Kirchberg Ausgeprägtes Gefühl für Schwarz-Weiß

Kirchberg / PM 09.11.2013
Das freut alle Kunstfreunde in der Region: Das Sandelsche Museum in Kirchberg/Jagst hat über eine Zustiftung 15 Kirchberg-Zeichnungen des bekannten Grafikers Werner Baumann erhalten.

Werner Baumann (1925 - 2009) hat das Kulturleben in Heilbronn und in Hohenlohe viele Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet. Er war Dozent an der Volkshochschule Heilbronn und Ausstellungsleiter des Künstlerbundes und des Kunstvereins Heilbronn. Seit 1987 lebte der in Crailsheim geborene Künstler als freischaffender Grafiker in Heilbronn und Niedernhall.

Der Grafiker Werner Baumann ist der Kunstöffentlichkeit praktisch ausschließlich durch seine großformatigen streng komponierten Schwarz-Weiß-Linolschnitte und später auch seine farbigen abstrakten Linolstempeldrucke bekannt. Dabei standen zu Beginn Zeichnungen im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Aus den nachgelassenen Zeichnungen, welche in der Zeit vor Aufnahme des Studiums an der Kunstakademie in Stuttgart im August 1946 und zu Beginn des Studiums, vorwiegend zwischen den Jahren 1947 und 1948, entstanden sind, erhielt die Stadt Kirchberg nunmehr von den Erben 15 Originalzeichnungen mit Kirchberger Motiven.

Neben seinem Heimatort Crailsheim war vor allem das nahe gelegene Kirchberg und sein inzwischen eingemeindeter Ortsteil Lobenhausen - woher die Vorfahren mütterlicherseits stammten und über Generationen als Maurer ansässig waren - ein wesentlicher Gegenstand seiner zeichnerischen Arbeiten, welche nun an den Ort ihres Entstehens zurückkehren.

Während die ersten Feder- und Bleistiftzeichnungen noch vor allem durch penible, das ganze Blatt füllende Striche gekennzeichnet waren, sind die späteren dann mit einem sicheren lockeren kräftigen Strich in wenigen Minuten "hingehauen", was auch den spontanen Charakter der Zeichnung unterstreicht. Dabei zeigt sich schon früh ein ausgeprägtes Gefühl für die Wirkung von Schwarz-Weiß-Kontrasten. Gekonnt eingesetzte Verdichtungen der Linien und Lavierungen schaffen meist einen bewusst gestalteten dunkleren Bildmittelpunkt mit hell auslaufenden Randbereichen, welche den skizzenhaften Charakter unterstreichen.

Ab 1950 wandte sich Werner Baumann fast ausschließlich dem Holz- und später dem Linolschnitt zu, nachdem er sich an der Akademie für die Holzschnittklasse von Professor Karl Rössing entschieden hatte. Vielleicht auch deshalb, weil er doch schon relativ früh bei den Zeichnungen seinen "Stil" gefunden hatte und wohl formal und technisch damals kaum Weiterentwicklungsmöglichkeiten für sich sah.

Die meisten Zeichnungen aus dieser Zeit wurden erst in späterer Zeit von W.B. signiert, teilweise auch datiert. Dies deutet darauf hin, dass er sie durchaus als wichtigen Bestandteil seines Gesamtwerks ansah, auch wenn sie später bei Ausstellungen und Veröffentlichungen nicht in Erscheinung traten. Umso interessanter dürfte es nicht zuletzt auch im Hinblick auf die bisher fehlende Zugänglichkeit der Arbeiten sein, die Anfänge des künstlerischen Schaffens von Baumann im Sandelschen Museum besichtigen zu können.

Unabhängig davon bietet sich dem ortskundigen Betrachter die Möglichkeit, die abgebildeten Örtlichkeiten damals vor rund 70 Jahren mit der Situation heute zu vergleichen.

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