Windpark-Prozess Anleger-Geld in Kreisverkehr geschickt

Ulrich Pfaff 04.11.2016

Wo sind die Millionen, die Mike Rico Trentzsch bewegt hat? Die Gelder, die er von Anlegern für den geplanten Windpark Wittenweiler in Blaufelden gesammelt hat? Der Frage geht das Landgericht Paderborn jetzt beim neu aufgerollten Betrugsprozess gegen den 44-Jährigen aus Lippstadt nach – mit interessanten Erkenntnissen, die es beim ersten Verfahren vor drei Jahren so noch nicht gab.

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld hatte aufgrund von Erkenntnissen aus der Beweisaufnahme seinerzeit ihre Untersuchungen noch einmal ausgedehnt. Über das Ergebnis berichtete nun ein dort tätiger Wirtschaftsprüfer, der sich die Zahlungsströme der von Trentzsch kontrollierten Konten angesehen und Zu- und Abgänge von Beträgen überprüft hatte.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte der Windpark-Planer als gelernter Banker mit krimineller Energie Gelder so lange umgebucht, bis ihre Herkunft nicht mehr nachzuverfolgen war – und hatte sie dann teils als eigene Mittel deklariert.

So hatte etwa die sogenannte Obergesellschaft für den Windpark  am 1. April 2010 insgesamt 150 000 Euro an Anlagen als stille Beteiligungen an den Windkraftanlagen eingesammelt und diese auf das Konto einer anderen Trentzsch-Firma überwiesen. Am selben Tag ging der gleiche Betrag dort auf ein Privatkonto Trentzschs ab, deklariert als Gesellschafter-Darlehen – und von dort aus mit gleichem Datum weiter an eine der Windrad-Betriebsgesellschaften als Kommanditeinlage von Trentzsch. Wenige Tage später erhielt die Obergesellschaft eine „erste Rate“ von 150 000 Euro von dieser Betriebsgesellschaft zur Zahlung von Anteilen an den Projektrechten.

Landwirt verliert 400 000 Euro

Ähnlich verhielt es sich etwa bei den Anlagen eines Landwirts aus Hohenlohe. Er hatte Trentzsch insgesamt 400 000 Euro überlassen. Mit der letzten Zahlung von 200 000 Euro wollte der Landwirt einen Kommanditanteil für ein komplettes Windrad erwerben, um sich ein ganze Anlage selbst zu sichern – für die Summe nahm er sogar einen Kredit auf. Von diesen 200 000 Euro, die auf dem Konto der entsprechenden Windrad-Betriebsgesellschaft eingezahlt war, ging nach vier Wochen ein Betrag von 100 000 Euro ab: als „Teilrückzahlung KG-Anteil“ auf ein privates Konto von Trentzsch, das zu diesem Zeitpunkt nach Erkenntnissen der Ermittler ganze 214 Euro Guthaben aufwies.

Von diesem Konto aus wurden zahlreiche Überweisungen als angeblich private Zubuchungen auf Firmenkonten vorgenommen, aber auch direkte Zahlungen zum Beispiel für Einkäufe im Baumarkt und Abhebungen an Geldautomaten.

„Das ist komplett für private Zwecke verbraucht und verbraten worden“, stellte der Wirtschaftsprüfer fest. Der Angeklagte, so das Fazit des Zeugen vor Gericht, sei „mit fremdem Geld kreisend wertschöpfend umgegangen“ und habe nach außen „suggeriert, es handele sich um sein eigenes Geld“.

Angeklagter äußert sich nicht

Entgegen der Ankündigung der Verteidigung, Trentzsch werde sich zu den Vorwürfen äußern, verging der bisher letzte Prozess­tag ohne Einlassung des Angeklagten. Dies soll nun in der kommenden Woche erfolgen. Weil die Strafkammer des Landgerichts Trentzschs Sicht der Dinge zunächst hören will, bevor es weitergeht, sind noch keine weiteren Zeugen geladen. Ulrich Pfaff