Ellwangen / Jürgen Stegmaier  Uhr
Der Batteriehersteller aus Ellwangen kauft eine ehemalige Tochtergesellschaft zurück, erhöht sein Kapital, weitet seine Produktion aus und freut sich über die Auszeichnung eines Managers.

Das Unternehmen, das seinen Standort 27 Kilometer südlich von Crailsheim und 39 Kilometer östlich von Schwäbisch Hall hat, machte in den zurückliegenden Wochen mehrfach auf sich aufmerksam. Um seine Produktkapazitäten bei Lithium-Ionen-Batterien zu erweitern, erhöhte Varta sein Kapital. Dazu gab das Unternehmen, das 1887 in Hagen gegründet wurde und seit 1947 in Ellwangen beheimatet ist, mehr als 2,2 Millionen neue Aktien aus. Diese wurden zu je 46,70 Euro erfolgreich bei institutionellen Investoren platziert.

Varta erlöst 104 Millionen Euro durch neue Aktien

Durch diesen Schritt erlöste der Spezialist für Batterien 104 Millionen Euro. Über diesen Handel können sich Gesellschaft und die Anteilseigner freuen, denn der Kurs der Varta-Aktie ist in den zurückliegenden vier Wochen deutlich gestiegen. Vorstandsvorsitzender Herbert Schein sieht in dieser Kapitalerhöhung die Bestätigung, dass Varta seinen Wachstumskurs erfolgreich fortsetzen kann.

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Mit dem zusätzlichen Kapital will Varta bis 2021 jährlich deutlich mehr als 100 Millionen Zellen seiner Lithium-Ionen Batterien herstellen. Kunden aus dem Bereich der Hersteller benötigen diese wiederaufladbaren Batteriezellen beispielsweise für hochtechnische Produkte wie Premium-Kopfhörer. Steffen Munz ist Finanzvorstand der Varta AG. Er bezeichnet die Nachfrage nach diesen Lithium-Ionen-Batterien einmal als „massiv“, einmal als „boomend“.

Manager des Jahres

Vartas Technikvorstand Rainer Hald wurde von der Zeitschrift Markt&Technik unlängst als „Manager des Jahres 2019“ ausgezeichnet. Zu diesem Anlass betonte Vorstandschef Herbert Schein, dass die Batterie immer mehr zu einer strategischen Komponente werde. Die Gerätehersteller würden deshalb Wert auf hohe Qualität legen. Als Innovationsführer leiste Varta dazu einen erheblichen Beitrag.

Schon im Mai sorgte eine Übernahme für Aufsehen: Die Varta AG kaufte ihre frühere Konzernschwester Varta Consumer Batteries zurück. Der Preis wurde auf 100 Millionen Euro geschätzt. Der Erwerb gilt als Schnäppchen. Die wiedergewonnene Gesellschaft fertigt Batterien für Endverbraucher.

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Marktführerschaft im Visier

Die wieder vereinten Varta-Unternehmen machen insgesamt einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro bei einem Gewinn von geschätzt 100 Millionen Euro.

Die Varta AG ist die Muttergesellschaft der Unternehmensgruppe. Sie hat ihren Sitz in Ellwangen. Zur Aktiengesellschaft gehören die Tochtergesellschaften Varta Microbattery GmbH (ebenfalls Ellwangen) und Varta Storage (Nördlingen). Varta Microbattery gilt als Innovationsführer im Bereich Mikrobatterien, Marktführer im Segment Hörgerätebatterien. Das Unternehmen strebt nach eigenen Angaben die Marktführerschaft auch für Lithium-Ionen-Batterien an.

Die Varta Storage GmbH fokussiert sich nach Informationen aus dem Unternehmen auf das Design, die Systemintegration und die Montage von stationären Lithium-Ionen-Energiespeichersystemen für Haushalte und kommerzielle Anwendungen sowie für maßgeschneiderte Batteriespeichersysteme.

In mehr als 75 Ländern aktiv

„Mit vier Produktions- und Fertigungsstätten in Europa und Asien sowie Vertriebszentren in Asien, Europa und den USA sind die operativen Tochtergesellschaften der Gruppe derzeit in über 75 Ländern weltweit tätig“, schreibt Varta in einer Pressemitteilung. In ihren Tochterunternehmen beschäftigt die Varta Aktiengesellschaft mehr als 2200 Mitarbeiter.

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Mit Neil Armstrong auf dem Mond

Batterien von Varta sind nicht zuletzt deshalb bekannt, weil sie schon 1896 bei minus 50 Grad bei einer Nordpol-Expedition eingesetzt wurden. Außerdem lieferten sie die Energie für die Kamera, die der US-Astronaut Neil Armstrong 1969 bei der Mondlandung bei sich hatte.

Knapp 2,2 Milliarden Euro ist die Varta AG wert, so hoch ist die Marktkapitalisierung.

Gewinne schüttete das Unternehmen in den beiden zurückliegenden Jahren nicht aus. Für das aktuelle Geschäftsjahr sind 17 Cent in Aussicht gestellt.

30 Prozent der Varta-Aktien befinden sich in Streubesitz. Knapp 65 Prozent der Anteilsscheine gehören dem österreichischen Juristen und Beteiligungsunternehmer Michael Tojner. Er investierte in mehr als 50 junge Unternehmen. just