Sommerserie: Autobahn 6 Auf Pfeiler 7 nisten Falken

Petere Häffele vor dem Bauwerk, das er mindestens zweimal im Jahr genau unter die Lupe nimmt. Unter anderem achtet er darauf, ob Wasser in den Hohlkasten eindringt.
Petere Häffele vor dem Bauwerk, das er mindestens zweimal im Jahr genau unter die Lupe nimmt. Unter anderem achtet er darauf, ob Wasser in den Hohlkasten eindringt. © Foto: Erwin Zoll
Kreis Hall / Erwin Zoll 03.08.2018
Streckenwärter Peter Häffele achtet darauf, dass mit der Kochertalbrücke alles in Ordnung ist. Bis zu 57.000 Fahrzeuge rollen täglich über die höchste Brücke Deutschlands.

Der Weg in das Innenleben der Kochertalbrücke führt durch eine Tür aus Stahl auf der östlichen Seite des Bauwerks. Vom Autobahnparkplatz und der Christophorus-Kapelle sind es hierher nur wenige Schritte. Manchmal findet ein Autofahrer den Weg zu dieser Stelle, um das Wunderwerk der Ingenieurskunst aus der Nähe zu betrachten.

Mindestens zweimal im Jahr kommt Streckenwart Peter Häffele von der Autobahnmeisterei Öhringen hierher. Der 49-Jährige ist seit zweieinhalb Jahren unter anderem für acht Großbrücken zwischen dem Weinsberger Kreuz und der Landesgrenze zu Bayern zuständig. Die größte unter ihnen ist mit einer Höhe von 185 Metern und einer Länge von 1128 Metern natürlich die Kochertalbrücke.

Hinter der Stahltür führt der Weg eine Treppe hoch. Schon dort bietet sich dem Besucher wie von einem Balkon aus ein beeindruckender Blick auf die Unterseite der Brücke, die von acht Pfeilern gestützt das Kochertal überspannt. Zwei weitere, kürzere Treppen hoch geht es zu einer zweiten Tür. Hinter ihr verbirgt sich der Hohlkasten der Brücke. Jetzt im Sommer ist es darin warm und stickig, im Winter dagegen herrscht dort Eiseskälte.

Peter Häffele kümmert sich gerne um die 1979 fertiggestellte Kochertalbrücke. „Das ist meine Lieblingsbrücke“, sagt er, „hier kommt man überall hin, ohne dass man kriechen oder sich bücken muss.“ Tatsächlich ist die Brücke richtig geräumig: Der Hohlkasten ist 6,50 Meter hoch, 8,60 Meter breit und eben 1128 Meter lang. Der Blick des Betrachters verliert sich in der Dunkelheit, die nur ab und zu in der Ferne von einem schwachen Licht durchbrochen wird.

Mit einer Taschenlampe kontrolliert Häffele auf der linken Seite die 40 Zentimeter dicken Rohre, durch die das Wasser von der Fahrbahn durch die Pfeiler zur Talsohle abgeleitet wird. Auf der anderen Seite des Hohlraums gilt Häffeles Aufmerksamkeit zwei Kabelpritschen, auf denen mehrere Elektrokabel verlaufen. Er achtet unter anderem darauf, ob irgendwo Wasser eingedrungen, ob Beton abgeplatzt ist oder sich Risse gebildet haben. Einen halben Tag braucht Häffele für die Kontrolle.

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Am Pfeiler Nummer 7, das ist der zweite von der Ostseite aus, hatte Häffele in diesem Frühjahr eine besondere Aufgabe. Dort musste er auf ein Falkenpaar achten, das drei Jungvögel aufgezogen hat. Während ein Experte des Naturschutzbunds die Jungen beringt hat, behielt Häffele die Altvögel in der Luft über ihm im Auge.

Tiere spielen in der Kochertalbrücke keine geringe Rolle. Zwischen dem siebten und dem achten Pfeiler befindet sich ein Nistkasten für Eulen, der allerdings derzeit unbewohnt ist. In der Vergangenheit hatten sich schon mal Fledermäuse eingefunden, und am Widerlager hat kürzlich ein Rotschwänzchen ein Nest gebaut.

2013 bis 2015 wurde die Brücke saniert und dabei auf den sechsspurigen Ausbau der A 6 vorbereitet. Dabei wurde zum einen der Hohlkasten verstärkt, zum anderen der Mittelstreifen verschmälert, sodass jetzt in jeder Fahrtrichtung drei Spuren Platz haben.

Einen halben Tag braucht Peter Häffele für die Inspektion. Er nimmt seine Aufgabe ernst, denn schließlich hängt die Sicherheit der Autofahrer, die die Brücke überqueren, von seiner Arbeit ab. Und Häffele ist sich bewusst, dass er hoch über dem Kocher einen besonderen Arbeitsplatz hat. „Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich der Brückenwart der höchsten Brücke Deutschlands bin“, bekennt Häffele, der in seiner Freizeit gerne Motorrad fährt und im Urlaub taucht.

Mit der Inspektion, die Peter Häffele in der Brücke vornimmt, ist es nicht getan. „Alle unsere Mitarbeiter sind zu einer Sichtkontrolle angehalten, wenn sie über die Brücke fahren“, sagt Hans-Jürgen Höh, der Chef der Autobahnmeisterei. Die Mitarbeiter achten dabei auf Schäden an den Leitplanken und Leitpfosten, am Sichtschutz und am Übersteigschutz, der Lebensmüde davon abhalten soll, sich von der Brücke zu stürzen. Alle vier bis sechs Wochen müssen die Einläufe für das Regenwasser überprüft werden. Und nicht zu vergessen: Die Windsäcke, die den Autofahrern an den beiden Brückenenden die Windrichtung anzeigen, müssen regelmäßig ersetzt werden. Im Schnitt hält der Stoff gerade einmal ein halbes Jahr, dann hat ihn der Wind zerfetzt.

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