Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH  Uhr
Am Freitag brachte Verbraucherminister Alexander Bonde den Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro mit, seit gestern wird gebaut. Sechs Millionen Euro kostet die Errichtung einer Wurstmanufaktur in Hessental.

50.000 Wurstdosen sollen täglich vom Band rollen, wenn die Produktionslinie im Frühjahr an den Start geht. 70 Arbeiter - 20 aus der bestehenden Wurstherstellung und 50 neue Kräfte - sollen dafür sorgen, dass alle Teile der Schlachttiere verwertet werden.

Eine "unheimliche Dynamik, gepaart mit gesunder Ungeduld" bescheinigt Grünen-Landwirtschaftsminister Bonde dem Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft, Rudolf Bühler. Der habe wenige Tage nach Antragstellung gedrängt, dass die Wurstmanufaktur genehmigt werde. Nun ist es amtlich: 1,5 Millionen Euro bringen Land und Europäische Union ein. Die Fachbegriffe bei den Bürokraten heißen dazu: "Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum 2007 bis 2013" und "Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums".

Den Verantwortlichen vor Ort können diese Namen Wurst sein - Hauptsache, das Geld ist da. Investitionen von sechs Millionen Euro werden damit ausgelöst. Denn jetzt geht es um die Wurst: Die Herstellung von Wurst und sonstigen veredelten Fleischprodukten in Dosen wird verfünffacht. Derzeit können bis zu 10.000 Dosen abgefüllt werden, im Vollausbau sind es 50.000.

Doch wer soll das alles essen? Rudolf Bühler hat keine Sorgen, den Absatz zu erhöhen. "Bis zu 22 Prozent der Bevölkerung kaufen bewusst Lebensmittel von Tieren aus artgerechter Haltung ein", erläutert der Landwirt und Chef der Gemeinschaft, in der sich 1400 Erzeuger zusammengeschlossen haben. "Mit der Wahl des Essens stimmen die Bürger über die Art der Landwirtschaft ab, die sie haben wollen." Und eben die artgerechte Tierhaltung ohne Genfood und Antibiotika-Einsatz sei gefragt.

An den Export der Wurstdosen denkt Bühler dabei nicht: Es würde genügen, wie bisher die Feinkostläden in den Ballungszentren um Schwäbisch Hall zu beliefern sowie die touristischen Gebiete im Schwarzwald und anderswo. Neu dazu kommt: Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft will im gehobenen Lebensmittelhandel noch häufiger vertreten sein.

"Eben war der Chef des strategischen Einkaufs von REWE-Deutschland bei uns", sagt Rudolf Bühler. Geplant sei, dass die Bäuerlichen Erzeuger in die "Pro-Planet"-Linie des Handelskonzerns aufgenommen wird.

Die Schwäbisch Haller sind mit ihren Produkten längst keine kleinen Würstchen mehr: Der Schlachthof schreibt schwarze Zahlen und hat sich zum größten Bio-Schlachthof Süddeutschlands entwickelt. Zudem errangen die Haller beim internationalen Biowurstwettbewerb mit 36 Goldmedaillen Platz 1.

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft hat nun für die Manufaktur einen Gebäudekomplex gekauft, der unmittelbar neben dem Erzeugerschlachthof in der Raiffeisenstraße steht. Einst war dort ein Lager der Bausparkasse untergebracht und das Kasino des Vorstands.

Viel Lob gab es bei der Übergabe des Förderbescheids: "Der Erzeugerschlachthof ist ein eindrucksvolles Beispiel für ein mittelständisches Unternehmen, das mit regionalen und ökologischen Produkten nachhaltig wächst und seine Produktpalette am Markt ausbaut", so Bonde. Ein Versucherle durfte nicht fehlen. Ein Stück vom Wurstbrot mundete dem Minister, bevor er in den schwarzen Audi stieg und nach Stuttgart abdüste.