Rathaus Anja Wagemann als Bürgermeisterin von Fichtenau eingesetzt - bei heiterer Feier

HARALD ZIGAN 03.08.2015
Im Rathaus in Wildenstein hängt ihr Namensschild schon seit einigen Tagen neben der Bürotür - und nach der Amtseinsetzung am Freitag nimmt Anja Wagemann am heutigen Montag offiziell auf dem Chefsessel Platz.

Nirgendwo steht geschrieben, dass staatstragende Akte stocksteif und nüchtern ablaufen müssen. Das sagten sich auch die Fichtenauer - und so geriet am Freitag die Amtseinsetzung der neuen Bürgermeisterin Anja Wagemann in der Festhalle in Matzenbach zu einer beschwingten Angelegenheit.

Dass ein entspannter Abend mit viel Musik und Gesang (Liederkranz Wildenstein, Kirchenchor und Rotachtaler Musikanten) anstand, kündigte sich schon mit dem zweiten BM-Stellvertreter Herbert Kaspar an: Locker und ungezwungen spielte er seine Rolle als Moderator - und sogleich formulierte der erfahrene Gemeinderat quasi das Grundsatzprogramm für die künftige kommunalpolitische Arbeit: "Eine für alle und alle für eine - damit kommen wir in den nächsten Jahren am besten voran in Fichtenau."

Auf derselben Linie lag der erste BM-Stellvertreter Gerald Ilg, der an diesem Abend von der zweieinhalb Monate währenden Bürde des kommissarischen Rathaus-Chefs befreit und für die Erledigung dieser zeitintensiven Aufgabe neben seinem Beruf allenthalben gelobt wurde: "Jetzt ist die Zeit gekommen, die Ärmel wieder hochzukrempeln und die kommunalpolitischen Herausforderungen für Fichtenau anzunehmen" - sprach's und nahm der neuen Bürgermeisterin den Amtseid ab.

Zur lockeren Atmosphäre des Abends trug auch Landrat Gerhard Bauer bei: "Wenn die neue Bürgermeisterin den Fichtenauer Gemeinderat so schön dirigiert wie den Kirchenchor, dann kann nichts mehr schiefgehen." Auch im Landratsamt in Schwäbisch Hall ist offenbar bekannt, dass im Fichtenauer Gemeindeparlament "keine Ja-Sager sitzen - aber gerade in den Kommunen ist eine konstruktiv-kritische, sachliche und offene Arbeit gefragt", sagte der Landrat.

Die neue Bürgermeisterin, so Gerhard Bauer, könne angesichts der Bürgermeisterwahl am 14. Juni (62,8 Prozent für Anja Wagemann im ersten Urnengang bei einer Wahlbeteiligung von 65,8 Prozent) "mit viel Rückenwind an den Start gehen". Ihr Vorgänger Martin Piott, der jetzt an der Spitze von Bretzfeld im Hohenlohekreis steht, habe ein "wohlbestelltes Haus hinterlassen".

Auch Johannes Schmalzl strahlte keine unnahbare Beamtenwürde aus - ganz im Gegenteil. Erstaunlich gut mit Fichtenauer Lokalkolorit ausgestattet, sinnierte der Regierungspräsident aus Stuttgart über den Vormarsch der Frauen auf den Rathäusern nach - und wollte "von Fichtenau aus ein Signal hinaussenden, dass sich noch mehr Frauen für ein solches Amt bewerben".

Johannes Schmalzl rief zudem alle Bürger im Land dazu auf, den Flüchtlingen "in humanitärer Verpflichtung zu begegnen - wir haben in der Vergangenheit schon viel gestemmt und werden auch dieses Aufgabe stemmen". Glückwünsche statteten zudem Martina Leidig für den Landfrauenverein, Franz Litak für den Liederkranz Wildenstein und Konrad Meiser für die Dorfgemeinschaft Matzenbach ab.

Das letzte Wort hatte Anja Wagemann: Auch wenn sie die Seiten gewechselt habe, wolle sie dem Gemeinderat und den Bürgern auch in Zukunft offen, ehrlich und auf Augenhöhe begegnen: "Das größte Kapital, das wir benötigen, sind Bürger, die die Gemeinde aktiv mitgestalten wollen."

Einen Wunsch von Kindern aus ihrer Verwandtschaft musste Anja Wagemann aber schon mal abschlägig bescheiden: "Ein McDonald's und ein Freizeitpark für Fichtenau - das geht wohl nicht."

Bürgermeister: Kreis hat höhere Frauenquote als das Land

Kommunalpolitik auf den Rathäusern im Land ist nach wie vor fast reine Männersache. Aber die Frauen holen auf - vor allem im Kreis Schwäbisch Hall: Nach Rita Behr-Martin (Wallhausen), Ute Zoll (Vellberg) und Petra Weber (Blaufelden) sitzt jetzt mit Anja Wagemann in Fichtenau die vierte Frau auf dem Chefsessel eines Rathauses.

Die weibliche Quote liegt damit im Kreis Schwäbisch Hall bei immerhin 13 Prozent. Landesweit haben dagegen nur neun Prozent Bürgermeisterinnen diesen Posten inne. "Da ist noch viel Luft nach oben", sagte Regierungspräsident Johannes Schmalzl in Matzenbach. Er ermunterte Frauen dazu, sich für dieses Amt zu bewerben - und der Regierungspräsident lässt es sich im Gegensatz zu seinen drei Kollegen im Land nicht nehmen, zur Amtseinsetzung einer jeden Bürgermeisterin höchstpersönlich zu erscheinen.

HAZ