Laientheater Ballonfahrer, eine Gerüchtesuppe und viel Spiellust

Rot am See / Ralf Snurawa 04.07.2018

Dienstagabend an der Reubacher Hauptstraße: Es ist der erste richtige Durchlauf zu Arno Boas‘ Theaterstück „Treibjagd“. Oberhalb der sonst als Parkplatz genutzten Fläche stehen Bettina Krauß und Romy Setzer in der Gerüchteküche, rühren mit dem großen Holzlöffel die Gerüchtesuppe um, die sie durch übelste Gerüchte-Gewürze zu verfeinern versuchen. Unten, auf dem Parkplatz, befindet sich die eigentliche Bühne, und da wird zu Beginn erst einmal gesungen – noch ohne Mikrofon.

Denn – und das ist eine Neuerung beim Reubacher Sommertheater – künftig werden die Stimmen der Darsteller mittels Mikrofon verstärkt. Möglich, dass sich Regie-Debütantin Patricia Foik da von ihrer früheren Wirkungsstätte beim Landestheater in Dinkelsbühl und den Sommerfestspielen am Wehrgang inspirieren ließ.

Das Stück beginnt im Wirtshaus von Jennys Eltern. Fast alle Protagonisten finden sich ein – zumindest diejenigen, die die Gerüchte über den neu ins Dorf gekommenen Klavierlehrer Clemens so richtig in Fahrt bringen werden. Man ahnt schon Schlimmes, da schwebt plötzlich ein Heißluftballon über der Szenerie. Die Amateurdarsteller winken. Die im Fränkischen gestarteten Ballonfahrer winken zurück. Patricia Foik lädt sie zur Premiere am 6. Juli ein.

Und weiter geht es bei den Proben. Da rauscht ein Sattelschlepper aus den Niederlanden plötzlich durchs Geschehen. Bisweilen glaubt man später auch ganze Autokonvois auszumachen. „Die Leute, die vorbeifahren, sind immer sehr nett, winken und überfahren uns zum Glück nicht. Aber es ist schon anstrengend, sich angesichts der Unterbrechungen auf das Spielen zu konzentrieren“, beschreibt Patricia Foik ihre erste Erfahrungen beim Proben in Reubach.

Seit Anfang März probt sie mit den Amateurdarstellern nun schon – draußen seit inzwischen drei Wochen, wobei immer mal wieder eine Pause von ein paar Tagen eingelegt wird. Zu Beginn hatte sie Angst davor, dass die Schauspieler sie vielleicht nicht ernst nehmen würden. Mittlerweile ist sie aber guter Dinge. Beim Zusehen hat man jedenfalls das Gefühl, dass sich da jeder auf der Bühne unbedingt ausdrücken will und beim Proben großen Spaß am Spiel hat.

Von den Darstellern waren in den letzten Jahren nur drei immer mal wieder mit dabei: Bettina Krauß, Wilfried Betz und Michael Seeger. Letzterer spielt dieses Jahr den Klavierlehrer. Einige haben nach langen Jahren wieder zurückgefunden. Und noch mehr sind das erste Mal zu erleben. Für Patricia Foik war es wichtig, die Theatertruppe zusammenzuschweißen, „dass wir ein starkes Stück daraus entstehen lassen können, und dass es auch für die nächsten Jahre eine gute Werbung sein wird“.

Ständiges Geben und Nehmen

Sie selbst verlässt sich bei ihrer ersten Inszenierung auf ihr Gefühl und die Darsteller: „Wenn jemand eine Idee hat, die besser ist als meine, dann nehme ich die gern an.“ Das Proben ist somit ein ständiges Geben und Nehmen – was alle zu motivieren scheint. Die jüngeren Darsteller, allen voran Britta Deuter als Klavierschülerin Jenny, die dem Dorf entfliehen will – sprühen geradezu vor Spiellust. Und selbst im Dunklen – noch ohne die nötige Ausleuchtung mit Scheinwerfern – wird weitergespielt.

Udo Staleker hat Souffleuse Sarah Cieslik schnell eine Stirnlampe besorgt und zusammen mit seiner Frau Michaela, der Vorsitzenden des Amateurtheatervereins, einen Strahler für etwas Licht neben der Bühne aufgestellt. Da wirkt am Dienstagabend der Schluss des Theaterstücks gleich noch viel unheimlicher.

Karten gibt es auch beim Hohenloher Tagblatt

Premiere von „Treibjagd“ ist beim Reubacher Sommertheater am Freitag, 6. Juli, um 20.30 Uhr. Es folgen weitere Aufführungen am 7., 8., 12., 13. und 14. Juli, alle um 20.30 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Rathaus von Rot am See (0 79 55 / 3 81 21) und im Shop des Hohenloher Tagblatts (0 79 51 / 40 91 02) sowie online über www.reubacher-sommertheater.de.

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