Stimpfach / Ralf Mangold Das Storchenpaar in Stimpfach ist wieder glücklich vereint. Allerdings mussten die beiden ihr Nest erst gegen Angreifer verteidigen. Nun könnte es demnächst hoffentlich wieder ans Brüten gehen.

Seit 2014 brütet ein Storchenpaar nun schon alljährlich in Stimpfach. Anfangs fanden sie eine Heimat in einem Korb an der Spitze eines ehemaligen Maibaums am Ortsrand, doch jener musste zwischenzeitlich wegen Fäulnis im Stamm abgebaut werden. Die Gemeinde hat nur ein paar Meter weiter an einem ehemaligen Strommasten einen Metallkorb als Nisthilfe angebracht, und diese wurde als adäquater Nachfolger sofort akzeptiert.

Als Beringer von Dohlen und Turmfalken ist Helmut Vaas schon mehrere Jahre für den Nabu Ellwangen ehrenamtlich im Einsatz. Seit das erste Storchenpaar vor fünf Jahren in Ellwangen gemeldet wurde, beobachtet er zudem die Störche in der Region und beringt die Jungstörche in sieben Nestern. „Es werden, mit Ausnahme Nordwürttemberg, nicht mehr alle Störche beringt, weil es einfach zu viele gibt“, erklärt Vaas. 1975 gab es noch 15 brütende Paare in Baden-Württemberg, inzwischen sind es 1197 im letzten Jahr. „Die Population hat unheimlich zugenommen.“

Das bisherige Ellwanger Storchenmännchen ist tot.

Inzwischen fliegen die Störche im Winter auch nicht mehr nach Afrika, sondern suchen sich für die kalte Jahreszeit ein Plätzchen meist in Portugal, Spanien oder auch Südfrankreich. Rund ein Drittel fliegt sogar überhaupt nicht mehr im Winter weg aus Deutschland – Tendenz steigend.

Seit fünf Jahren kommen Störche nach Stimpfach. Dasselbe Storchenpaar nistet seit vier ­Jahren dort. Bereits am 1. März kehrte das Männchen von seinem Winterlager zurück und saß ­anfangs alleine im Nest. Anfang April hat sich ein jüngeres Weibchen dazugesellt, das aber nach missglückter Paarung vom Männchen nach ein paar Tagen wieder vertrieben wurde. Inzwischen ist die Partnerin aus den Vorjahren wieder da. Der Grund für das ­alljährliche Durcheinander ist, dass die Störchenpaare nicht zusammen zum Überwintern in den Süden fliegen. „Wenn die Brut erfolgreich war, finden sie aber meist am gleichen Ort im Folgejahr wieder zueinander.“

In Freiberg-Geisingen soll sich der Storch niederlassen, in Ingersheim wartet man immer noch auf einen längerfristigen Besuch.

Kampf um das Nest

Die jüngere „Kurzzeitmieterin“ ließ sich den Rauswurf allerdings nicht so einfach gefallen und kehrte mit neuem Partner zurück. Sie wollten das Nest in Beschlag nehmen, und die beiden griffen deshalb das Paar an. Offensichtlich haben sich die Älteren dabei aber durchgesetzt und dürften wohl in den nächsten Tagen mit dem Brüten beginnen.

Das Paar, das immer noch kein Nest hat, treibt sich jetzt im Jagsttal herum. „Vielleicht entdecken sie ja noch die Nisthilfen in Siglershofen oder Weipertshofen, da könnten sie ja auch brüten“, so Vaas. Zudem sind Störche sehr wohl selbst in der Lage, Nester zu bauen, nutzen jedoch gerne Nisthilfen.

Bereits seit 2012 brüten Störche in Wildenstein. Seit 2014 war es immer dasselbe Paar. In den letzten drei Jahren war die Störchin zunächst immer mit anderen Männchen im Nest, die jedoch vom Nestinhaber jedes Mal erfolgreich vertrieben wurden. Dieses Jahr kam er jedoch nicht wieder, und jetzt hat sich die Störchin zum Bedauern der Wildensteiner einen „neuen“, sechs Jahre jüngeren Storchenmann angelacht und brütet mit diesem seit dem 31. März auf dem Kamin des Wildensteiner Rathauses. Dem Vorjahresmann könnte etwas zugestoßen sein. Da er beringt ist, wäre er sonst irgendwo anders registriert worden.

In Ellwangen endete der Kampf um das Nest zwischen zwei Storchenmännchen sogar tödlich. Das bisherige Männchen bekam beim Kampf um Brutpartnerin und Nest so schwere Verletzungen von seinem Rivalen zugefügt, dass er noch im Nest gestorben ist.

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Erstes Storchenpaar in Jagstheim entdeckt

Helmut Vaas aus Ellwangen ist ehrenamtlicher Weißstorchbetreuer, seit die ersten Störche in der Region sesshaft wurden. Er betreut aktuell sieben Nester, zwei davon im Ostalbkreis in Schwabsberg und Ellwangen, fünf im Raum Crailsheim und zwar in Ingersheim, Jagstheim, Crailsheim, Wildenstein und Stimpfach. Das erste Storchenpaar wurde 2008 in Jagstheim entdeckt.

Weißstorchbetreuer beziehungsweise Weißstorchberinger wird man nicht einfach so. Man braucht dazu eine gewisse Fachkenntnis, die man bei einem Beringerlehrgang (mit Prüfung) beim Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell nachweisen muss und dazu auch noch ein Praktikum bei einem erfahrenen Beringer. Erst dann bekommt man die Beringererlaubnis, um zur gegebenen Zeit an die streng geschützten Nester zu dürfen. rama