Auf dass aus Wüsten Gärten werden

Auch Herzen können Wüsten sein, Gefühlswüsten, Einsamkeitswüsten, Trauerwüsten. Privatfoto
Auch Herzen können Wüsten sein, Gefühlswüsten, Einsamkeitswüsten, Trauerwüsten. Privatfoto
SWP 08.03.2014
Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Steffen Erstling vom Pfarramt Ingersheim.

Meine Tochter musste vor Kurzem eine bauen. Für die Schule, aus einem Schuhkarton und verschiedenen Materialien. Eine Wüste. Das war nämlich das Thema, das sie in der 7. Klasse behandelt haben. Die Gobi und die Sahara und so weiter. Da ging es auch darum, dass die Wüsten sich aufgrund des Klimawandels weltweit ausdehnen und dass sogar neue dazu kommen. "Desertifikation" heißt der Fachausdruck dafür. Das hat also nichts mit leckeren Nachspeisen zu tun, sondern damit, dass die Erde droht, das zu werden, was sie laut Schöpfungsbericht zu Anfang schon mal war: wüst und leer.

Gut, dass wir in Deutschland leben, denke ich dann. Unsere Gegend ist ja zum Glück bisher nicht als Wüstenregion hervorgetreten. Also gemach! Oder?

Um Wüsten zu finden, müssen wir freilich gar nicht so weit gehen, nicht zur Gobi oder in die Sahara, nicht auf Mars oder Mond. Wüsten und Trockenheit, Irrnis und Wirrnis (so wurde das biblische "Tohuwabohu" der Schöpfungserzählung übersetzt) gibt es gleich in der Nachbarschaft: Gefühlswüsten, emotionale Trockenheit, Lebensverwirrung, Holzwege ins Leere, Liebesverödung. Die Wüsten, die wir zu fürchten haben, sind in uns. Desertifikation der Herzen könnte man das nennen. Sicher, man findet hier und da - Gott sei Dank - auch Oasen aus Liebestaten und Hilfsbereitschaft. Aber viel zu oft gibt es eben auch grauenvolle, beängstigende Trockenheit: Ich erschrecke, wenn ich höre und sehe, wie Menschen miteinander umgehen, wie Kinder misshandelt oder vernachlässigt, Alte missachtet und abgeschoben werden, wie gemobbt und geschnitten, gedopt und gelitten wird. Ödnis, Wüstenei, direkt vor der Haustür, in Schule und Geschäft, in Familie und Partnerschaft.

Da bin ich richtig froh, wenn ich mal wieder was von einer Menschlichkeitsoase höre oder lese, wo es sich gut ausruhen lässt. Wie gut, dass es die auch gibt. Und es gibt, zuerst und vor allem, auch den, der aus der Wüste und Leere des Anfangs einen blühenden Garten schuf, der einen Paradiesgarten wachsen ließ, in dem wir nach wie vor Heimatrecht haben.

Herzen können Wüsten sein, Gefühlswüsten, Einsamkeitswüsten, Trauerwüsten. Aber sie können auch Quellen sein: Springquellen der Lebenslust, der Liebesleidenschaft. Wir brauchen uns nur an den zu wenden, der sich selber "Quelle des Lebens" nennt. "Wer Durst hat, soll kommen! Wer möchte, bekommt das Wasser des Lebens - umsonst!", heißt einer der letzten Sätze der Bibel (Offenbarung 22, Vers 17). Dieses Versprechen, dass wir bei ihm nicht durstig bleiben, nicht verdursten, weil er unsere Sehnsüchte sieht und unsere Liebesbedürftigkeit kennt, diese Zusage ist Gottes erstes und letztes Wort.

Wie wärs, Sie machen sich in der gerade angebrochenen Passionszeit mal auf die Suche nach dieser Quelle. Es gibt genug Möglichkeiten dafür. Eine davon finden Sie gleich um die Ecke. Besuchen Sie doch mal wieder eine Kirche - ob während oder außerhalb der Gottesdienstzeiten. Ich bin sicher, da werden Sie spüren, wie nach und nach das trockene Land Ihrer Seele bewässert wird. Auf dass aus Wüsten Gärten werden.

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