„Und am vierten Tag hat’s geregnet.“ Mit Schmunzeln quittieren die circa 150 Besucher in der Haller Hospitalkirche am Mittwochabend diese lapidare Feststellung von Wolfgang Grandjean. Dieser hatte von seinen Versuchen berichtet, sich selbst das Joggen beizubringen. Die ersten drei Tage war er munter dabei, dann kam der Einbruch. Erst lag’s am Regen, an den Tagen darauf an schmerzenden Knien, am Zwicken in den Hüften. „Willkommen im Club“, kommentierten seine Kumpels. Das war die Geburtsstunde von „Lauf geht’s“: Der Marketingleiter der SDZ Mediengesellschaft in Aalen machte sich kundig und erfand das Format, das seither Hunderte Menschen in Bewegung gebracht hat.

Mit Lauf geht’s „fit werden und abnehmen“

Auch in Hall dürfte das Konzept aufgehen: Rund 150 Menschen – meist zwischen 35 und 70 Jahren – verfolgten die Auftaktveranstaltung. „Ich habe mich schon angemeldet“, bekennt Andreas Kugel, und sagt: „Alleine zu laufen – da ist es schwer, sich zu motivieren. Wenn man in der Gruppe läuft, dann steht man vor der Arbeit auf.“

Youtube

Der Rechtsanwalt will mit der Aktion „fit werden und abnehmen“. Noch unschlüssig ist Sylvia Pfannenkuch aus Rosengarten-Rieden. Sie hat Lauferfahrung, hat aber die vergangenen zwei Jahre pausiert. „Die Gruppe, überhaupt die Veranstaltung, spricht mich an.“ Sie überlegt noch, ob sie sich für das Training Zeit freischaufeln kann. „Aber das krieg ich auch hin“, meint sie zuversichtlich.

Mehr Freude, mehr Energie

Die Zuversicht und vielfach auch Vorfreude auf das Training waren zuvor von Grandjean geweckt worden. Muffe vor dem Training oder der langen Strecke wischte er keineswegs weg – er überzeugte mit Daten und Aussagen von fröhlichen Läufern. „Ich bin fitter geworden“, bekannte Siggi Oberle (68) in einem Video, „ich unternehme wieder mehr.“

Schwäbisch Hall

Von den mehr als 400 Läufern im Ostalbkreis (54 Prozent Einsteiger, 39 Prozent Gelegenheitsläufer, 7 Prozent Sportler) liefen 82 Prozent den Halbmarathon, 18 Prozent die zehn Kilometer-Strecke. Im Schnitt nehmen die Läufer 3,7 Kilogramm ab (bei stark übergewichtigen Läufern beträgt der Schnitt 6,1 Kilogramm), der Taillenumfang schwindet um durchschnittlich 5,6 Zentimeter. Gerade letzteres ist bedeutsam: „Mit einem geringeren Bauchumfang sinkt das Herzinfarktrisiko signifikant.“

Doch neben all den gesundheitlichen Vorzügen sei das Wichtigste: „Die Läufer haben mehr Lebensfreude, mehr Lebensenergie“, so Grandjean. Die Teilnehmer der Laufgruppen hatten vor dem Start des Programms und nach dem Halbmarathon ihr Energielevel zwischen eins und zehn skaliert. Im Schnitt lag das Level vor dem Programm bei 5,3, nach Abschluss bei 8,4. Laufen also nicht nur als natürliches Antidepressiva, sondern als Quell von Lebensfreude.

Was macht „Lauf geht’s“ anders? „Wir machen kein Laufprogramm, sondern ein ganzheitliches Gesundheitsprogramm“, erklärt Grandjean. Das Training übernehme Methoden aus dem Hochleistungssport. Mit einer anderen Ernährung sollen körpereigene Entzündungen reduziert, Muskeln aufgebaut werden. Und über Trainer, Newsletter, Vorträge und Webinare bleibe die Motivation dauerhaft hoch.

Der Körper wird langsam vorbereitet

„Wir starten mit Walking.“ Dann werde das ABC des Laufens vermittelt. Mit Mobilisations- und Stabilisationsübungen werde das Bindegewebe gefestigt und die neuromuskuläre Steuerung verbessert. Über ein vierminütiges, hochintensives Intervalltraining könnte zudem ein 75-minütiger Dauerlauf ersetzt werden. „Vier Minuten geht immer.“

Wichtige Punkte bei der Ernährung, die nach der Lehre von Sportwissenschaftler Dr. Wolfgang Feil ausgerichtet ist, sind: Gewürze verwenden, die das Bindegewebe stärken, entzündungserhöhende Lektine vermeiden und hochwertige Fette und mehr Eiweiß verspeisen.

Individuelles Tempo

Auch wenn in der Gruppe trainiert wird, bleibt es ein individuelles Training. Mithilfe eines Pulsmessers soll jeder mit seiner optimalen Herzfrequenz laufen. „Der eine läuft in der Zeit drei Kilometer, der andere fünf. Die Zeit ist nicht unser Ziel“, so Grandjean. „Wir wollen Genusslaufen ohne Leistungsdruck.“ Er verspricht: „Wenn ihr euch zu 70 Prozent an die Anleitung haltet, könnt ihr als Einsteiger unter drei Stunden den Halbmarathon laufen.“ Erfahrene Sportler könnten ihre Zeit um 20 bis 30 Minuten verbessern.

Info Das Training startet im April. In Schwäbisch Hall wird im Schenkensee-Stadion gelaufen, immer mittwochs ab 18 Uhr. Investieren sollten Läufer in gute Schuhe. Die Aktion wird von Intersport Schoell unterstützt – Teilnehmer erhalten dort 20 Prozent Rabatt. Wie Fred Adolf von Intersport erklärte, werde im Geschäft mit neuester Technik der zum jeweiligen Laufstil passende Schuh ermittelt. Eine Anmeldung zu dem Training ist weiterhin möglich. Infos unter www.laufgehts-sho.de.

Das könnte dich auch interessieren: