Auf Vaterunser-Vertonungen haben sich Sänger wie mitsingende Organisten bei ihrem Auftritt in Honhardt konzentriert. Die stilistische Palette reichte von Frühbarock bis Moderne. Gesang und Orgelspiel blieben meist getrennt, auch im ersten Werk, Gotthard Erythräus "Vater uns er im Himmelreich".

Der Chor eröffnete in wunderbar klarer Diktion. Als schön ausgewogen erwies sich der Stimmzusammenklang. Dass dies auch die einzelnen Stimmgruppen in sich betraf, zeigten Abschnitte, etwa nur für Soprane oder Tenöre. Michael Jandek setzte zwischen die Choralstrophen zwei völlig unterschiedliche Improvisationen: die eine kraftvoll, die klanglichen Möglichkeiten der Orgel auslotend, die andere über die Melodie sinnierend.

Michaela Haas unterstrich den schreitenden Charakter von Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel "Vater unser im Himmelreich", betonte in ihrem kantablen Spiel aber auch die feinen Verzierungen.

Was sich bei der Wiedergabe der folgenden Vaterunser-Vertonungen wie Charles Gounods "Pater noster" durch den Kammerchor noch bestätigen sollte, wurde erstmals zu Gottfried Homilius vierstimmiger Spruchmotette hervorgehoben: das starke Gegenüberstellen kontrastreicher Momente, befördert durch die Komposition am Text entlang. So traf bei Homilius ein weich getöntes "Vergib uns unsere Schuld" auf ein kräftig, fast ein wenig dramatisch gesungenes "Und führe uns nicht in Versuchung". In der beschließenden Fuge waren die Stimmverläufe sehr klar herausgearbeitet worden.

Felix Mendelssohns sechste Orgelsonate op. 67 in d-Moll wirkte danach einerseits als instrumentale Zäsur. Andererseits blieb sie bei den Vaterunser-Vertonungen, ist sie doch eine Variation über Luthers Vaterunser-Choral. Michael Jandek wählte einen gedämpften Orgelklang zu Beginn, der durch feinsinnig intonierte Umspielungen bereichert wurde. Das abwechslungsreiche Beleuchten des Choralthemas umfasste scherzoartige Momente ebenso wie entrückten Gesang und glitzernde Virtuosität. Sie führte zu einer ruhig angelegten Fuge, die Robert Schumanns Begeisterung für die "ächt poetischen neuen Formen" unterstrich, gefolgt von innigem Orgelgesang in warmer, sanfter Tongebung.

Dadurch wirkte Gounods "Pater noster" fast schon wie aus der Zeit gefallen, während Giuseppe Verdis Chorwerk für fünfstimmigen Chor in italienischer Sprache (nach Dante) weitaus empfundener erschien. Martin Schirrmeister war auch hier auf das feine Austarieren der Stimmen bedacht. Den oft schnellen Ausdruckswendungen konnten von Seiten der Sänger so hervorragend entsprochen werden: hier dramatisches "infernale", dort zartestes "Amen".

Verdi hatte sich damals am italienischen Caecilianismus orientiert, ihn aber nicht zur bloßen Stilkopie der Werke Palestrinas werden lassen, sondern dessen Kompositionsweise in die Romantik übertragen. Wie die Kirchenmusik zu Beginn von Verdis Komponistenkarriere klang, konnte das Publikum in Honhardt danach mit der "Elevazione in re minore" von Padre Davide da Bergamo erleben. Michael Jandek unterstrich genussvoll die opernhafte, an der Arie orientierte musikalische Gestik.

Mit großem Ausdrucksgegensatz von Igor Strawinskis Kurzmotette beschloss der Kammerchor Oberaspach danach sein Konzert, wobei er die Schlichtheit, die "einfache harmonische Intonation", wie es der Komponist nannte, schön zurückgenommen wiedergab.