Langenburg / Sebastian Unbehauen In Langenburg hat der Gemeinderat gemeinsam mit der Verwaltung eine große Leistung vollbracht: Der Konflikt um den Windpark im Brüchlinger Wald ist weitgehend befriedet. Die Liste Lena tritt stark verkleinert an.

Nein, glücklich sind viele Langenburger bis heute nicht angesichts dessen, was sich da vor ihren Haustüren im Brüchlinger Wald dreht: die Rotoren von zwölf großen Windkraftanlagen der ENBW nämlich. Und doch ist der Frieden im Städtle darüber nicht zerbrochen. Selbstverständlich ist das nicht, denn im Kommunalwahlkampf 2014 hatte das Thema riesiges Aufregerpotenzial. Davon kündeten seinerzeit beispielsweise Protestplakate gegen den Windpark am Straßenrand – und die Wiederbelebung der früher schon einmal in Erscheinung getretenen Liste Lebensqualität und Natur (Lena), auf der gleich zehn Kandidaten antraten.

Für die radargestützte Befeuerung der Windräder im Brüchlinger Wald liegen jetzt alle Genehmigungen vor.

Kompromiss statt Krawall

Dass aus der stürmischen Großwetterlage vor fünf Jahren kein Orkan erwuchs, ist ein Beispiel für die Kraft, die gute Kommunalpolitik entfalten kann. Denn weder setzten die vier gewählten Lena-Stadträte auf Krawall und Blockade noch zeigten die Platzhirsche den Neuen die kalte Schulter. Stattdessen suchte man einen Kompromiss – und fand ihn: Die Zahl der Windräder wurde begrenzt, als Erster im ganzen Land wurde der Langenburger Windpark mit einer radargesteuerten Nachtkennzeichnung ausgestattet, eine Stiftung gegründet.

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Als Ausdruck der beschriebenen Beruhigung darf man wohl auch werten, dass heuer nur drei Lena-Kandidaten antreten, da­­runter Stadtrat Johann Pollanka. Die Lena-Stadträtinnen Gerlinde Kneucker, Karin Friedle-Unger und Corinna Scholz bewerben sich nicht erneut um Mandate.

Die Wahl 2019 wird also weniger umkämpft als die vorangegangene – zumal die anderen beiden Listen in Langenburg sich nicht als Konkurrenten betrachten. Dass Freie Wähler und Freie Bürgerliste in einem Boot sitzen, zeigt schon ein flüchtiger Blick in deren Broschüren: Diese sind identisch aufgemacht und die Gruppenbilder sind rund ums selbe Sofa vor derselben Wand aufgenommen. Außerdem kandidieren Räte, die zuletzt für die eine Liste im Stadtparlament saßen, nun für die andere Liste. Klaus Groninger, Wolfgang Maier und Regine Stromer treten nicht mehr an, alle anderen bisherigen Stadträte der großen Listen bleiben an Bord.

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Wer auch immer dann gewählt wird, hofft sicher inständig, im Laufe der Legislaturperiode nicht mit einer ähnlichen Situation konfrontiert zu werden wie die Vorgänger: Als am 29. Mai 2016 der Starkregen über Langenburg niederging, war das auch kommunalpolitisch ein schmerzlicher Einschnitt. Die Beseitigung der Schäden hat viel Geld gekostet – momentan wird noch immer da­ran geschafft, auf künftige extreme Wetterereignisse besser vorbereitet zu sein.

Und, apropos gut vorbereitet: Der Langenburger Gemeinderat hat in den vergangenen fünf Jahren auch darüber hinaus wichtige Weichen für die Zukunft gestellt – gerade was die Attraktivität des Städtchens für junge Familien angeht. Eine neue Mensa für die Grundschule wurde beispielsweise errichtet, der Kindergarten wurde mit einer Containerlösung erweitert. Auch neue Bauplätze sind entstanden. Und jetzt macht man sich auf den Weg, wirklich flächendeckend für schnelles Internet zu sorgen. Schließlich winken 90 Prozent kombinierte Bundes- und Landesförderung.

100 Prozent sicher ist indes, dass demnächst wieder ein Aufreger-Thema auf der Tagesordnung stehen wird: Der mögliche Bau einer Starkstromleitung zwischen Kupferzell und Rot am See, die auch das Jagsttal queren soll. Protest hat sich längst formiert, das Spaltungspotenzial in Langenburg ist diesmal aber eher gering – schließlich fordert auch der Gemeinderat eine Erdverkabelung.

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