Rot am See Bartholomämarkt: Die Geschichte vom weißen Gold

Rot am See / Sebastian Unbehauen 22.08.2018
Die Macher des Beimbacher Traditionsfests setzen nicht auf bloße Feierei, sondern geben seit Jahren historische Einblicke. Diesmal geht’s um Salzgewinnung im Brettachtal.

Wie und wann genau im Brettachtal zwischen Rückershagen und Beimbach eine Salzquelle entdeckt wurde, dazu gibt es verschiedene Versionen. Eine davon geht so: Der in Gera­bronn lebende Kastner Georg Philipp Westphal soll Mitte des 18. Jahrhunderts von einem Mann „liederlicher Lebensart“ erfahren haben, der sich am Fuße des Bergs unterhalb von Rückershagen regelmäßig Wasser hole und sich so eine „gute Gesundheit“ erhalte. Westphal ließ dem Geheimnis des liederlichen Gesunden auf den Grund gehen, salzhaltiges Wasser wurde entdeckt.

Was unspektakulär klingt, war damals eine süße Verheißung auf wirtschaftlichen Aufschwung. Salz trägt schließlich nicht umsonst den Beinamen „weißes Gold“ – und das nahe Hall war ein leuchtendes Beispiel für eine durch den Salzhandel aufgeblühte Stadt. Sollte Gerabronn ein vergleichbares Schicksal erfahren? Westphal jedenfalls meldete den Fund nach Ansbach, weil das Brettachtal zum von dort aus regierten Fürstentum gehörte.

Jedes Jahr Thema gesucht

Und damit nahm jene Geschichte ihren Lauf, von der Heinz Tuchenhagen und Paul Zimmer den Besuchern des Bartholomämarkts am Samstag um 11 und um 13 Uhr berichten wollen. Auch ein paar Stellwände mit Informationen zum Thema gibt es. Eins stellt Zimmer im Vorgespräch mit der Zeitung gleich klar: „Das ist aber auf Gerabronner Gebiet, nicht auf Beimbacher, gell!“ Der 86-Jährige ist da ganz genau, denn er kommt aus Rückershagen und interessiert sich schon lange für die Salzgeschichte seiner Heimat. Tuchenhagen aus Lenkerstetten, einer der Köpfe hinter dem Bartholomämarkt, lacht über Zimmers Bemerkung. Er hat keine Ambitionen, die Salzquelle einzugemeinden. Aber er ist froh, dass es sie gab – schließlich suchen er und seine Mitstreiter jedes Jahr nach einem historischen Thema fürs Fest. Seit rund zehn Jahren werden in Beimbach immer Blicke in die Vergangenheit geworfen. Da ging es schon um die Getreideernte wie anno dazumal, um Heuernte, Kartoffelernte, Gespannpflügen und zuletzt um den Kirchberger „Saimarkt“.

Dazu kommt noch ein Schlepper- und Nutzfahrzeugetreffen, bei dem 2017 die Rekordzahl von sage und schreibe 552 Gefährten erreicht wurde. Keine Frage, der „Bartlmä“ boomt, wie das noch vor einigen Jahren kaum einer für möglich gehalten hätte. Und die Vorbereitungen für das Traditionsfest, zu dem die Gemeinde Rot am See und die Ortschaft Beimbach einladen und dessen Bewirtschaftung der Schützenverein und die Feuerwehrfreunde Beimbach, der Kellerclub Lenkerstetten sowie die Schlepper- und Maibaumfreunde Heroldhausen übernehmen, laufen seit Wochen auf Hochtouren.

Das Ergebnis ganz besonderer Bemühungen steht gerade noch in Tuchenhagens Hof. Etwa zehn Leute haben in rund 80 bis 100 Stunden Arbeit ein sogenanntes Gradierwerk nachgebaut, wie es im 18. Jahrhundert für die Salzgewinnung verwendet wurde. Wasser wurde nach oben gepumpt, tröpfelte dann durch Schwarzdornzweige und wurde anschließend gesammelt. Während dieses Prozesses sollte möglichst viel Wasser verdunsten, sodass man dann beim Sieden weniger teure Energie brauchte, um das Salz zu gewinnen. Am Samstag übrigens sind die Haller Siederknechte auf dem Bartholomämarkt zu Gast und zeigen, wie ihr Handwerk funktioniert.

Aber zurück zur Brettachtaler Salzgeschichte: Ab 1753 wurde ein erstes Salzwerk gebaut, der Ansbacher Markgraf Alexander engagierte den Schweizer Salinen­experten François Rovéréas. Doch die Erträge blieben bescheiden. 1768 wurde eine neue Salinengesellschaft gebildet, an der sich Vermögende aus der Region beteiligten – und der sowohl der Markgraf als auch Friedrich der Große als König von Preußen ihren Segen gaben. Brandenburg-Ansbach stand nämlich im Erbvertrag mit Brandenburg-­Preußen. Von 1781 an hieß das Werk nach dem Markgrafen Ale­xandershall, aber auch unter den Experten Franz Ludwig Cancrin und Carl Christian Langsdorf wurde der Salzabbau im Bret­tachtal kein einträgliches Geschäft. Die Ausbeute war gering, die Qualität des Salzes ließ zu wünschen übrig.

Letztes Aufbäumen

Ein letztes Aufbäumen war der Plan, auf der Höhe bei Rückershagen ein riesiges Gradierwerk zu errichten. Wegen des dort stärkeren Winds und der stärkeren Sonneneinstrahlung versprach man sich bessere Ergebnisse als im Tal. Das Wasser sollte dafür auf den Berg gepumpt werden, die notwendige Infrastruktur war teilweise schon bestellt und geliefert – etwa ein riesiges Wasserrad.

Aber: 1792 nahm kein geringerer als Alexander von Humboldt in seiner damaligen Funktion als königlich preußischer Oberbergmeister die Saline bei Beimbach unter die Lupe – und empfahl die sofortige Stilllegung. Zu unrentabel. Der Traum vom weißen Brettach-Gold war ausgeträumt.

Das ist auf dem Bartholomämarkt geboten

Das Beimbacher Treiben geht von Freitag, 24., bis Sonntag, 26. August, über die Bühne. Am Freitagabend ist offizieller Bieranstich und es gibt die brasilianische Spezialität Churrasco (Schweinespieß). Zum ersten Mal seit Jahren gibt es keinen Country-Abend, sondern es spielt die Partyband „Aeroplane“.

Am Samstag beginnt das 19. Schlepper- und Nutzfahrzeuge-Oldtimertreffen um 10 Uhr. Um 11 und 13 Uhr stehen Vorführungen zur Salzgewinnung im Bret­tachtal auf dem Programm. Die Haller Siederknechte sind zu Gast. Es gibt Schlachtplatte, später Kaffee und Kuchen der Landfrauen Beimbach-Gaggstatt. Um 14 Uhr ist Preisverleihung des Schleppertreffens und anschließend eine Rundfahrt. Um 20 Uhr spielen „Die Vellberger“.

Am Sonntag beginnt der „Bartlmä“ um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst im Zelt. Es folgen Mittagstisch und Kaffee und Kuchen. Um 14.30 Uhr spielt der Musikverein Rot am See.

Dazu gibt es einen Dorf- und Bauernmarkt, eine kleine Gewerbeschau, Vorführungen der Bielrieter Falknerei, Bogenschießen, Ponyreiten und ein Kinderkarussell.

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