Der sechsspurige Ausbau der A 6 zwischen dem Weinsberger Kreuz und der bayerischen Landesgrenze verzögert sich. Die Planungen dauern länger als gedacht. Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) geht jetzt davon aus, dass die Bauphase erst 2025 startet und nicht 2023, wie die Behörde noch im Frühjahr verkündet hatte. Ende 2021 soll für die sechs Bauabschnitte Baurecht geschaffen worden sein. Erst dann kann das zwei- bis dreijährige Vergabeverfahren beginnen. Zuletzt hatte das RP angepeilt, die entscheidende Planfeststellung für die gesamte Ausbaustrecke bis zum dritten Quartal 2020 erledigt zu haben.

Wie das RP auf Anfrage der Hohenloher Zeitung mitteilt, dauert die Bauzeit mindestens fünf Jahre: egal ob das Vorhaben wie vorgesehen unter Beteiligung privater Investoren als ÖPP-Projekt (Öffentlich-Private Partnerschaft) oder konventionell über den Bundeshaushalt finanziert wird. Mit der Fertigstellung des 64 Kilometer langen Abschnitts durch Hohenlohe und eines kleinen Stücks im Landkreis Heilbronn sei frühestens 2030 zu rechnen, heißt es. Nach der zuletzt aufgestellten Prognose wäre dies 2028 der Fall gewesen.

Vorbereitende Arbeiten zum ökologischen Ausgleich könnten ab 2023 beginnen. Dabei geht es darum, Ersatzlebensräume für streng geschützte Arten wie die Haselmaus zu schaffen. Der Artenschutz sei ein Hauptgrund für die längere Planungsdauer. Seit 2014 würden schärfere Regeln gelten, „die zeitaufwendige Nacherhebungen aller geschützten Tierarten entlang der gesamten Strecke erforderten“.

Der Naturschutz spielt auch eine Rolle bei der Frage, wie stark Landwirte durch ökologische Ausgleichsflächen betroffen sind. Darüber wird seit Frühjahr 2018 im Bereich zwischen Bretzfeld, Öhringen und Kupferzell gestritten. Eine Art der Flurbereinigung soll die Lasten gerecht verteilen und existenzielle Gefährdungen verhindern. Die Belastungen sollten so gering wie möglich gehalten werden. Das koste viel Zeit.

Als weitere Gründe für die Verzögerung werden geotechnische Untersuchungen genannt. Auch die Nacharbeitung der 20 Bürgerdialoge habe personelle Ressourcen gebunden. Ziel sei es, „einen Konsens für die Trassenführung zu finden“. Losgelöst davon sei das Planfeststellungsverfahren zu sehen. Allein dies entscheide über das Baurecht. Das RP möchte mit dem Dialog Konflikte bei Lärm und Flächenverbrauch frühzeitig entschärfen, um die Planfeststellung zu beschleunigen.

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Crailsheim/Schrozberg

Finanzierung als ÖPP-Projekt


900 000 Millionen Euro kostet laut Regierungspräsidium Stuttgart der Ausbau des 64 Kilometer langen Abschnitts der A 6. Das Vorhaben ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als „vordringlich“ eingestuft und eines von elf möglichen ÖPP-Projekten. Entscheidendes Kriterium für die Umsetzung ist, dass eine Vergabe an Private den Staat nicht teurer kommt, als selbst zu bauen und den Ausbau per Bundeshaushalt zu finanzieren. Darüber gibt eine Wirtschaftlichkeitsprüfung Aufschluss. Die Planung ist seit 2011 auf ein ÖPP-Projekt ausgerichtet.