Job Arbeitsagentur will sich verstärkt um schwer Vermittelbare kümmern

Die Agentur will sich verstärkt um Langzeitarbeitslose kümmern.
Die Agentur will sich verstärkt um Langzeitarbeitslose kümmern.
Landkreis / REI/SEL 23.01.2013
Die Agentur für Arbeit Hall-Tauberbischofsheim bekommt dieses Jahr acht zusätzliche Vermittler für schwer vermittelbare Arbeitslose. Der Betreuungsschlüssel beträgt dann nicht mehr 1:200, sondern 1:65.

Der neue Betreuungsschlüssel ist Teil einer Strategie, die in dem begründet ist, was zuletzt in Deutschland im Extremen passierte: deutlich weniger Arbeitslose, von denen aber mehr schwerer vermittelbar sind. Die Agentur für Arbeit betreut die Kreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Neckar-Odenwald.

Die Arbeit mit Langzeitarbeitslosen und schwer vermittelbaren ist besonders anstrengend, zeitaufwendig und personalintensiv. Von den 1873 Hartz-IV-Empfängern (das Amt spricht von Arbeitslosen im SGBII-Bereich), die im Dezember 2012 im Hohenlohekreis lebten, sind 694 mehr als ein Jahr ohne Job. "Das ist sehr viel und ein Zeichen dafür, dass man irgendwann an die Grenze des Machbaren kommt", sagt Stefan Gutfreund, Geschäftsführer der Agentur.

Andererseits sind die Firmen im Kreis auf diese Kräfte angewiesen: Der demografische Faktor lässt die Zahl der heimischen Arbeitskräfte schwinden, gleichzeitig werden wohl zu wenige Menschen aus dem In- oder Ausland zuwandern, weil die Metropolregionen attraktiver sind. Das heißt: So gut wie jeder wird gebraucht. Einen harten Kern von Langzeitarbeitslosen wird es immer geben: Wer gleichzeitig drogensüchtig, verschuldet und krank ist, wird auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben. Andere schon, wenn sie gezielt gefördert werden.

Gutfreund nennt die drei wichtigsten Bausteine der Reform: die Fusion, die Verschlankung und die intensivere Betreuung. Die Agenturen für Arbeit Hall und Tauberbischofsheim wurden zum 1. Oktober vereinigt. Die vier Kreise bilden jetzt den größten Bezirk im Land. Personal kann eingespart oder effektiver eingesetzt werden. Bis 2015 werden im Bund durch solche und andere Zusammenlegungen 15.000 Stellen abgebaut.

Die Vermittlung soll darunter aber nicht leiden; lediglich die Verwaltung wird schlanker. Ein Beispiel: Die Auszahlung von Geldleistungen wird zentralisiert. Dafür wird die Vermittlung gestärkt: dezentral. Die Verantwortlichen vor Ort haben den Rücken frei von Verwaltungstätigkeiten und können sich noch mehr auf die Vermittlung konzentrieren. Es lohne sich, in Arbeitslose mit "komplexen Problemlagen" zu investieren. Nicht über die Träger, sondern direkt in der Agentur. "Das ist belegt und eine unheimlich wichtige Erkenntnis", sagt Gutfreund. Also wird seine Agentur in 2013 insgesamt acht zusätzliche Vermittler bekommen. Speziell für diesen "Kundenkreis".