Langenburg Ausstellung von Vater und Sohn: Rudolf und Rolf Kurz im Hofratshaus Langenburg

RALF SNURAWA 10.09.2013
Was zunächst wenig Gemeinsamkeiten aufweist, entpuppt sich als sinnvolle Ergänzung: die Ausstellung von Vater Rudolf und Sohn Rolf Kurz beim Hohenloher Kunstverein im Langenburger Hofratshaus.

"Wenn der Vater mit dem Sohne", heißt ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1955. Vater und Sohn sind derzeit auch beim Langenburger Hofratshaus in Aktion: "Kurz & Kurz".

Auf den ersten Blick lassen Rolf Kurz Stahlskulpturen an seriell gefertigte Produkte denken. Die Hausmodule des konzeptionellen Künstlers, wie ihn Dr. Armin Panter vom Hällisch-Fränkischen Museum in seiner Ausstellungseinführung bezeichnete, sind jedoch keine Designobjekte. Er bedient sich in seinen "Reihenhaussiedlung" genannten Werken einer Grundform, die er immer wieder variiert.

In Werken wie "Vierviertel" und "Sechssechstel" lassen sich die vier oder sechs Teile sogar zu einem Würfel zusammensetzen. Panter sieht die Einzigartigkeit der Skulpturen auch im Material. Dessen Oberfläche behandelt Rolf Kurz mit Säure oder anderen Substanzen, um eine dunkle Rostschicht zu gewinnen: "Somit überlässt er die Metalloberfläche, wie er sagt, einem kontrollierten Zufall, vergleichbar einem Rakubrand in der Keramik."

Panter verwies auf die Studienaufenthalte des Künstlers und Kunsterziehers in Japan. Diese seien wichtig und prägend gewesen. Dort gebe es zwei Kunstrichtungen: die "lieblich verspielte" des "miabi" und die reduzierte, karge, auf natürliche Schönheit setzende des "wabi-sabi". Dazu gehören Patina, Gebrauchsspuren und das Aussetzen der Natur. Den Weg des "wabi-sabi" habe Rolf Kurz konsequent eingeschlagen, so Panter.

Auch beim Vater Rudolf Kurz sieht Armin Panter Momente des Patinierens in seinen Bildern. Er habe in seine Arbeiten Metall aufgenommen: "Blattgold oder Blattsilber sich flächig aufgelegt und wurden so behandelt, dass eine die Komposition belebende Oxidationsschicht entstand. Ein Motiv der Plastiken scheint im Bild aufgenommen." Das findet sich in den als "Landschaft" oder "Lichtstücke" bezeichneten Bildern ebenso wieder wie in den "Torsi".

Dabei könne man erkennen, dass viele andere Bilder des Bildhauers Rudolf Kurz eine Auseinandersetzung mit der Bildhauerei seien: "Wie über eine Skulptur möchte man auch über die Bilder von Herrn Kurz streichen. Die Flächen werden nicht nur durch Linie oder Andersfarbigkeit voneinander abgegrenzt; oft sind es die unterschiedlichen Strukturen, die Oberflächen, die sie voneinander separieren. Die Bilder besitzen einen besonderen haptischen Reiz."

Die von Stahlkörpern eingeschlossenen Steinskultpuren des Bildhauers Rudolf Kurz lassen sich auch in den Bildern ausmachen: "In den gemalten Torsi ist genau dieses Thema, nämlich Raum und Körper, in zwei Dimensionen wieder aufgegriffen. (. . .) Dabei geht es Kurz weniger um Zentralperspektive als vielmehr um räumliche Bezüge und Zuordnungen." Selbst in den "Lichtstücken" schwinge, so Panter, noch die Skulptur mit. Diese eigentlichen "Schattenstücke in reduzierter Farbigkeit" bedürfen wie eine Skulptur Licht und Schatten. Auch Steinstrukturen schimmern hindurch.

Die Gegenüberstellung von Stahlplastiken und Bildhauerbildern ergänzen sich in der Doppelausstellung "Kurz & Kurz" hervorragend. Armin Panter wies in seiner Einführung darauf hin, dass sie "sogar manchmal in einem durchaus positiven Dialog" stehen. So wirken "Lichtstücke" und "Landschaft" auch mal als Horizont zur "Reihenhaussiedlung".

Oder es lässt sich neben dem Einsatz der Patina - hier der Natur ausgesetzt, dort gemalt - das Prinzip der Behausung ausmachen: bei Rolf Kurz das Haus als Modulmoment, bei seinem Vater Rudolf die Behausung um die Figuren auf den Bildern. Und schließlich ist beiden Künstlern das Reduzieren aufs Wesentliche gemeinsam.

Info Ausstellung "Kurz & Kurz", Hofratshaus Langenburg, bis 13. Oktober; mittwochs von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17.30 Uhr geöffnet