoch fünf Windräder vorgesehen. Zwei Anlagen wurden im Laufe des Genehmigungsverfahrens zurückgezogen. „Wir wollen verhindern, dass diese beiden Windräder zu einem späteren Zeitpunkt auch noch gebaut werden“, sagt Josef Schneider.

Die drei Windkraftanlagen im Windpark Rechenberg sind eher die drei Tropfen, die das Fass zum Überlaufen bringen. „Es geht um die Stückzahl: 13 Windräder rund um Rechenberg – das ist zu viel“, meint auch der Rechenberger Michael Bösemann. „Eine gemeinsame Planung über Landkreisgrenzen hinweg wäre gut gewesen, dann hätte eine solche Situation vermieden werden können.“

In der Tat plant jeder für sich: Der Regionalverband Heilbronn-­Franken hat die Potenzialfläche ausgewiesen, auf der der Windpark Rechenberg entsteht. Sie ist deckungsgleich mit der Fläche, die im noch laufenden Verfahren der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim ebenfalls für die Windkraftnutzung vorgesehen ist. Die Waldfläche gehört überwiegend dem Land Baden-Württemberg und zu geringen Anteilen privaten Besitzern und der Gemeinde Stimpfach. Im Rahmen einer Pooling-Vereinbarung haben alle Besitzer gemeinsam den Betreiber Wind-Energien-GmbH aus Kirchheim unter Teck ausgewählt.

Der Wald, in dem bis zum kommenden Frühjahr die zehn Anlagen des Windparks Ellwanger Berge stehen werden – jenseits der Kreisgrenze und dem Regionalverband Ostwürttemberg zugeordnet – , ist im Besitz des Landes. Forst-BW hat die Flächen an die beiden Investoren, die Wind-Energien-GmbH und die Stadtwerke Tübingen, verpachtet.

Besondere Lage

Die Pläne lagen öffentlich aus. Im Laufe der Flächennutzungsplanverfahren gaben die Nachbargemeinden eine Stellungnahme ab. Die Rechenberger Bürger fühlen sich dennoch zu wenig informiert und in ihrer besonderen Lage zwischen zwei Windparks benachteiligt. „Wir sind ein Sonderfall, dafür gibt’s keine Regelung“, sagt Iris Baumann-Weiss. Sie hat ans Regierungspräsidium geschrieben und auf die besonderen Umstände hingewiesen. „Es ist bedauerlich, dass in den Genehmigungsverfahren der Tatbestand der Umzingelung nicht zählt. Denn den haben wir hier.“

Abstände zur Wohnbebauung

Die Abstände zur nächstgelegenen Windkraftanlage im Windpark Rechenberg betragen: Stimpfach 1960 Meter, Kreßbronn 900 Meter, Rechenberg 1160 Meter, Aussiedlerhof bei Rechenberg 900 Meter, Hörbühl 800 Meter und Ropfershof 1180 Meter.

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