Musikprofessorin in Hohenlohe Klavier-Meisterkurs in Kirchberg

Kyoko Hashimoto mit ihrem Kollegen, dem an der Musikhochschule Münster tätigen Violinprofessor Helge Slaatto.
Kyoko Hashimoto mit ihrem Kollegen, dem an der Musikhochschule Münster tätigen Violinprofessor Helge Slaatto. © Foto: Ralf Snurawa
Kirchberg / Ralf Snurawa 11.08.2018
Seit sechs Jahren gibt es den internationale Kammermusik-Meisterkurs mit Klavierprofessorin Kyoko Hashimoto in Kirchberg.

Begonnen hatte der Kurs 2004 im tschechischen Marienbad. Dort war Kyoko Hashimoto auf die Crailsheimerin Erika Zander getroffen, die ihr zunächst Schloss Kapfenburg als geeigneten Veranstaltungsort vorschlug. Danach fand der Meisterkurs 2006 das erste Mal in Kirchberg statt und – nach Ausweichen ins portugiesische Beja, wieder auf Schloss Kapfenburg und auch in Schloss Weikersheim – ab 2012 an der Jagst.

Das hübsche Altstadtensemble und die Unterstützung, die Kyoko Hashimoto hier gefunden hat, haben den Ausschlag für Kirchberg und sein Schloss gegeben. Immer wieder unterrichten hier neben der Pianistin Kollegen aus dem Kammermusikbereich.

Zuletzt war es der Violinspieler Mark Gothoni, in den Jahren davor die Violinspieler Alexander Janiczek und Laura Andriani sowie der Cellist Rafael Rosenfeld. Dieses Jahr hat Hashimoto zwei Kollegen aus Skandinavien eingeladen: den finnischen Cellisten Martti Rousi, ein Schüler von Janos Starker, der an der Sibelius-Academy in Helsinki eine Professsur inne hat, und den aus Norwegen stammenden Violinspieler Helge Slaatto, der an der Musikhochschule Münster als Violinprofessor tätig ist. Slaatto war Schüler des legendären Violinvirtuosen Sándor Végh am Salzburger Mozarteum. Mit eben jenem Végh hatte auch Hashimoto des Öfteren gemeinsam musiziert. Sie, die Schülerin von György Sebök und György Kurtág, und Slaatto sehen sich in einer Linie mit Végh.

Dabei ist es ihnen wichtig, so betonen sie es im Gespräch, dass Musik nicht effektvoll, überbetont und besonders publikumswirksam gespielt, sondern das Gegenteil gesucht wird. In einem Interview meinte Végh einmal: „Ein Musiker dient der Musik. Denn die Komposition, die mich beschäftigt, ist so groß, dass ich keine Rolle spiele, und ich gebe weiter, dass nicht ich es bin, auf den es ankommt, sondern versuche, des Komponisten Geist und Seele, die schöpferische Kraft folglich, die von der Komposition ausstrahlt, weiterzugeben. Also: Ich bin ein Medium.“

Für Hashimoto und Slaatto sind das Fragen, wie man eine Melodie zum Singen bringt, wie man am besten intoniert, wie man Atembögen gestaltet und schließlich emotionale Tiefe erreicht.

Das sind Aspekte, die sie ihren Studenten weitergeben möchten, etwa der Violinspielerin Maria Krstic und dem Pianisten Jeremy Hu, beide aus Kanada. Beide spielen Kyoko Hashimoto aus Ludwig van Beethovens c-Moll-Violinsonate op. 30 Nr. 2 den langsamen Satz vor, ein „Adagio cantabile“.

Sie erklärt ihnen nach einmaligem Durchspielen, wie sie Betonungen zu setzen haben, damit der gesamte Gestaltungsbogen einen Sinn ergibt. Wie muss man die Melodie atmen, dass es richtig klingt, also: Wann und wie muss ich lauter und leiser werden? Hashimoto nennt es das Schwingen der Melodie. Wie frei sind melodische Varianten zu gestalten? Wie muss ich mit einer harmonischen Wendung umgehen, dass sie ihre Wirkung entfalten kann?

Dabei sind die beiden Studenten keine Anfänger. Sie studieren wie alle anderen Teilnehmer dieses Kammermusik-Meisterkurses bereits an Musikhochschulen. Sie müssen den Dozenten vorab Videos zuschicken. Aus den zugesandten wird dann eine Auswahl getroffen.

Dieses Jahr werden insgesamt 16 Studenten aus Taiwan, Japan, Malaysia, Kanada, den USA, Slowenien, Kroatien, Österreich, den Niederlanden, Dänemark, Schottland, Finnland und Griechenland das Kirchberger Schloss bis zum 18. August zum Klingen bringen.

Drei Konzerte im Kirchberger Schloss

In zwei Konzerten, am Sonntag, 12. August, um 17 Uhr und am Samstag, 18. August, um 19.30 Uhr werden die Studenten ihr Können der Öffentlichkeit vorstellen. Am Mittwoch, 15. August, werden die Dozenten, verstärkt durch Helge Slaattos Ehefrau, ebenfalls eine ehemalige Végh-Schülerin, dann ab 19.30 Uhr spielen, unter anderem das g-Moll-Klavierquartett opus 25 von Johannes Brahms. snu

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