Frankenhardt Sonnenwendfeier: aus Freude an der Natur

Am neuen Sportplatz in Gründelhardt loderte das Sonnwendfeuer.
Am neuen Sportplatz in Gründelhardt loderte das Sonnwendfeuer. © Foto: Schwandt
Frankenhardt / Ute Schäfer 25.06.2018
Der Burgberg-Tauber-Gau des Schwäbischen Albvereins pflegt mit seinen Sonnwendfeiern einen uralten Brauch  – diesmal in Gründelhardt.

Der Holzstoß ist aufgerichtet und ragt bestimmt fünf Meter in die Höhe. Wie lange er brennen wird? „Das kommt darauf an, wie schnell er kippt“, sagt Bernhard Kühnle, Vorsitzender der Albverein-Ortsgruppe Frankenhardt. Um das Kippen hinauszuzögern, habe man früher übrigens einen grünen Stamm in der Mitte tief eingegraben.

Wie das Holzstoß-Aufschichten geht, weiß die Ortsgruppe. Mit dem Sonnwendfeuer ist jede Ortsgruppe des Burgberg-Tauber-Gaues zwar nur alle etwa 15 Jahre dran. Doch die Frankenhardter organisieren jedes Jahr am Gründischen Brunnen ein Winterfeuer, zu dem stets 40 bis 60 Besucher kommen.

Fußball-Konkurrenz

Bei der zentralen Sonnwendfeier des Gaues in Gründelhardt waren es zwar mehr. Aber nicht viel. Und vor allem viel weniger als sonst – was kein Wunder ist, weil zeitgleich die deutsche Nationalmannschaft auflief. „Schade“, sagt Kühnle: „Der Termin war uns vorgegeben.“

Lothar Schwandt, der stellvertretende Gauvorsitzende, hielt nach einem Grußwort des Frankenhardter Bürgermeisters Jörg Schmidt die Feuerrede. Er hatte einen blühenden Johanniskraut-Zweig dabei, die Nacht vom 23. auf den 24. Juni ist schließlich die Johannisnacht. Sie steht in enger Verbindung zu den Sonnwendfeiern, die aus vorchristlicher Zeit stammen, so Schwandt. Sie hätten freilich in der Zeit des Nationalsozialismus so manchen Missbrauch erfahren. Damit hätten die Feiern der Wandervereinigungen allerdings nichts zu tun. „Wir sehen sie als Feier im Jahreslauf, in dem die Freude an der Natur und Gottes Schöpfung auch zur Festfreude werden soll.“

Doch bevor der Holzstoß angezündet wurde, gab es natürlich erst noch eine kleine Wanderung – man ist ja beim Albverein. Es ging in Richtung Brunzenberg auf eine Anhöhe, von der aus man einen weiten Blick über die Gegend hat. Nicht alle gingen mit. Geblieben sind zum Beispiel drei ältere Damen, Gertrud „Trudel“ Würtemberger, Hilde Mürter und Eleonore Mühlbacher. Sie sind Gründungsmitglieder der Frankenhardter Ortsgruppe. Sie erinnern sich vor allem an die mehrtägigen Ausflüge. „Die waren immer schön. Was haben wir gelacht“, sagen sie und denken an die Streiche, die gespielt wurden. Von „Schlafanzug-Zunähen“ bis „Steine unter das Laken“ war alles mit dabei.

Doch dann ruft Margit Kühnle die Dagebliebenen zur Gymnastik– so ganz ohne Bewegung sollte keiner bleiben. Margot Maas hat für die Kinder Fühlstationen aufgebaut, auf der mit den Händen Sonnenblumenkerne oder Luftballone erkannt werden mussten. Sie hat bei der Ortsgruppe Frankenhardt übrigens eine Untergruppe „Junge Familie“ gegründet und mit viel Engagement und Geduld die Mitgliederzahl von deutlich unter 100 auf nunmehr 117 wachsen lassen, freute sich Bernd Kühle. Deshalb waren auch viele Kinder bei der Feier dabei. Knapp zehn Nachwuchswanderer lasen Gedichte zur Sonnenwende, bevor sie den Holzstoß entzünden duften. Und der brannte bald lichterloh.

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